Apotheken als erste Anlaufstellen

… ein wirklich erfreulich einsichtiger , der Neuen Zürcher Zeitung.

Wichtig bleibt auch nach dem Nein vom Juni (gemeint ist die Managed Care Vorlage), einen Weg zu finden, um unnötige Arztbesuche und Doppelspurigkeiten bei der medizinischen Behandlung zu vermeiden. In den Notfallstationen der Spitäler beklagt man sich bereits seit langem über den Zulauf von Patienten, die keine Notfallmedizin benötigten und die nicht selten wegen Bagatellen vorbeikämen. Es erklingt denn auch der Ruf nach Einsparungen bei Bagatellerkrankungen.

Potenzial der Apotheken

Dabei besteht in unserem Land bereits ein dichtes Netz an medizinischer Fachkompetenz, die man noch weit besser nutzen könnte. Beinahe an jeder Tram- oder Busstation befindet sich in grösseren Städten eine Apotheke. Jederzeit kann man sich dort, während 11 Stunden im Tag und länger, medizinischen Rat holen, ohne jede Anmeldung. Dieser ist zudem meist gratis. Warum also nicht den Gang zur Apotheke fördern?

Das sagen wir hier ja schon lange :-)

Ein Hautausschlag, ein Husten, eine fiebrige Erkrankung – ein Gang zu einer Apotheke kann schon vieles klären. Diese sind dafür auch eingerichtet und ihr Personal entsprechend ausgebildet.

Jederzeit kann auch nach einer Apothekerin oder einem Apotheker gefragt werden. In jeder Apotheke muss laut gesetzlichen Vorschriften stets mindestens ein akademisch ausgebildeter Pharmazeut anwesend sein.

Das oben nennt man Triage  – das bedeutet, es wird abgeklärt, welche Beschwerden noch selber behandelt werden können und was zum Arzt gehört. Die Apotheken helfen teilweise auch beim Gang zum Arzt – immerhin kennen sie die Ärzte in der Umgebung und auch welche noch Patienten annehmen. Apotheken arbeiten auch mit Ärzten direkt in Qualitätszirkeln zusammen: so im Freiburg, Tessin, Waadt und Bern – etwas wovon die Patienten gesundheitlich profitieren – und die Kassen finanziell. Auch erwähnt wird das NetCare Projekt – die Möglichkeit in manchen Apotheken direkt mit dem Arzt in Kontakt zu treten via Videokonferenz. Darüber habe ich hier schon berichtet.

Der Zugang zur Apotheke ist niederschwellig. Die Beratungen sind gratis; eine Beratungspauschale ist nur auf vom Arzt verschriebenen rezeptpflichtigen Medikamenten zu bezahlen. Sie wird von der Krankenkasse zurückerstattet. Warum also nicht die Apotheke vermehrt als «Gatekeeper» nutzen? Das könnte durch eine gute Triage gerade bei Bagatellfällen Einsparungen bringen.

Danke an die NZZ und Autorin Claudia Schoch für diesen Artikel!

8 Antworten auf „Apotheken als erste Anlaufstellen

  1. Das mit der Triage klappt bei uns in England ganz prima. Zumal bei uns zwischen Arzt und Apotheke auch noch die Krankenschwester steht, und es bei der Anmeldung in der Arztpraxis ein Faltblatt gibt, in dem steht, wegen was man zum Arzt sollte und wegen was eben nicht. Wer wegen einer Erkältung oder zum Beispiel akuter Migräne einen Termin beim Arzt möchte, wird von der Sprechstundenhilfe freundlich aber bestimmt an die Apotheke verwiesen, die mehr Kompetenzen hat als deutsche Apotheken und auch bestimmte Mittel wie Triptane bei Migräne nach Beratung abgeben darf. Wer länger als eine Woche schlimm hustet, bekommt maximal einen Termin bei der Krankenschwester, die dann ein Antibiotikum verordnet. Sie setzt auch Spritzen und nimmt Blutproben.
    Das englische System ist ein Notfallsystem – man soll nicht wegen jedem Schluckauf zum Arzt rennen, sondern, wenn man wirklich krank ist. Dann bekommt man auch am gleichen Tag einen Termin.
    Als Migränepatientin bin ich auf meine Medikamente eingestellt, dies wurde 6 Monate lang beim Austellen der Rezepte vom Arzt kontrolliert, seitdem bekomme ich Dauerrezepte, dich ich online in der Praxis bestelle und die dann von der Apotheke abgeholt werden.

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  2. Das Wort Triage ist hier meiner Meinung nach nicht angemessen, da erstens das Wort veraltet ist und zweitens wir bestimmete Umstände für eine Triage brauchen.
    Zur Erklärung:
    Triage kommt aus der Militär und später auch Zivilen Notfallmedizin bedeutet wörtlich aus dem französischen übersetzt sortieren. Man möchte aus ethischen Gründen aber nicht (aus-)sortieren, sondern knappe medizinische Recourcen möglichst sinnvoll und ethisch vertretbar verteilen. Daher sichtet man heute.
    Das ist dann auch schon der zweite Punkt. Eine Sichtung wird in Notfallsituationen (Massenanfall von Verletzten bzw.im Militär) durchgeführt, in denen man mehr Behandlungsbedürftige Personen versorgen muß als man versorgen kann.
    Ein Praktisches Beispiel:
    Ein schwerstes Zugunglück im Ländlichen Gebiet, es kommen Verletzungen aller schweregerade und dringlichkeiten vor. Unter einbeziehung aller irgendwie zur verfügung stehenden Rettungskräfte kann man in diesem Bespiel aber nur die Hälfte aller Patienten Behandeln.
    Dann muß man hingehen und eine Ersteinschätzung (oder Sichtung) durchführen. In dieser Sichtung würde man dann entscheiden dass der Patient mit nur einer Schürfwunde nach Hause geschickt wird damit er sich dort selber Behandelt. Den Patienten mit nem Armbruch würde man warten lassen und dem Patienten mit massiven Verletzungen aber guten Überlebenschanchen bei Behandlung vorziehen. In Extremfällen würde man sogar soweit gehen und Schwerstverletzte mit geringer Überlebenschanche nur analgesieren und unter Umständen sterben lassen um den Patienten mit schweren Verletzungen und guten Überlebenschancen vorziehen.

    Das heißt in einer Triage wird ein Teil Patienten aufgrund der akut! nicht ausreichenden Medizinischen Resourcen (massiv) Benachteidigt.
    Dieses Problem haben wir ja nicht wenn die Leute zu ins in die Apotheke kommen. Wir entscheiden ja nicht wem wir zum Arzt schicken und wem wir die Selbstmedikation empfehlen aufgrund einer Überlastung des Ortsansässigen Hausartes den wir schonen müssen. Stattdessen schicken wir denjenigen zum Arzt bei dem wir meinen, das eine Selbstmedikation nicht geeignet ist.

    Ich hoffe man kann verstehen was ich sagen möchte und zur Info, ich komme aus Deutschland.

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    1. Das Wort Triage erfährt ganz offensichtlich einen Bedeutungswechsel und deutlich weg vom militärischen. Hier ist der Ausdruck zumindest in Medizinerkreisen Gang und Gäbe.

      So sagt auch Wiki: Triage (französisch vom Verb „trier“ = sortieren, deutsch auch Sichtung, Einteilung) beschreibt zunächst ein allgemeines Konzept des „Sortierens nach Dringlichkeit“. Besonders bekannt ist die Triage im Bereich der Medizin (das Einteilen der Verletzten bei einem Katastrophenfall nach der Schwere ihrer Verletzungen).

      Aber: besonders bekannt heisst ja nicht, es ist die einzige Möglichkeit einer Definition.

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      1. Es kann sein, dass das Wort Triage nur in der Schweiz diesen Bedeutungswechsel hat. Hier in Deutschland kenne ich das Wort Triage auch nur in der Bedeutung der Notfallmedizin, wenn große Mengen an Schwerverletzten anfallen und man Personen mit Atemstillstand bewusst versterben lässt (z.B. beim Unglück der Loveparade).
        Das Wort ist mir in dieser Bedeutung, die Du meinst, bisher nur in Deinem Blog über den Weg gelaufen.

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    2. Kann sein, dass du als Deutscher einen negativen Beigschmack spürst bei dem Wort Triage. Diese Art der Triage kenne ich als „militärische oder Notfall-Triage“…

      Hier in der Schweiz verwenden wir den Begriff Triage wertneutral und er ist im Apothekerberuf allgegenwärtig:
      Die pharmasuisse (Berufsverband) nennt die Triage auch als eine der 5 pharmazeutischen Kernkompetenzen eines Apothekers.
      –>

      Auch im Notfall des hier ansässigen Spitales wird durch eine „Triage-Person“ triagiert… Diese Fachperson (mit spezifischer Zusatzausbildung) teilt die Patienten in „Warteschlangen“ ein: Notfall, Facharzt, Hausarzt.
      Und auch dort muss trotz Triage – genau wie in der Apotheke – keiner sterben! ;-)

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    3. Also in Frankreich heißt es sortieren, zusammenstellen, ohne weitere Konnotationen – ein Rangierbahnhof heißt gare de triage.
      Das dürfte in der Schweiz deutlich präsenter sein, und deshalb die Note „Selektion“ wesentlich weniger ausgeprägt als in Deutschland.

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  3. …und das Beste daran, wie der/die Autor/in) ja nicht müde wird zu erwähnen: Es ist alles gratis! Da freut sich doch die Apotehkerbranche. Mehr Arbeit für nix. Hoch lebe das Gutmenschentum!

    Vielleicht etwas spitz geschrieben, aber ich glaube es wird klar worauf ich hinaus will. :)

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  4. Liebe Kinder, nicht nachmachen! (Oder doch, bevor eure RTL 2 Mamis euch betreuen): Wer aber mal erlebte, wie Hautärzte (Sensible lesen nicht weiter)… so am Nagelbett- Eiterpropfen rummachen…vereisen.. Lappen hinlegen…das geht auch daheim. 2 Minuten statt: Anmeldung, Betüddelung als läge man in den letzten Zügen. Wichtig ist Sauberkeit, Hygenie., also alles, was in dt. Kliniken Mangelware ist.
    Heimwerker! Nehmt auch den Bereich an! Ist aber nix für Memmmen, die schon, wenn sie beim Zahndoc vorbei gehen, die Spritze brauchen. Slibowitz reicht!

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