Falsch getestet kann kein richtiges Ergebnis geben

Wer in Deutschland wohnt oder ZDF schaut, hat eventuell letzthin von einem gewissen Dr. Jürgen Frölich, seines Zeichens Direktor für klinische Pharmakologie gesehen, wo er Apotheken getestet hat, ob sie auf eine Wechselwirkung zwischen zwei Medikamenten aufmerksam machen.

Es handelte sich um Medikamente mit den Wirkstoffen Ranitidin (z.B. in Zantic) und Metoprolol (z.B. Beloc Zok). Dabei sollte auf die gegenseitige Beeinflussung aufmerksam gemacht werden.

Ich habe das gelesen und gedacht: eine Wechselwirkung? -das kenne ich gar nicht. Gut, man kann nicht alles wissen. Bei den paar Tausend Arzneimitteln und Wirkstoffen, die im Handel sind. Aber da gibt es noch den Computer. Unserer zeigt auch Interaktionen an. Also gebe ich die beiden Medikamente ein und … Nichts.

Ein Computerfehler? Auch in den Packungsbeilagen steht nichts.

So wie es aussieht hat der liebe Direktor da etwas verwechselt. Wahrscheinlich hat er das neue H2-Antihistaminikum Ranitidin (Zantic) mit dem alten Cimetidin (das kaum noch verwendet wird) verwechselt. Für diesen besteht tatsächlich eine Wechselwirkung mit Metoprolol– eine mit geringer Relevanz notabene – indem es die Wirkung von Metoprolol verstärken kann, eine stärkere Blutdrucksenkung, eventuell Herzrhythmusstörungen macht. Die zeigt auch mein Computer brav an – ich wette, die Computer der anderen Apotheker in Deutschland hätten das auch – wenn sie die Chance gehabt hätten und die richtigen Medikamente getestet worden wären.

Stattdessen stellt man lieber im Fernsehen die Apotheker als Gruppe schlecht hin, indem man eine obskure, wenig relevante Wechselwirkung zwischen zwei Medikamenten heranzieht – und das dann auch noch falsch testet. Na danke!

„Die Apotheker können das einfach nicht!“ – und so ein Ausspruch, so falsch und ungerecht er ist, bleibt dann beim Publikum hängen. Auf eine Entschuldigung oder Richtigstellung von ZDF oder Herrn Frölich können wir wohl ewig warten.

Aber das war noch nicht alles, was in dem Beitrag gezeigt wurde. Anscheinend hat er auch getestet, ob er in den Apotheken ein Rezeptpflichtiges Medikament ohne Rezept bekommt. Und – schockierend!- er hat es in 2 Apotheken bekommen! Von wievielen? Ich weiss ja nicht genau wie das in Deutschland so läuft, aber den Schweizer Apothekern ist es erlaubt auch rezeptpflichtige Medikamente in Ausnahmefällen ohne Rezept abzugeben. Dazu braucht es eine gute Begründung und wir müssen derartige Abgaben festhalten, aber – wir dürfen das und wir machen das auch. In begründeten Ausnahmefällen. Das ist auch ein Dienst an der Öffentlichkeit, weil es z.B. den Notfallbesuch erspart.

Mich dünkt, hier sind um der Sensationslust willen einige Dinge absichtlich oder aus Nachlässigkeit falsch dargestellt worden – und irgendwie finde ich das auch peinlich: für den Pharmakologen Frölich nämlich!

5 Antworten auf „Falsch getestet kann kein richtiges Ergebnis geben

  1. Danke für diesen Beitrag, er spricht mir aus der Seele. Aber Apotheke{r|n}-Bashing ist in Deutschland scheinbar in, das war ja nicht der erste (und sicherlich auch nicht der letzte) Test dieser Art.
    Ich glaube es geht darum zu zeigen, dass die normale Apotheke schlecht ist um den Ketten, die es bei euch in der Schweiz ja bereits gibt und bei denen ja ach so vieles besser sein soll, den Weg zu bereiten.

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  2. Ich denke es ist reine Sensationslust. Gute Nachrichten schaffen es ja nicht bis in die Medien, wohingegen sich negatives sehr schnell verbreitet. Ausserdem ist es langweilig zu hören: die Apotheker haben es richtig gemacht. Das gibt es in der Schweiz im übrigen genauso.

    Was ich in dem Beitrag oben nicht erwähnt habe, ist dass Herr Frölich offenbar ein Programm entwickelt hat, das Interaktionen etc. anzeigt. Das Apothekenbashing war wohl auch als Werbung für sein Programm gedacht … wobei: wenn das wirklich eine Wechselwirkung anzeigt, wo keine ist, ist das keine gute Werbung …]

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  3. Ich schließe mich euch beiden an. Habe diese Sendung auch gesehen und war schockiert mit welcher Zielgenauigkeit die Apotheker unter Beschuss genommen wurden.

    Und wie du schon sagtest, Negatives verkauft sich in der heutigen Zeit besser als Positives. Das finde ich sehr schade.

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  4. warum so was passiert? nun, der grund ist eines der beiden Bs: bosheit oder blödheit. kann man sich dann aussuchen.

    solange journalisten von den themen, die sie behandeln, soviel ahnung haben wie eine kuh vom stricken und damit jeder dahergelaufene möchtegern-wissenschaftler die möglichkeit hat, seine eigenen suppen in den medien zu kochen, solange wird das nicht vermeidbar sein. denken wir doch an freund bankhofer und die klostermelisse, den krill und die lustigen studien zu „kürbis statt viagra“, u.v.m..

    die sache mit den rezeptpflichtigen medikamenten ist ja auch immer wieder so eine lustige testerei wert. ich gehe seit ich hier wohne – also seit zwanzig jahren – in die gleiche apotheke. da weiss also quasi jede einzelne angestellte, was ich regelmässig verschrieben bekomme. natürlich zahle ich einsatz, aber ich muss nicht an einem langen wochenende zum notarzt und mit dem stundenlang über ein xalatan-rezept und die notwendigkeit (können sie beweisen, dass ihr augendruck OHNE über 35 ist???) diskutieren, nur weil herr katz das miniflascherl, nachdem es mit aus meinen arthritischen fingern geflutscht war , unter ein kasterl geknallt hat von wo ich es ums verrecken nicht mehr ohne möbelpacker herauskriege. was wiederum einmal beweist, dass die sache mit dem arzt und der apotheke des vertrauens nicht vernachlässigbar sind.

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  5. Blöderweise habe ich keine Zeit zum fernsehen. Allerdings habe ich indirekt von der ganzen Sache Wind bekommen. Patienten sprachen mich darauf an. Witzigerweise(?) ärgerte sich ein Herr nicht darüber, dass ein Fehler passierte (oder offenbar auch nicht), sondern, dass die Betroffenen fast alle ihr Gesicht nicht zeigen wollen.
    Ich fand allerdings auch, dass vieles von dem, was mir geschildert wurde, wenig schockierend war. Ich würde auch wollen, dass mir „mein“ Apotheker benötigte Medikamente auch ausnahmsweise ohne Rezept gibt.

    Reißerisch aufgemacht. Offenbar arbeiten die Journalisten des ZDF nun auch endlich auf B.ILD-Niveau.

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