Ruhe sanft, Frank

In der Zeitung war letzte Woche eine Todesanzeige von einem unserer Patienten … nennen wir ihn Frank. Das kam für uns nicht ganz unerwartet, Frank hatte Krebs und sah schon länger nicht mehr so gut aus.

Bedauernd mache ich einen Vermerk im Patientendossier von Frank: „Verstorben“.

Heute kommt eine Frau in die Apotheke und will von dem Dauer-Rezept von Frank die Schmerztabletten beziehen.

Die Pharmaassistentin schaut entsetzt auf meinen Vermerk und holt mich.

Bimed zur Frau mit dem Tablettenwunsch: „Entschuldigung … meinen sie die MST retard für Frank? Der Frank, der letzte Woche gestorben ist?“

Weg war sie.

Armer Frank – ich hoffe, sie haben ihm genug Tabletten übriggelassen, dass er nicht mit Schmerzen sterben musste.

11 Antworten auf „Ruhe sanft, Frank

    1. Ich kenne dieses Dauerrezeptprinzip nicht. Kann das denn in mehreren Apotheken liegen? Dazu noch für ein Morphin? Und dann kann das ohne Personalienangabe (die dann spätestens bei der Abrechnung bei der KK zu Problemen führt) einfach so abgeholt werden?
      Oder war das einfach irrationales Junkieverhalten und wäre sowieso schiefgegangen?

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    2. Das Dauerrezept ist nur in einer einzigen Apotheke hinterlegt. Für andere Personen abholen geht aber prinzipiell schon (ob bei diesem Präparat „jede/r“ abholen kann, weiss ich aber nicht), aber wenn ich sagen kann, welches Medikament von welchem Arzt verschrieben für welchen Patienten in welcher Menge ist das schon ein Indiz, dass ich vom Patienten beauftragt bin.

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      1. Absolut richtig.
        Noch ergänzend: Dauerrezepte für Betäubungsmittel (darunter fällt das Schmerzmittel) sind eher selten. Da hat man schon ein gutes Auge drauf, *wer* da etwas abholen kommt.

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    3. Als ich das gelesen hatte, dachte ich: HART.
      Vorab – ich weiß nicht wie gut Du Frank kanntest oder eben nu so und eben wußtest daß er tot ist. Wenn eben nicht so gut muß ich sagen bin ich geschockt wie Du als erstes denken kannst, die Frau – vermute seine bzw. Verwandte oder was in der Art – hätte ihm das Morphium weggefressen und zwar in dem Ausmaß daß seine Schmerzen nicht erledigt waren. Sowas käme mir gar nicht in den Sinn – vllt. hat sie ihn gepflegt, selber seelisch so sehr gelitten wie er körperlich? Und was liegt da näher als diese Schmerzen mit dem universellen Schmerzkiller für ALLES zu betäuben? Und dann die Erlösung erstmal nur für einen – der andere bleibt mit noch mehr Leid vorerst. Und wenns dann noch die letzten Pillen waren? Vllt. hatte er den Rest auf einmal genommen und endlich sein Ticket zu lösen? Alles übel – glaubt jeder und tut uch gut dran. Wenn so ein Scheiß wie zerfressender Krebs jemanden wegrafft, da braucht nicht nur der Kranke Morphium; der Partner oftmals auch.
      Was hätte es dich gekostet ihr die Pillen mitzugeben? Wem hätte es geschadet?
      Immerhin nicht noch in die Pfanne gehauen und die Polypen gerufen – das war cool ♠

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      1. Wem hätte es geschadet?
        Wenn es nicht auffliegt: Es ist Versicherungsbetrug … das zahlen wir alle mit unseren Krankenkassenprämien – also … allen.
        Wenn es auffliegt: Der Apotheke, denn die Kasse wird das nicht vergüten … das geht vom Umsatz ab … und mit der Zeit äussert sich das darin, dass man sparen muss, wo? Macht man meist erst an den Mitarbeitern … also … alle Angestellten.
        Wenn es noch strafrechtlich verfolgt wird: Mir und meiner Zulassung als Apothekerin, v.a. wenn ich wissentlich und ungesetzlicherweise ein Betäubungsmittel an jemanden verkaufe.
        Nein Danke.
        Wenn die Person tatsächlich so Probleme haben sollte, gibt es genug legale Möglichkeiten.

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  1. Mal angenommen, die Todesanzeige hättest Du zufällig nicht gelesen. Hätte die Dame eine Chance gehabt? Wieviel Spielraum habt ihr denn bei BtM-Dauerrezepten?

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    1. An das Medikament zu kommen, meinst Du? Wie Irene schon gesagt hat, es kommt immer wieder mal vor, dass Medikamente von anderen, als dem Patienten abgeholt werden. Ehepartner, SPITEX, Kinder, die die Eltern pflegen. Im Normalfall genügt es mir, wenn die Person weiss was, für wen und wo sie es holen muss. Kommt jemand regelmässig für jemand anderen etwas holen, hinterlegen wir deren Namen und ev. Beschreibung auch im Patientendossier. Vorsichtiger bin ich mit abhängig machenden Sachen – da telefoniere ich je nachdem nach und habe auch schon eine schriftliche Bestätigung verlangt.
      Aber es ist möglich, ja.

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      1. Spätestens bei der Abrechnung mit der Krankenkasse wäre es bestimmt aufgefallen… Die bezahlen nämlich grundsätzlich nichts, das nach dem Sterbedatum abgegeben wurde! (Ja, das hatten wir auch schon! Allerdings Gott sei Dank nicht bei einem Betäubungsmittel…)

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