Zum Wirksamkeitsnachweis von Homöopathika

Das ist ein Nachtrag und eine Erklärung zum Blogeintrag „Unter Androhung von Geldstrafe: kein Homöopathiebashing“ vor ein paar Tagen – darin ging es darum, dass die Firma Hervert Abmahnungen an verschiedene Personen verschickt hat, was Aussagen über die Wirksamkeit der Homöopathie betrifft. Ich habe geschrieben, dass Herr Dr. Glaeske die Unterlassungserklärung unterschrieben hat. Das stimmt, allerdings ging es darin um etwas unterschiedliches als im Fall von Dr. Grams.

Ich habe von ihm ein mail bekommen, das den Sachverhalt erläutert. Dr. Glaeske ist nicht eingeknickt, aber er hat sich einverstanden erklärt, dass er „eine nicht richtige Tatsachenbehauptung nicht mehr wiederholt.“

Seine Worte:

Ich hatte nämlich geäußert, dass für kein homöopathisches Arzneimittel ein Wirksamkeitsnachweis erbracht worden sei. Und das ist leider falsch, weil Homöopathika mit Indikationsanspruch zugelassen werden müssen und dies auf der Basis eines Wirksamkeitsnachweises, der allerdings ein Nachweis auf der Basis von Literatur, Monographien und persönlichen Erfahrungen von Kommissionsmitgliedern darstellt, also ein Nachweis auf der Ebene eines Binnenkonsenses. Also: Für einige Homöopathika, nämlich für solche mit Indikationsanspruch, ist der Wirksamkeitsnachweis laut Arzneimittelgesetz Voraussetzung für eine Zulassung durch unser Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte – und auf diesen gesetzlich geforderten Wirksamkeitsnachweis beruft sich die Firma Hevert.

Dieser gesetzlich verankerte Wirksamkeitsnachweis hat aber nichts zu tun mit den methodischen Anforderungen an einen Wirksamkeitsnachweis von typischen Arzneimitteln und schon gar nichts mit einem Nachweis der therapeutischen Wirksamkeit und einem Patientennutzen. Da dieser Wirksamkeitsnachweis aber eine gesetzliche Tatsache ist, habe ich zugesagt, meine o.g. Aussage nicht mehr zu wiederholen. Es ist leider eine ziemlich komplizierte Angelegenheit mit den Homöopathika, die einen Indikationsanspruch haben und zugelassen werden müssen.

Aus den dem mail an mir angehängten Schreiben ist die Haltung von Dr. Glaseke zu Homöopathika deutlich erkennbar. Das Problem ist einfach dies:

Wenn sich die Firma Hevert allerdings auf das Arzneimittelgesetz bezieht und den dort gesetzlich verankerten Nachweis der Wirksamkeit als Voraussetzung für eine Zulassung reklamiert, kann ich dies nicht bestreiten, sondern am ehesten das Gesetz in der vorliegenden Form kritisieren und deutlich machen, dass dieser Wirksamkeitsnachweis nicht mit einer therapeutischen Wirksamkeit und einem Nutzen für die Patient*innen gleichzusetzen ist.

Vielleicht nochmal zur Verdeutlichung:

Homöopathika, die als Arzneimittel (also mit einer Aussage über die Indikation -für was sie eingesetzt werden) in Deutschland zugelassen werden, müssen einen Wirksamkeitsnachweis erbringen.

Dieser Wirksamkeitsnachweis ist aber für Homöopathika (anders als bei Medikamenten wo Studien gebracht werden müssen) vor allem eine Entscheidung einer Zulassungskommission, bestehend aus Sachverständigen, die das entscheiden auf der Basis von Literatur, Monographien der früheren Kommission D oder auch vereinzelt vorgelegter Publikationen – die aber mitnichten den Anforderungen an einen methodisch adäquat durchgeführten Wirksamkeitsnachweis entsprechen.

Im BfArM-Jahresbericht 2017/2018 steht im Zusammenhang mit dem Hinweis auf Homöopathika mit einem Indikationsanspruch: „Bislang wurde jedoch noch kein homöopatisches Arzneimittel durch das BfArM zugelassen, bei dem sich der Antragssteller auf eine zum Beleg der Wirksamkeit geeignete Studie berufen hätte“.

Diese Zulassung ist also keine hinreichende Basis um daraus eine therapeutische Wirksamkeit bezüglich der beanspruchten Indikation abzuleiten.

Trotzdem ist demnach die Aussage, dass „dass für kein homöopathisches Arzneimittel ein Wirksamkeitsnachweis erbracht worden sei“ juristisch gesehen falsch – und Dr. Glaeske wurde deshalb abgemahnt.

Dr. Glaeske: Es soll deutlich werden, dass es einen Unterschied zwischen dem Wirksamkeitsnachweis für homöopathische Arzneimittel mit Indikationsanspruch im Zulassungsverfahren nach dem AMG gibt und einem patientenorientierten Nachweis der therapeutischen Wirksamkeit und des Nutzens in der realen Versorgung in Bezug auf die beanspruchte Indikation. Der Mangel an methodisch adäquaten Studien in diesem Bereich ist nach wie vor unübersehbar und aus Versorgungssicht sowohl für Patienten als auch für Ärzte und Apotheker inakzeptabel.

Ich danke Dr. Glaeske für die Richtigstellung und Erläuterungen und hoffe, dass der Unterschied hier deutlich gemacht wurde.

Ich finde es immer noch ganz schlechte Politik der Firma Hervert da grad mit dem Anwalt zu kommen.

Unter Androhung von (Geld-)Strafe: kein „Homöopathie Bashing“

Das ist natürlich ein Pulverfass-Thema: Homöopathie. Auf diesem Blog speziell: Homöopathie in der Apotheke. Aber – auch wenn ich der Meinung bin, dass es Gründe gibt, weshalb es die Homöopathie-freie Apotheke nicht gibt und dass die Anwendung von Homöopathie dort ihren Platz haben kann … sowas geht ja gar nicht:

Was sagen wir, wenn die -Pharma versucht, uns mundtot zu machen?
Not today.

— Natalie Grams (@NatalieGrams)

Da verschickt Hevert, eine homöopathische Produkte herstellende Firma in Deutschland Unterlassungserklärungen an Ärzte und Apotheker, worin sie unter Androhung hoher Geldstrafe verbieten wollen, dass man Aussagen macht wie „die Wirkung von Homöopathie geht nicht über den Placebo Effekt hinaus.“

Ich habe mich im Blog auch schon so geäussert … aber ich bin sicher nicht so weitreichend medial wie zum Beispiel Dr. Grams (im Tweet oben). Sie ist eine Ärztin die früher mit Homöopathie gearbeitet hat, aber davon abgekommen ist. Sie wehrt sich dagegen – echt, das sind auch unschöne Droh-Methoden (ist sowas wirklich rechtlich??), jemanden so Mundtot machen zu wollen.

Ein Apotheker ist dagegen (leider) schon eingeknickt. Dr. Glaeske, manchen bekannt aus seinen „Apothekentests“ in den Medien, in der er die Abgabe von so manchem OTC-Medikament anprangert, bei weitem nicht nur Homöopathie. Bin ja mal gespannt, wie sich das auf seine „objektive“ Berichterstattung auswirkt (naja, – die „Tests“ gehörten auch so schon zu denen, die man nicht wirklich bestehen kann).

NACHTRAG 4.6.19: Bei dem von Dr. Glaeske unterschriebenen Unterlassungserklärung handelt es sich um eine unterschiedliche Aussage zur Zulassung Homöopathischer Mittel – und im Endeffekt um eine Technikalität. Man lese bitte den neuen Blogeintrag mit Erläuterungen hier.

Grundsätzlich aber finde ich das einen ganz miesen Zug der Firma, hier die Mitarbeiter im Gesundheitswesen mundtot zu machen versucht. Der Begriff „Pharma-Mafia“ trifft mehr auf diese Firma zu als auf so manche andere … und zeigt (mir) schon ziemlich deutlich, dass die das halt auch nicht nur aus Menschenfreundlichkeit machen. Der Schuss gegen die Apotheker – die ja ihre Produkte (durchaus nicht nur Homöopathie) vertreiben – könnte aber auch nach hinten raus gehen. Wer will schon solches Verhalten unterstützen?

Warum dauert das denn so lange?

„Warum dauert das denn so lange?!?“
Eine Frage, die man in der Apotheke häufiger mal hört.
Ich versuche meist parallel zu erklären, was ich da mache, aber manchmal braucht man einfach zu viel Gehirnkapazität dabei, während man wild tippt und in den Monitor starrt.

Ein THREAD:

— Frollein vom Meer (@Frolleinvommeer)

Fundstück auf Twitter – und hochaktuell. Nicht nur für die geplagten deutschen Apotheken … DAS, liebe Schweizer Leser ist, was auch bei uns passieren wird, wenn die Krankenkassen zu viel Macht bekommen und wenn die „Sparmassnahmen“ so wie vom Bundesrat geplant weiterhin hauptsächlich auf dem Rücken der Apotheken stattfinden.

Ich habe mir erlaubt nur den Anfang zu verlinken und den Rest hierherzukopieren, Ihr seid aber aufgerufen, das auch im Original anzusehen – sie schreibt noch mehr aus der Apotheke. Also von Frollein vom Meer:

Kurze Anmerkung bevor es richtig los geht: Ich beschreibe, wie bei uns ein Kassenrezept manuell bearbeitet wird – so wie es weit verbreitet ist. Wir haben inzwischen Scannerkassen, die einen Großteil des Rezepts automatisch erfassen, was Zeit spart. Wenn das System richtig liest.

Kunde reicht Rezept Ist das Rezept formell korrekt? Alle Angaben drauf? Daten des Versicherten vollständig Ausstellungsdatum (wichtig) Arztstempel + Unterschrift (fehlt gern mal) Dann geht’s weiter: Ist der Kunde in der Kundendatei?

Rezeptstatus auswählen (gebührenpflichtig, befreit, Kind) 1. Medikament eintippen Ist die PZN auf dem Rezept, muss nur die Nummer getippt werden, ansonsten (Wirkstoff-)Name, Stärke, Packungsgröße, damit die Auswahlliste nicht ewig lang wird und man fix den Artikel auswählen kann.

Ein Fenster ploppt auf: Krankenkasse auswählen Ist die KK nicht in der Vorauswahl, muss die 9-stellige IK-Nummer eingetippt werden. Ein Fenster ploppt auf: Rabattverträge der gewählten Krankenkasse Hatte der Kunde schon mal eines der möglichen Präparate?

Oh, leider sind die Vertragsartikel alle nicht lieferbar. Online-Anfrage bei 2 Großhändlern und den Filialen. Nix. Also darf ich (noch) das namentlich verordnete oder eins der 3 günstigsten Präparate auswählen, dass dann mit einer Sonder-PZN aufs Rezept gedruckt werden muss.

Wir müssen allerdings auch nachweisen können, dass kein Großhandel liefern kann. Beim 2. Medikament gibt es keine Rabattverträge, aber Reimporte. Der Arzt hat einen Reimport verordnet, dann darf ich weder das Originalpräparat noch einen teureren Reimport abgeben.

Leider ist der Reimport nicht lieferbar. Ich muss die Praxis informieren, dass dem so ist und ich nur das teurere Original abgeben kann. Der Arztpraxis ist es meist egal, der Krankenkasse nicht. Ich muss die Nichtlieferfähigkeit nachweisen, eine Sonder-PZN aufdrucken und einen kleinen Roman aufs Rezept kritzeln, dass der Import nicht lieferbar und nach Rücksprache mit der Praxis auch das Original ok ist. Hätte der Arzt das Original verordnet, hätte ich erst prüfen müssen, ob es einen wirtschaftlicheren Import nach 15/15-Regel gibt und wenn ja, ob der lieferbar ist. Gibt es so einen, müssen wir unsere Importquote je Krankenkasse erfüllen – bei Hochpreisern wird’s schnell problematisch. Ist der nicht lieferbar, muss eine Sonder-PZN aufs Rezept. Gibt es keinen, ist die Welt tatsächlich mal in Ordnung.

Medikament 3 ist ein Nasenspray für ein Kind. Die Krankenkasse erlaubt mir nur einen Vertragspartner: kein Spray, sondern Tropfen, die auch noch Konservierungsstoffe enthalten. Das gefällt mir pharmazeutisch und dem Kind bei der Anwendung so gar nicht.

Ich möchte das verordnete Spray abgeben. Natürlich muss wieder eine Sonder-PZN für die pharmazeutischen Bedenken drauf ein kleiner Roman aufs Rezept, dass die Darreichungsform nicht identisch und die Compliance gefährdet ist.

Alles soweit bearbeitet? Fein, dann kann ich jetzt endlich loslaufen und die Medikamente holen. Das waren jetzt nur die „Standards“, die bei fast jedem Rezept inzwischen vorkommen. Dazu kommen Sonderregelungen für Hilfsmittel (das würde den Thread wirklich sprengen!), Verbandstoffe (irgendwelche skurrilen Packungsgrößen oder Hersteller, die der Arzt verordnet, die aber nicht zu bekommen sind – ebenfalls ein weites Feld), verzwickte Mehrfachverordnungen oder Stückelungen zwischen N-Bereiche (ach ja, die Normgrößen, auch ein schönes Thema…)…

Die bürokratische Liste ist lang und wird immer länger. Oft muss geprüft werden, ob das Rezept überhaupt so beliefert und abgerechnet werden kann, ob Änderungen möglich sind oder ob man gleich ein ganz neues Rezept vom Arzt braucht, weil die Krankenkasse sonst nicht zahlt.

Manchmal hat man tatsächlich einen Berufsanfänger vor sich, der noch etwas länger braucht, um das alles im Blick zu haben. Meist sind es aber erfahrene Kolleginnen und Kollegen, die irgendwie versuchen, durch den bürokratischen Dschungel an Ihr benötigtes Medikament zu kommen.

Vielen Dank für Ihre Geduld!

Ups, das ist jetzt doch ganz schön langatmig geworden. Ich hoffe, ich habe Sie nicht zu Tode gelangweilt, wenn Sie sich bis hier unten durchgekämpft haben… Und das ist nicht mal im Ansatz vollständig – die Kolleginnen und Kollegen mögen mir verzeihen..

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So geht das, wenn nicht mehr die Fachperson (verschreibender Arzt oder Apotheke) bestimmen kann, welches Medikament Du als Patient erhältst, sondern die Krankenkasse. Die ist – das muss man so sagen – ausschliesslich auf Wirtschaftlichkeit bedacht und die Gesundheit des Patienten ist dabei mehr Nebensache, egal was ihre Werbung sagt.

Hier sagt also die Kasse, welches Medikament abgegeben werden darf. Der Arzt verschreibt etwas und je nach Kasse muss die Apotheke ein anderes (billiges) Generikum wählen, für das die Kasse Rabattverträge mit der Herstellungsfirma gemacht hat. Die Kasse bekommt Geld zurück von der Firma (die Rabatte) und die Apotheke wird mit Retax bestraft, wenn sie nicht das „richtige“ abgibt. Retax bedeutet übrigens, dass das abgegebene Medikament der Apotheke komplett nicht zurückbezahlt wird.

Reimporte sind Medikamente mit dem gleichen Wirkstoff aus dem Ausland, die natürlich nochmals günstiger sind und für die es ebenfalls Vorschriften gibt, dass man die als Apotheke abgeben muss, ebenfalls unter Retaxandrohung. Es hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass gerade Reimporte ein Problem sind, da so Arzneimittelfälschungen in den Handelsweg gelangen … gerade bei den Hochpreisern.

Und wenn wir grad beim Handelsweg sind: ebenfalls im Text zu lesen sind die Probleme der Lieferbarkeit mit den Rabattarzneimitteln – der Dominoeffekt zieht auch da und wird aktuell immer schlimmer.

Wie findet ihr das als Patient? Wollt ihr das für die Schweiz? Das ist tatsächlich so ähnlich in Planung – bei uns nennt sich das dann Referenzpreissystem. Dann darf ich als Apotheke auch nicht mehr das für den Patienten beste Generikum aussuchen, sondern werde gezwungen das günstigste abzugeben. Und auch (und um so mehr bei uns): Lieferprobleme sind damit praktisch vorprogrammiert.

Wenn ihr das auch nicht wollt, hier nochmals der dringende Aufruf: Unterschreibt die Petition! Hier:

Dominoeffekt

Wegen einem Fehler in der Packungsbeilage von Nuvaring wurden diverse Chargen zurückgerufen. (Genau genommen ist „in der Packungsbeilage eine detailliert beschriebene Anleitung zur korrekten Anwendung des Applikators nicht aufgeführt“).

Soweit so unspektakulär. Das Verhütungsmittel ist nun deshalb aber bis im April nicht lieferbar.

Zum Glück gibt es Generika – die bekommen jetzt eine Chance.

Wenn nicht schon das erste von denen (Circlet) gerade Nota (also auch kurzfristig nicht lieferbar) gegangen wäre. Wegen der plötzlich erhöhten Nachfrage? Gut Möglich. So ein Dominoeffekt habe ich schon bei anderen Medikamenten gesehen.

In Deutschland kennen sie das Problem noch besser. Da gibt es ja diese elendiglichen Rabattverträge der Krankenkassen mit den Pharmafirmen. Die versicherten Patienten müssen dann vom Medikament das Generikum nehmen, für das gerade ein Vertrag existiert. Wenn diese Verträge ändern (was mehrmals im Jahr der Fall sein kann), kommt es vor, dass die Firma von der plötzlichen Nachfrage überrascht wird und dann nicht mehr liefern kann. Deutschland ist natürlich ein viel grösserer Markt als wir hier in der Schweiz – bei uns gibt es schon mal nicht so viele verschiedene Generika von einem Mittel, und wir dürfen in der Apotheke noch selber aussuchen (zusammen mit dem Patient), was sie dann nehmen. Die Deutsche Apotheke ist da viel gebundener und ein Wechsel dann nicht so einfach möglich (im Extremsten Fall bezahlt die Kasse das abgegebene Medikament dann GAR NICHT).

Übrigens wollen sie in der Schweiz ein ähnliches System auch einführen: Das Referenzpreissystem wurde schon vorgeschlagen. Dann wird nur noch das günstigste Generikum von der Krankenkasse vergütet – wer ein anderes möchte / weiterhin sein bisher genommenes, zahlt dann die Differenz selber. Wenn er es denn kann.

Angesichts der jetzt schon existierenden Lieferschwierigkeiten und den teils zu erwartenden Dominoeffekt wie oben genannt, macht mir das sehr Sorgen, was das für einen Effekt auf die Einnahmetreue der Patienten hat. Ständige Wechsel sind erwiesen sehr schlecht dafür, vor allem bei älteren Menschen. Und dann der Effekt rückwirkend auf die Gesundheitskosten. Man erinnere sich: nicht genommene Medikamente wirken auch nicht.

Rezepte die ich nicht ausführe

Nach einem etwas entrüsteten Kommentar zum Artikel Rezepte aus dem Ausland – der mir lustigerweise Deutschfeindlichkeit vorwirft – ist mir eingefallen, dass ich in letzter Zeit tatsächlich wieder vermehrt Anfragen habe, Medikamente auf ausländische Rezepte zu beliefern. Nicht unbedingt Deutschland in dem Fall, aber Rumänien, Türkei und Tunesien sowie ein russisches Rezept.

MEISTENS mache ich das auch. Wenn es Sinn macht. Häufig sind die Anfragen ja deshalb, weil etwas in dem Land nicht lieferbar ist – oder die Qualität des dort erhältlichen angezweifelt wird. Aber es gibt Anfragen, die ich ablehne. Aus diesen Gründen:

Es handelt sich um Betäubungsmittel oder Medikamente, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen (dazu gehören auch Benzodiazepine). Dafür brauche ich ein Rezept von hier. Letztes Beispiel: Wenn Sie schon länger hier sind (wenn auch in den Ferien) und vergessen haben die nötige Menge Schlaftabletten mitzunehmen – dann schicke ich Sie zum Arzt für ein Rezept dafür. Rezepte aus Russland etc. nehme ich dafür nicht an.

Unklare Dosierung oder Anwendung. Ich hatte schon Anfragen nach Methotrexat-Spritzen ohne Dosierungsangabe. Da kann man dann auch nicht nach Wunsch des Patienten (oder besser dessen Angehörigen) statt der Fertigspritzen die Ampullen nehmen. Abgesehen von der Haltbarkeit nach Anbruch kann die Anwendung unterschiedlich sein bei Injektionslösungen.

Und wenn wir grad bei Spritzen und derartigem sind, die gekühlt werden müssen: Bevor ich das überhaupt bestelle muss ein Plan vorhanden sein, wie Sie das zum Anwendungsort bringen wollen. Gekühlt – also bei einer Temperatur zwischen 2 bis 8 Grad optimalerweise, keinesfalls gefroren und bestenfalls nicht auf Raumtemperatur steigend. Ich kann die Kühlkette garantieren bis in die Apotheke, respektive zum Anwender hier. Aber für ins Ausland kann ich die Verantwortung nicht übernehmen, auch wenn ich versuche, Lösungen aufzuzeigen. So eine Box mit Kühlelementen kann nicht mal 24 Stunden die Temperatur unter 15 Grad halten. Strombetriebene Kühlboxen wären da besser. Und wie kommt das zum Bestimmungsort? Flugzeug? Auto? Was ist mit den Grenzkontrollen mit dem Medikament?

Und dann natürlich Medikamente, die es in der Schweiz nicht gibt. Nicht alle Wirkstoffe sind hier im Handel. Bei Mitteln gegen hohen Blutdruck kommt ein Wechsel dann einer Therapieumstellung gleich – dafür schicke ich die Leute lieber zum Arzt – oder über die Grenze, wenn es das in Deutschland gibt.

Vor ein paar Tagen hatte ich allerdings eine Anfrage, bei der auch das nicht so einfach werden würde. Auf dem Handy zeigte mir der Mann ein Rezept von einem Spital in der Türkei. Darauf stand nur: Thalidomid. Nachdem ich einmal leer geschluckt habe, habe ich mich daran gemacht, dem Mann zu erklären, weshalb ich das hier auf keinen Fall bekomme (es gibt kein Medikament mit dem Wirkstoff mehr in der Schweiz)- und dass er nur mit dem Bild das auch in Deutschland, wo es im Handel ist kaum bekommen wird. Aber er soll mal dort in die Apotheke fragen, was es braucht. Das Medikament, das heute gegen Krebs, AIDS und MS eingesetzt wird, unterliegt einer strengerer kontrollierter Abgabe als die Betäubungsmittel. Früher war es unter dem Namen Contergan als Schlafmittel im Handel – und damit für den wohl grössten Skandal in der Pharmageschichte verantwortlich (googelt das einfach mal oder lest die Geschichte hier: Ein missverstandenes Monster Mittel? Thalidomid bekommt noch eine Chance.

Es ist nicht so, dass ich diese Medikamente nicht abgeben wollte – immerhin sind das auch Sachen, die selbst bezahlt werden – aber ich habe auch in diesen Fällen eine Verantwortung, dass das richtige Medikament bei der richtigen Person brauchbar ankommt.

Was macht ein Blogger in Hamburg?

Letztes Jahr Berlin, dieses Jahr Hamburg. Nur um ein paar Leute zu treffen, die auch im Internet schreiben. Weshalb macht man das, mag man sich fragen? Weil es selbst für jemand so introvertierten wie mich kaum etwas besseres gibt, als sich mit sympatischen Leuten auszutauschen, mit denen man Gemeinsamkeiten hat – in dem Fall sehr spezifische. Das sind alles Leute aus dem Gesundheitssystem, die (hauptsächlich anonym) bloggen.

Deshalb gibt’s hier auch keine Bilder der Mitblogger – aber ich kann Euch versichern: alles ganz reale und tolle und engagierte Leute!

Und die Stadt ist schön – Vor dem offiziellen DocCheck Anlass trafen wir (das , , und der sowie meine Wenigkeit) uns schon für einen privaten Stadtrundgang. Das war super – trotz „Shietwetter“. Unterwegs gabelten wir noch auf – womit ich nicht mehr die einzige Schweizerin in der Truppe bin.

Um 15 Uhr folgte der Offizielle Teil mit Blick auf die Elbphilharmonie. Mit dabei da noch und . Da ging es dann um die richtige Überschrift – Ich hoffe, ich hab’s getroffen, . Tobias Sambale gab Profitipps für Haltung, Pflege und Ernährung von Trollen (da gibt es mehr als nur das Fütterungsverbot), der Kinderdok referierte über Dranbleiben und Durchhalten – 13 Jahr Blog Geschichte und ich erzählte etwas über den Weg vom Blog zum Buch.

Wir hätten problemlos noch weitermachen können – auf dem Programm stand auch noch unser gemeinsames Projekt (darüber später einmal mehr), aber das Nachtessen war gebucht. Bei feinem italienischen Essen und Wein ging es unterhaltsam weiter – bis das Restaurant auf einmal leer war. Vor lauter Austausch fiel das keinem so wirklich auf. Der Stoff zum reden reicht jedenfalls noch für ein paar Bloggertreffen aus.

Danke jedenfalls an alle: es war so schön!