Zusammenbruch der Zusammenarbeit. Folgen der Selbstdispensation

Selbstdispensierende Ärzte können ein Problem sein.

Meine … Kollegin arbeitet in einem Kanton, wo ein Teil der Ärzte selber Medikamente abgibt – ein anderer Teil aber nicht.

Man bekommt teils Rezepte auch von den selbstdispensierenden Ärzten, vor allem, wenn sie etwas nicht haben. Lies: alles, was etwas ungewöhnlicher ist.

Rezepte können … fehlerhaft sein. Das ist unser täglich Brot: zu kontrollieren wegen Dosierung und Anwendung und im Fall einzugreifen. Meist ist es kein Problem, das mit dem verschreibenden Arzt zu klären – aber manche der SD Ärzte sind da offenbar sehr eklig gegenüber den Apothekern. Anfragen werden nicht beantwortet, es wird nicht innert nützlicher Zeit zurückgerufen, Vorbezüge für Dauermedikamente werden nicht ausgestellt und ganz allgemein ist das Verhalten mehr als kühl .. unhöflich!

So auch der Arzt, der dem 4-jährigen Kind einen Cortison-Nasenspray aufgeschrieben hat. Nach der Erläuterung der Mutter sollte das aber eher ein Inhalationsmittel sein. Also für die Lunge – nicht die Nase.

Die Apothekerin rief der Praxis an, das zu klären und eventuell zu ändern.

Der Arzt gab dann auch zu, dass er den Inhalator verschreiben wollte, aber er war am Telefon so etwas von unfreundlich … dass sie da nicht mehr so bald anrufen wird.

Lieber schickt sie die Patienten mit so einem Problemrezept gleich selber wieder zum Arzt, das zu klären. Das ist nicht sehr Patientenfreundlich und es ist wirklich eine Schande, wenn die Profis im Gesundheitssystem nicht zusammenarbeiten können um den Patienten die beste, sicherste und schnellste Service zu bieten.

Aber der Apothekerin  werfe ich das hier nicht vor.

11 Antworten auf „Zusammenbruch der Zusammenarbeit. Folgen der Selbstdispensation

  1. Ich bin auch bald soweit, dass ich keine Telefonate nach Zürich usw. mache…
    Nicht nur, dass man etwa so höflich behandelt wird wie ein dreckiger Putzlappen – nein meist bekommt man keinerlei Auskunft. Es ist eine Schande! :-(
    Ich zittere ob der bevorstehenden Abstimmung im Kanton Aargau – ich hoffe, dass die Bevölkerung die richtige Entscheidung trifft!

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  2. Ich verstehe nicht ganz, was der Zusammenhang in diesem Fall mit der Selbstdispension ist? Der Arzt war rüde/unfreundlich, aber da es ja offenbar um ein ausgestelltes Rezept geht, sehe ich den Zusammenhang nicht.

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    1. Selbstdispensierende Ärzte stellen nur dann ein Rezept aus, wenn das Medikament ein Exot ist, den sie nicht an Lager haben… Und dann ist es natürlich auch oft etwas, was die Apotheke dann auch nicht an Lager hat.
      Und da der Arzt es selber sehr wenig verwendet, ist auch die Chance grösser, dass er bei der Verschreibung Fehler macht…

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    2. Der Arzt war unfreundlich / unhöflich, weil er die Apotheke nicht mehr als Teammitglied um die Gesundheit des Patienten ansieht, sondern als Konkurrenz … zudem noch in dem Fall als „reklamierende“ Konkurrenz.
      So sehe ich das.
      Die Kommunikation zwischen den Berufsgruppen- und das habe ich schon von vielen betroffenen Apotheken gehört nimmt nach Einführung der SD stark ab – ausgehend tatsächlich vor allem von den Ärzten.

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  3. Hm, also mir als Med. Fachangestellte ist es eher peinlich, wenn ich ein Rezept falsch ausgestellt habe. Wenn die Apotheker/in dann nachfragt bin ich bemüht alles so schnell wie möglich richtig zu machen, so dass der Patient schnell das richtige Medikament bekommt.

    Schade dass es bei Euch nicht so klappt und dass so manch Arzt seinen Frust an Euch auslässt…

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    1. Ehrlich: Fehler können passieren. Keine Vorwürfe deswegen. Es ist nur gut (auch bei uns in der Apotheke), wird das Rezept nochmals angeschaut und kontrolliert.

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  4. Selbstdispensierende Ärzte sehe ich kritisch. Hier in Deutschland geht der Trend übrigens in die andere Richtung: Gegenwärtig wird überlegt, dass Tierärzte in Zukunft keine Arzneimittel mehr abgeben dürfen (was hier erlaubt ist), sondern die Abgabe durch eine Apotheke erfolgen muss.

    Der Grund liegt darin, dass man die Antibiotikaresistenzen in den Griff bekommen möchte und der Meinung ist, dass ein Tierarzt schneller Antibiotika verschreibt, wenn er daran noch zusätzlich verdient. Die Tierärzte wehren sich natürlich gewaltig, da sie Einkommensnachteile befürchten.

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    1. Interessanterweise hatten wir hier vor ein paar Jahren dasselbe. Damals gaben alle Tierärzte die Medikamente selber ab – und nur sie konnten sie tatsächlich auch bestellen. Das heisst, wenn ich als Apotheke ein Medikament für ein Tier bei Firma oder Grossist bestellen wollte, hiess das nur: „nicht möglich“. Das wurde schliesslich vom Gesetzgeber als unlautere Monopolstellung verurteilt – mit dem Ergebnis, dass ich heute als Apotheke auch an Tiermedikamente komme. Es gibt inzwischen ein paar Apotheken, die sich auch darauf spezialisiert haben, aber … im grossen und ganzen dürften die Tierärzte wegen der neuen Regelung nicht gelitten haben. Sie dürfen ja immer noch abgeben – halt nur nicht mehr alleine. (Und: rezeptpflichtig braucht auch für Tiermedikamente ein Rezept in der Apotheke).
      Was das mit den Antibiotika angeht … ich (persönlich) glaube, das dürfte ein grösseres Problem sein in der Massentierhaltung als beim Einzeltier zuhause. Sollen die Medikamente dann auch nur noch via eine Apotheke abgegeben werden?

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      1. Ja, sollen sie. Was höchstens dazu führen wird, dass sich in Gebieten mit hoher Tierdichte riesige Apothekenketten ansiedeln werden, die mehr oder weniger ausschließlich Antibiotika abgeben werden (von ein paar Flaschen NSAIDs mal abgesehen), während es ziemlich schwer sein dürfte, die Kuh auf der Alm zu versorgen wenn der Tierarzt das benötigte AM nicht im Kofferraum hat.

        Wie ist das denn bei euch mit dem Wissen zu Tierarzneimitteln? Ich habe hier bei einer der letzten „schafft das Dispensierrecht für Tierärzte ab“-Debatten mal eine kleine Privatstudie in Apotheken gestartet und musste feststellen, dass keine einzige Ahnung vom Arzneimittelrechlichen Hintergrund von Tierarzneimitteln hatte. Das Wörtchen Umwidmungskaskade hatte noch niemand gehört…
        Wie ist das denn in der Schweiz geregelt?

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        1. Nun, mir sagt das mit der Umwidmungskaskade tatsächlich etwas, weil ich mich (wie viele andere Apotheker hier) nach der Öffnung des Marktes um eine Weiterbildung (zumindest der Grundsätze der rechtlichen Sachen) bemüht habe. Die Weiterbildung wurde übrigens von einem Tierarzt durchgeführt. Dass die Apotheker in Deutschland bisher noch keine Ahnung darüber haben, kann man ihnen kaum vorwerfen. Was bringt es, das zu lernen solange man das Wissen nicht einsetzen darf? Falls das Gesetz kommt, kommen auch die Weiterbildungen und damit das Wissen.

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      2. Hallo,
        Unser Tierarzt gibt viel mehr Impfstoffe als Antibiotika aus, Schmerzmittel werden auch benötigt, Eisen, und ein paar Hormone (3 Zehnerpotenzen weniger im ganzen Veterinär Bereich wie in der Humanmedizin in Deutschland).

        Der Verbrauch an Antibiotika im Stall ist im großen und ganzen Stark rückläufig.
        Das andere ist, der Großteil der MRSA-Stämme kommen aus Kläranlagen, Krankenhäuser.
        Mit freundlichen Gruß

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