Die problematische, äh natürlich problemlösende Apothekerin …

Irgendwie hatten die Ärzte heute ein Problem, naja, vielleicht habe ich es ihnen dann gemacht, falls sie vorher noch keines hatten.

Auf dem Rezept vom Spital, das eine Frau gebracht hat fehlen sämtliche Angaben zum Patienten. Laut Auskunft ist das für ihren 12 jährigen Sohn. Damit stimmt die Dosierung der Schmerzmittel darauf nicht ganz überein.

Ponstan 500 mg  S: 1-1-1 (wären etwas hoch)

Dafalgan 1g S: 1-1-1 (hoch, aber gerade an der Grenze)

Also muss ich sowieso anrufen. Ins Spital – was immer toll ist, weil … ja, das dauert, bis man da mal am richtigen Ort und bei der richtigen Person ist. Zumindest war das Rezept vom selben Tag, was die Chancen ziemlich erhöht, dass die richtige (am besten gleich die Verschreibende) Person auch wirklich da ist.

Der Arzt war dann auch super freundlich, hat sich ob des fehlenden Namens aber etwas erstaunt gezeigt „Da hätte noch eine Etikette mit der Info drauf sollen“ (No shit, sherlok) und hat sich überzeugen lassen, die Dosierung auf 250mg 1-1-1 anzupassen.

Er meinte nur verteidigend: „Aber ich habe extra im Kompendium nachgeschaut!“ (das ist bei uns das Arzneibuch)

Ja, da steht folgendes drin: (und zwar sowohl bei den Tabletten als auch Kapseln und Suspension):

Dosierung; Mit dem Essen.

>14 J.: 3×tgl. 1 Tabl. oder 2 Kaps., max. 2 g tgl.
12–14 J.: 3×tgl. 1 Kaps. oder 25 ml.
9–12 J.: 2(–3)×tgl. 1 Kaps. oder 3×tgl. 20 ml.
6–9 J.: 3×tgl. 15 ml.

Das Problem dabei ist, dass es Tabletten gibt zu 500mg und Kapseln zu 250mg. Und dass die Dosierungsanweisung das etwas ungenau schreibt, wenn man das nicht weiss. Und als ausländischer Arzt, nach den ich ihn mit seinem Akzent eingeordnet habe, wusste er das offenbar nicht.

Kein Riesen-Problem … solange wir Apotheker da sind und das merken.

Rezept 2 war auch vom Spital, aber einer anderen Abteilung und ein anderer Arzt … das bringe ich morgen.

6 Antworten auf „Die problematische, äh natürlich problemlösende Apothekerin …

    1. Das kann noch getoppt werden – mit einem Rezept komplett ohne Beschriftung, von der Arztunterschrift abgesehen.

      Passiert bei mir alle Jahre wieder, nimmt der Patient das (offensichtlich vorher; tz tz tz) unterschriebene Rezept, und geht ohne es an der Anmeldung bedrucken zu lassen direkt aus der Arztpraxis heraus und in die Apotheke hinein. Dann habe ich manchmal so Äußerungen wie „Bingo! Freie Auswahl!“ drauf, mit einem breiten Lächeln im Gesicht…

      Liken

  1. Hier in D kriegt man aus den Krankenhäusern gar keine Rezepte, nur von der ärztlichen Notdienstpraxis oder eben zu normalen Zeiten beim Hausarzt. ..

    Liken

    1. Gar keine? Ziemlich selten, ja, oder hat sich da was legales geändert? Ich kenn da noch z.B. Rezepte aus der Ambulanz späten Nachmittag oder am Samstag.
      KH-Rezepte waren schon früher immer der Horror, weil kaum ein KH-Arzt auch nur ein kleines bisschen Ahnung von formalen Anforderungen hat. Da wird das Rezept mit dem Aufdruck des Chefarztes der Chirurgie Prof. Dr. Dr. Karl Meier genommen und die Unterschrift ist ein wunderbar leserliches eindeutig weibliches „Schmidt“. Hmpffff O_o.
      Da verzweifelt man als Jungspund in der Apotheke, wenn man gerade brav gelernt hat, wie so ein Rezept auszusehen hat und damals gab es noch keine Retaxationsorgien.

      Liken

    2. Man muss da unterscheiden. Die „normalen Stationen“ dürfen keine Rezepte ausstellen (so ohne weiteres). Notfallaufnahmen dürfen (nur) Privatrezepte ausstellen – hier kann sich dann der GKV-Versicherte anschließend selbst mit seiner Kasse um die Kosten streiten. „Ambulanzstationen“ und auch „spezielle Therapierichtungen“ (z.B. onkologische Stationen von Unikliniken) dürfen durchaus GKV-Rezepte ausstellen. Das Problem ist, wie @Mr.Gaunt schon gesagt hat, dass die fraglichen Ärzte keinen Plan von den gesetzlichen und vertraglichen Anforderungen an Rezepte haben – und dass das leider auch einige Ärzt überhaupt gar nicht interessiert.

      Fehler, die sich bei Klinik-Rezepten häufen:
      -keine/falsche Packungsgrößen
      -keine/falsche Wirkstärkenangaben (meist Angabe einer „Effektivdosis“-Wirkstärke)
      -Nichtbeachtung der Packungsgrößenverordnung
      -Dosierung kann nicht stimmen (Kapseln verordnet bei 3xtgl. 1/2)
      -Verordnung einer Wirkstärke als „Effektivdosis“ in Zusammenhang mit der Reichweite, z.B. „Wirkstoff XY 250mg 1×1 für 100Tage“; es gibt aber nur „XY 500mg“ – der Apotheker soll dann erkennen: „50St. 1x 1/2“ (Das erkenne ich ja auch, ich darf es trotzdem nicht beliefern.) Im günstigsten Fall das auch noch unter Nichtbeachtung der Packungsgrößenverordnung
      -Patientenkopf des Rezepts ist mit Aufkleber beschriftet [dies ist a) nicht gestattet; b) fehlen gewöhnlicher Weise bestimmte Daten & c) sitzen die Daten an der falschen Stelle)
      -„ausgeschlossene Produkte“ (z.B. Unitest-pH-Papier), gerade bei Kindern bestehen hier die Eltern meist auf „kostenbefreite Lieferung“
      -Nichtaufklärung über Festbetragsaufzahlungen (ja, das steht im Vertrag der KV mit der GKV)
      -kein lesbarer Name und keine Berufsbezeichnung auf dem Rezept
      -(demnächst) keine Telefonnummer auf dem Rezept
      -Akutverordnungen von Hilfsmitteln, die a) wirklich keine Apotheke vorrätig hat und b) bei der GKV sowieso nicht im Leistungskatalog stehen

      -ergänzbar… ;-)

      Liken

  2. Habe hier gerade zum Notdienst viele Rezepte aus der Notaufnahme im Krankenhaus. Aber meine Lieblinge sind immer die der pädiatrischen Notfallambulanz: Furchtbare Handschriften, kreative Dosierungen und phantasievolle Antibiotika-Varianten.

    Liken

Was meinst Du dazu? (Wenn Du kommentierst, stimmst Du der Datenschutzerklärung dieses Blogs zu)

This site uses Akismet to reduce spam. .