Eine „heisse“ Sache?

Die junge Frau streckt mir in der Apotheke den hier hin:

«Kann ich den Umtauschen? Den habe ich vor ein paar Tagen gekauft und der lässt sich nicht wieder herunterschütteln.»

Das ist noch gelegentlich das Problem mit den flüssigkeitsgefüllten Thermometern. Das war bei den Quecksilber-thermometern so und ist es immer noch mit den neuen mit Gallium.

Unten in der Thermometerkapillare gibt es eine Verengung, durch die das Quecksilber hindurch muss. Nach der Temperaturmessung zieht sich das Quecksilber an der kälteren Luft wieder zusammen. Wegen der Verengung kann es aber nicht ohne Weiteres in den Auffangbehälter zurück. So bleibt der gekappte Flüssigkeitsfaden im Rohr stehen. Um die Temperatur erneut messen zu können, muss die Kapillare geleert werden. Dazu schüttelt man das Röhrchen, und durch die Fliehkraft gelangt das Quecksilber zurück in das Gefäß.

Wenn eine Demonstration am gebrachten Thermometer nicht hilft, tausche ich den tatsächlich um. Sie meint auch, dass sie weiss, wie man den Thermometer benutzt. Sie hatte schon solche und benutzt die schliesslich täglich!

«Täglich?» Frage ich. Mir schwant was.

«Ja, ich benutze ihn zum Verhüten.»

Ah. Sie meint die Symptothermale Verhütungsmethode. Nur …

«Das können sie mit dem Thermometer nicht machen!»

«Wieso?»

«Weil die viel zu ungenau sind!»

«Aber den man hat mir in der Apotheke empfohlen.»

Dafür? Kann ich mir kaum vorstellen. Zur Erinnerung:

Temperaturmessung: Die Temperaturmessung ist eine natürliche Verhütungsmethode. Dabei misst die Frau jeden Morgen zur gleichen Uhrzeit ihre Körpertemperatur. Während der fruchtbaren Tage, zur Zeit des Eisprung, steigt diese um 0,4 bis 0,6 Grad Celsius an. Als sicher unfruchtbar gelten die Tage vom dritten Tag nach Temperaturanstieg an bis zum fünften Tag nach der Menstruation.
Vorteile: Diese Verhütungsmethode kommt ohne Hormone oder Barriere aus. Es gibt keinerlei hormonbedingte Nebenwirkungen. Im Vergleich zu allen anderen Methoden ist sie kostengünstig.

Nachteile: Für Frauen mit unregelmässigem Zyklus sind die natürlichen Verhütungsmethoden weniger geeignet. Diese Methode schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.
Pearl-Index: 3,8 bis 20 (heisst: von 100 Frauen, die mit der Methode 12 Monate verhüten werden 4 bis 20 schwanger)

Also muss sie in der Lage sein, Temperaturunterschiede von 0,2 Grad zu erkennen. Das geht mit dem Thermometer nicht. Keine Ahnung, wie sie das bisher geschafft/gemacht hat. Zugegeben: es gibt Flüssigkeits-thermometer, bei denen das geht, die haben dann einen geringeren Messbereich und eine grössere Anzeige. Der den sie uns gebracht hat ist keiner von denen.

Aber wenn das jemand wirklich machen will, gibt es digitale Thermometer, die auf 2 Stellen nach dem Komma anzeigen. Damit und mit der nötigen Disziplin, das immer und jeden Morgen zu machen – und vielleicht in Kombination mit einer Zyklus App – ist das mit einer gewissen Sicherheit machbar. Auch wenn ich auch das nicht empfehlen würde wenn man auf gar keinen Fall schwanger werden will / darf.

Ich habe ihr dann einen der digitalen mit genauer Anzeige verkauft, die es gibt. Den kaputten habe ich zurückgenommen und sie hat nur die Differenz bezahlt. Immerhin: der war ja nicht mehr brauchbar. So oder so.

Neue Spitzentechnologie (aus Amerika!)

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Diese hochwertige neu-Entwicklung wurde uns letztens in der Apotheke angeboten. Ja, das ist so ein Streifen, der mittels Farbänderung angibt, wie die Temperatur ist. Den hält man an die Stirn.

Kommentar meiner Pharmaassistentin: „Oh, gibt’s die wieder?“

Echt jetzt: das ist weder neu (erinnert sich jemand hier an die Stimmungs-anzeigenden Medaillons aus den 80ern?) noch ist das eine Spitzentechnologie und von Qualitätsinstrument würde ich bei etwas, das in halb-Grad-Schritten anzeigt (bis 40 Grad!) auch nicht reden. Übrigens: auch normale Thermometer sind wiederverwendbar und nutzen nicht ab und sind sehr schnell … Der einzige Vorteil, den ich hier sehen würde ist der geringe Preis. Allerdings kann man bei der Messgenauigkeit und etwas Übung auch auf die Methode „Hand auf die Haut legen“ zurückgreifen …

Do it yourself – Mann

Kommt ein Kunde in die Apotheke und fragt uns: „Verkaufen Sie auch Quecksilber?“

Bimed: „Ich habe keines hier, ich bin nicht mal sicher, ob wir das besorgen können. Für was wollen Sie das denn?“

Mann: „Es gibt ja keine Quecksilber-Thermometer mehr, oder?“

Bimed: „Ja, die haben sie vor ein paar Jahren alle aus dem Verkehr genommen, man kann auch keine mehr bestellen. Wieso?“

Mann: „Ich finde die viel besser als die neue Variante. Was hat die drin? Alkohol?“

Bimed: „Da gibt es verschiedene, Alkohol oder auch Galinstan, auch ein Metall … und dann die digitalen …“

Mann: „Jedenfalls: ich dachte, ich könnte einfach selber einen machen.“

Das ist nicht so einfach. Mal abgesehen, dass Quecksilber halt auch *etwas* giftig ist – auch wenn das Problem vor allem das Einatmen ist –  dürfte es nicht ganz so einfach sein, das zu beschaffen. Dabei hat es in einem alten Fieberthermometer vielleicht 1g drin. In den modernen Energiesparlampen dürfte das mehr sein und erst noch in Dampfform, aber da kräht irgendwie kein Hahn danach. Oder viel zu wenig.

Vom aussehen her finde ich Quecksilber toll. Der Name kommt von quick silver – also schnellem, lebendigen Silber  und genau so sieht das auch aus. Flüssig, glänzend und wahnsinnig schwer. 7.5ml sind schon fast 100g, also eine Schoggitafel. Im Vergleich dazu wären 7.5ml Wasser nur 7.5g. Der Überraschungseffekt ist ziemlich gut: Wer hat nicht einmal im Physik oder Chemieunterricht eine Flasche in die Hand genommen – und sie fast nicht hochheben können: weil die Armmuskeln auf ein viel niederes Gewicht eingestellt waren?

Man macht übrigens keine Quecksilber Thermometer mehr, weil Quecksilber doch ziemlich giftig ist, wenn es aufgenommen wird. Und die kleinen Kügelchen, die bei einem kaputten Thermometer entstehen, sehen ja auch sehr interessant aus.

Interessant: in den neuen Energiesparlampen hat es auch ziemlich Quecksilber drin (das wird verdampft) – davon reden nicht viele.