Änderungen in Sichtweite? Das neue Heilmittelgesetz

Es tut sich was in der Schweiz – ein neues Heilmittelgesetz ist im Tun. Vorstösse sind im Gang, die die Selbstdispenation der Ärzte einschränken könnte … zumindest in dem Sinne, dass den Patienten etwas deutlicher die Wahl gelassen wird, wo sie ihre Medikamente beziehen möchten.

Bisher ist es so gewesen, dass ein Arzt in einem Kanton, der die Selbstdispensation erlaubt, dem Patienten beim Besuch gleich die Medikamente in die Hand gedrückt hat. – Eigentlich müsste ich hier richtigerweise „Medikamente verkauft“ schreiben, denn das ist das was der Arzt da tut. Was dabei auch unter den Tisch fällt: es fehlt dadurch die Kontrolle der Medikamente durch eine zweite (dafür ausgebildete) Medizinalperson: die Apotheker. Und der Patient selber kann sich so nicht noch einmal überlegen, ob er die Medikamente wirklich nehmen will – *das* sehe ich in der Apotheke dann an den ganzen kaum angebrochenen Packungen Medikamente, die ich zum entsorgen bekomme.

Kaum ein Patient wagt es in so einem Fall, den Arzt um ein Rezept für die Medikamente zu bitten. Das sollte jetzt geändert werden, indem man den SD Ärzten vorschreiben wollte, für alle Medikamente erst mal ein Rezept auszustellen. Der Patient kann dann – mit dem Rezept in der Hand- entscheiden, wann und wo er die Medikamente beziehen will. Das war den Ärzten zuviel – der jetzige Entwurf ist schon so weit verwässert, dass der Patient entscheiden „darf“, ob er wirklich ein Rezept in Papierform will. :-(

Damit sind wir eigentlich immer noch bei der jetzigen Situation. Wie gesagt: die wenigsten getrauen sich ihrem Arzt gegenüber etwas zu sagen.

Dabei geht es (natürlich) um viel Geld. Gemäss IMS Health fallen 24.3 Prozent der Medikamentenkosten auf die SD-Ärzte. Das sind mehr als 1,23 Milliarden Franken pro Jahr. Wenn wir das jetzt noch in Verbindung setzen mit der nach der Ärzte, die in der Arztpraxis Medikamente verkaufen, rund 30 Prozent mehr Arzneimittelkosten pro Patient verursachen als Ärzte, die verschreiben … dann können wir uns ausrechnen, dass wir glatt 370 Millionen Franken pro Jahr einsparen könnten, wenn die Leute die Medikamente wieder in der Apotheke holen gingen. Und es wäre sicherer.

Auf der anderen Seite gibt es weiter Bestrebungen, den Apothekern mehr Kompetenzen im Bereich der Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten zu geben. Auch dagegen wehren sich (begreiflich) die Ärzte.

Dazu möchte ich sagen, dass wir hier in der Schweiz schon mehr Kompetenzen in die Richtung haben als die Apotheker in Deutschland. Nicht nur dürfen wir Vorbezüge machen oder ausnahmsweise Wiederholungen auf Rezepten, wir dürfen schon „in begründeten Ausnahmefällen“ auch rezeptpflichtige Medikamente ohne Rezept abgeben … und machen das auch. Wichtig hier ist, dass der Apotheker das nur macht, wenn er sich sicher ist, damit keinen Schaden anzurichten – immerhin übernimmt der Apotheker in dem Fall die Verantwortung. Das heisst: der Apotheker muss vorher diverses abklären. Dafür braucht er das richtige Wissen – das wir aber in Weiterbildungen (auch von Ärzten) regelmässig erwerben. Die Grundlagen dafür gibt es hier schon lange. Im Zweifel wird der Patient auch immer an den Arzt weiter verwiesen.

Werden hier die Kompetenzen (vor allem im Sinne der möglicher Gesundheitsprobleme) erweitert, müssen natürlich auch die Apotheker vermehrt weitergebildet werden. Ich behaupte hier aber, dass kein Apotheker „einfach so“ rezeptpflichtige Medikamente abgibt, nur weil er das dann vermehrt darf. Immerhin kommt die Nachfrage dafür direkt vom Patienten. Der hat nun einfach mehr Auswahl, wo er seine Medikamente – ob rezeptpflichtig oder nicht – beziehen kann.

Wer mitreden will kann das hier: (linke Seite – am liebsten natürlich „Ja“ – für die Apotheker :-) )

Auch die Kompetenz von Drogerien soll ausgeweitet werden. Schon jetzt hat der Nationalrat dem Vorschlag des Bundesrats zugestimmt, dass Drogerien künftig alle nicht verschreibungspflichtigen Medikamente abgeben dürfen. Darunter fallen die Liste C – die apothekenpflichtigen Medikamente. Ich bin vor allem gespannt, was sie am Schluss soweit freigeben, dass das dann sogar im Detailhandel erhältlich sein wird. (Bitte nicht Aspirin und Co.!)

Im Versandhandel von Medikamenten (ein ewiger Streitpunkt in der CH da eigentlich verboten) soll es in Zukunft nicht mehr möglich sein, dass das Rezept vom Versandhandel „danach“ besorgt wird: es muss bei der Bestellung vorliegen. Ob da auch die Ausstellung eines Rezeptes während dem Bestellprozess verboten wird? (nötig hierzulande auch für freiverkäufliche Arzneimittel etc.) 

Und dann haben wir noch die Sache mit der Übernahme der Komplementärmedizin durch die Krankenkasse. Die finde ich allerdings sehr enttäuschend. 2012 wurde nach einer Volksabstimmung 5 alternative Heilmethoden in den Katalog der Grundversicherungen aufgenommen und von den Krankenkassen übernommen. (Nachzulesen auch bei mir) … Vorgabe war allerdings, dass das bis 2017 beschränkt ist und dass die verschiedenen Sparten bis Ende 2015 nachweisen, dass sie „wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich“ sind. Das können sie offenbar nicht (keine grosse Überraschung). Die Neuraltherapie ist inzwischen auch freiwillig von der Regelung zurückgetreten. Der Rest allerdings … soll jetzt nach Vorschlag des Gesundheitsministers Alain Berset den anderen vergüteten medizinischen Fachrichtungen gleichgestellt werden. Damit würden die Leistungen wie in den letzten Jahren grundsätzlich von der Krankenkasse vergütet.

Da bekommen also die anthroposophische Medizin, die Homöopathiedie Phytotherapie
und die traditionelle chinesische Medizin ohne Nachweis die Übernahme durch die Krankenkassen geschenkt. Hmmmmpf!

Wie bei anderen medizinischen Fachrichtungen sollen lediglich einzelne, umstrittene Leistungen überprüft werden. Wie dabei die Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit angewendet würden, muss laut dem EDI noch präzisiert werden. Die betroffenen Kreise werden eingeladen, dabei mitzuwirken.

Die Kosten für die Komplementärmedizin werden übrigens auf 50 Millionen Franken im Jahr geschätzt, weniger als ein Promille der gesamten Gesundheitskosten. Gut – für mich macht es das relativ einfach in der Apotheke – kann ich das auch via die Krankenkassen abrechnen. Aber der Wissenschaftler in mir findet das sehr (sehr!) unbefriedigend.

38 Antworten auf „Änderungen in Sichtweite? Das neue Heilmittelgesetz

  1. Ich bin ja der größte Gegner von diesem Humbug überhaupt. Einem Arzt oder Apotheker, der mir so etwas empfiehlt, würde ich gründlich auf den Zahn fühlen, ob er mein Leiden nciht ernst nimmt oder an so einen Quatsch glaubt, und ihn dann wohl feuern. Bei unserer Hebamme würde ich das eigentlich auch gerne machen, aber die sind hier ALLE so drauf, so dass wir uns für die am wenigsten Aggressive und auf Nachfrage Beleidigte entschieden haben.

    Aaaaaaber … irgendwas sollten wir und ausdenken, um den Placeboeffekt weiter zu nutzen. Homöopathe ist dafür sicher nicht die Optimallösung jeder Arzt, der das verschreibt, impliziert, dass er als studierter Mediziner daran glaubt und verleiht dem Scharlan damit Glaubwürdigkeit, der es auch gegen Krebs anwenden will.
    Andererseits ist ganz ohne Placebo auch schade.

    Wahrscheinlich setzt man am Besten an, die Behandlungszeit wieder zu erhöhen – die mangelnde Beachtung treibt die Leute ja gerade zu den Heilpraktikern. Ich weiß nicht, wie es in der Schweiz da aussieht.

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    1. Meinst Du Behandlungszeit oder die Zeit, die der Arzt zur Diagnosenstellung zur Verfügung hat? Für letzteres wäre ich sehr, da gibt es eine Menge schnell-Diagnostiker und gar-nicht-richtig-hinhör-Ärzte. Teils fast gezwungenermassen: Zeitmangel.

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  2. Wie du schon schreibst, verständlich, dass die Ärzte ihre Felle wegschwimmen sehen, aber m.M.n. haben sie in dem Feld einfach nicht mehr verloren als Pharmazeuten in ihrem.
    Die Übernahme von Quacksalberei ist ein Witz.

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  3. Wenn sich ein Apotheker erregt über die Medikamentenabgabe von Ärzten in den Praxen, dann ist das der Ärger über den Konkurrenten. Sie schreiben der Arzt „verkaufe“ die Medikamente. Und die Apotheke? Die verschenkt sie? Als Rechtfertigung für die Apothekenabgabe nennen Sie die Kontrolle durch „eine ausgebildete Medizinalperson“. Schöne Beschreibung für die nette Apothekenhelferin.
    Sie haben Recht, eine Kontrolle der abgegebenen Medikamente ist gut. Aber das leisten Computerprogramme, die der Arzt nutzen sollte. Um das eigentliche Problem reden Sie herum. Es geht nämlich bei multimorbiden Patienten mit langen Medikamentenlisten nicht ohne Interaktionsrisiken und Ausscheidungsprobleme. Diese aber können Sie und Ihre Helferin am Tresen überhaupt nicht beurteilen, weil Sie das Allerwichtigste nicht wissen: Die Diagnosen des Patienten, seine Lebensgeschichte, Laborwerte und Facharztbefunde. Die Kontrolle können Sie also gar nicht leisten. Das Ganze ist der Versuch die Dispensation in der Apotheke zu rechtfertigen. Früher waren Apotheken die einzigen handwerklichen Hersteller der Medikamente. Als sie diese Kompetenz an die Pharmafirmen verloren, behielten Sie die outlets und verkauften die Schachteln der Industrie. Wenn man den ganzen Homöopathieklimbim in Ihren Schaufenstern sieht, dann ist doch die wirtschaftliche Absicht nicht zu leugnen. In Deutschland dürfen die Ärzte leider durch Ihre hartnäckige Lobbyarbeit die nötigen Medikamente nicht an ihre Patienten abgeben. Obwohl das die beste Möglichkeit ist, dem Kranken das zu geben und zu erklären was er braucht. Das Vertrauen, dass der Patient zu seinem Hausarzt hat, ist nämlich glücklicherweise noch sehr solide. Er würde sehr gerne die Medikamente von ihm in Empfang nehmen. In allen Befragungen der Schweizer Bevölkerung war nämlich immer aufs Neue klar, dass die Patienten ihre Medikamente sehr gerne weiter vom Arzt Ihres Vertrauens übergeben haben wollen. Da können Sie die Frage an das Volk auch noch so kreativ formulieren, die Leute trauen ihrem Hausarzt mehr als Ihnen das recht ist.

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    1. Sie schreiben der Arzt „verkaufe“ die Medikamente. Und die Apotheke? Die verschenkt sie?
      – Nein, nur ist den Patienten oft nicht klar, dass der Arzt sie GENAUSO verkauft,

      Als Rechtfertigung für die Apothekenabgabe nennen Sie die Kontrolle durch „eine ausgebildete Medizinalperson“. Schöne Beschreibung für die nette Apothekenhelferin.
      – Nicht korrekt. Korrekt ist: jedes Medikament das auf Rezept verschrieben wurde wird von einem Apotheker kontrolliert. Und am nächsten Tag passiert noch einmal eine Rezeptkontrolle- wieder von einem Apotheker.

      … Interaktionsrisiken und Ausscheidungsprobleme. Diese aber können Sie und Ihre Helferin am Tresen überhaupt nicht beurteilen, weil Sie das Allerwichtigste nicht wissen: Die Diagnosen des Patienten, seine Lebensgeschichte, Laborwerte und Facharztbefunde. Die Kontrolle können Sie also gar nicht leisten.
      – Ich weiss oft die Diagnose nicht, Richtig, aber ich weiss mehr über Medikamente und ihre Wechselwirkungen als die meisten Ärzte. Und ich habe bei mir das Wissen und die Info zusammengetragen DAS zu kontrollieren.

      Früher waren Apotheken die einzigen handwerklichen Hersteller der Medikamente. Als sie diese Kompetenz an die Pharmafirmen verloren, behielten Sie die outlets und verkauften die Schachteln der Industrie.
      – Ganz früher haben die Ärzte noch selber Medikamente hergestellt. Irgendwann konnten sie das nicht mehr auch noch tun und „verloren“ diese Kompetenz an die Apotheker. Okay – abgegeben ist das bessere Wort. Die Zeiten ändern sich – und wir uns mit ihnen.

      Wenn man den ganzen Homöopathieklimbim in Ihren Schaufenstern sieht, dann ist doch die wirtschaftliche Absicht nicht zu leugnen.
      – Ich bin die letzte, die die wirtschaftliche Absicht leugnen würde. Eine Apotheke muss rentieren, sonst kann sie zumachen. Das ist bei uns bei den Ärzten dasselbe, ein Grund, warum ich die Hausarztinitiative unterstütze, damit die Ärzte auch für ihre Arbeit richtig entlöhnt werden. Aber: an den rezeptpflichtigen Medikamenten deren Preise vom Gesetzgeber geregelt werden, verdient man immer weniger. Alternativmedizin und Nahrungsergänzungsmittel etc. sind eine Einnahmemöglichkeit, auf die man setzen kann – manche Apotheken mehr, manche weniger. Solange das nicht nur im Vordergrund steht und daneben evidenzbasiert gearbeitet und beraten wird, finde ich das nicht mal so verwerflich.

      … der Patient… würde sehr gerne die Medikamente von ihm in Empfang nehmen. In allen Befragungen der Schweizer Bevölkerung war nämlich immer aufs Neue klar, dass die Patienten ihre Medikamente sehr gerne weiter vom Arzt Ihres Vertrauens übergeben haben wollen.
      – Nicht korrekt. Gerade in der letzten Abstimmung im Aargau wurde die Einführung der Selbstdispensation abgelehnt. Mit gutem Grund – Vertrauen ist gut, Zusammenarbeit ist/wäre besser. Das hat die Bevölkerung dort erkannt.
      Im Übrigen existieren eine Menge Ausnahmeregelungen, wo der Arzt auch so Medikamente direkt abgeben darf: zum Beispiel, wenn keine Apotheke in vernünftiger Entfernung ist.

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    2. Ein paar Anmerkungen: Im Idealfall geht der Kunde immer in genau eine Apotheke, zu mehreren Fachärzten muss er aber immer und nicht selten verschreiben die AM ohne vom Kollegen je was zu hören. Das sieht man an den Rezepten oft genug, die Alternative wäre noch schlimmer. Aber auch schon gesehen. Dann die Frage, was und wie verschrieben wird. Auch da ist Kontrolle unerlässlich. Zum Erklären sind Apotheken grundsätzlich verpflichtet, auch oft genug sehr nötig. Und Homöopathie anzuführen ist witzig, wie viele Ärzte verschreiben es denn? Und dürfen es in der Konstellation sogar selbst verkaufen…

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  4. Schön, wir sind uns einig dass die Apotheke und der Schweizer Arzt das Gleiche tun, nämlich Medikamente verkaufen. Ihr Motiv der Konkurrenz ist damit doch nachvollziehbar?
    Sie schreiben, die Rezepte würden am Folgetag nochmal vom Apotheker kontrolliert. Das ist doch Wunschdenken. Was ist das für eine medizinische Qualität, wenn man nur ein Rezept ohne den Patienten „kontrolliert“? Von jedem Arzt erwartet man zu Recht, dass er den Patienten sieht, wenn er eine medizinisch wichtige Entscheidung trifft. Der Apotheker kann das auch so. Nur am Schreibtisch.
    „Ich weiss oft die Diagnose nicht, Richtig, aber ich weiss mehr über Medikamente und ihre Wechselwirkungen als die meisten Ärzte. Und ich habe bei mir das Wissen und die Info zusammengetragen DAS zu kontrollieren.“
    Behandlung ohne Diagnose ist Leichtsinn. Mindestens. Dass Sie die Wechselwirkungen kennen glaube ich Ihnen. Was das „Zusammentragen von Wissen und (die) Info“ bei einem komplex erkrankten Patienten heissen soll ist mir nicht klar. Ich habe damals 6 Jahre Innere Medizin in verschiedenen Krankenhäusern gebraucht um die Probleme zu begreifen, das können Sie doch nicht mit einem Gespräch am Tresen oder einer abendlichen Schreibtischkontrolle der Rezepte erreichen? Was soll das für eine Kontrolle sein?
    Sie haben Recht, die Zeiten ändern sich. Ich hoffe auch dass sie sich in Deutschland mal ändern und Ärzte die Behandlung auch mit Medikamentenabgabe erreichen, denn jetzt kann der Apotheker nach Belieben „substituieren“ wie der Unsinn heisst. Er gibt ein Generikum mit anderem Namen ab, als der Arzt aufschrieb. Und genau das verwirrt die betagten und hilflosen Patienten.
    Schön, dass Sie die wirtschaftliche Absicht nicht leugnen. Aber der Homöopathieklimbim ist unredlicher Verkauf für einen Akademiker und absolut nicht „evidence based“. Mit dieser Behauptung untergraben Sie die von Ihnen oben dargestellte pharmakologische Kompetenz. Homöopathie ist unwissenschaftlich bis zur Komik. Wenn Sie evidence based arbeiten wollen, dann gehören diese der Physik spottenden Wasserspiele ( jenseits der Loschmittschen Zahl) sofort aus Ihren Schränken geworfen.
    Die klar überwiegende Zahl von Abstimmungen in der Schweiz war dennoch klar für das Abgeben von Medikamenten beim Hausarzt. Intravenös spritzen darf er, als Notarzt die hochkomplexe lebenserhaltende Medizin darf er einsetzen aber die Dauerversorgung mit Fertigarzneimitteln seiner ihm bestens vertrauten Patienten darf er nicht übernehmen. Das ist ganz gewiss der Lobbydruck der Apotheker, die dieses Thema um Himmels Willen nicht öffentlich diskutieren wollen. Wenn diese Debatte gross losgetreten würde, könnte die Frage der grundsätzlichen Notwendigkeit von so vielen Apotheken, ja von Standardapotheken überhaupt gestellt werden?

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    1. Sie schreiben, die Rezepte würden am Folgetag nochmal vom Apotheker kontrolliert. Das ist doch Wunschdenken. Was ist das für eine medizinische Qualität, wenn man nur ein Rezept ohne den Patienten „kontrolliert“?
      – Ich kontrolliere die Medikamente(nabgabe). Ich kontrolliere dann nicht mehr die Diagnose: dafür ist wirklich der Arzt da.

      Was das „Zusammentragen von Wissen und (die) Info“ bei einem komplex erkrankten Patienten heissen soll ist mir nicht klar.
      Das heisst, bei mir laufen tatsächlich die Rezepte von den verschiedensten Ärzten aus allen möglichen Fachrichtungen zusammen. Ich kann die Wechselwirkungen von Medikamenten kontrollieren, die der Arzt im Spital, der Hausarzt und der Spezialist verschrieben haben. Leider haben viele Patienten selber kaum mehr die Übersicht, was sie genau nehmen. Ich vermeide Doppelt-medikation und greife bei Wechselwirkungen ein. Das kann ich weil viele Patienten mich als Hausapotheke gewählt haben. Das kann ich nicht, wenn jeder (oder auch nur einzelne) Arzt selber seine Medikamente abgibt.

      Sie haben Recht, die Zeiten ändern sich. Ich hoffe auch dass sie sich in Deutschland mal ändern und Ärzte die Behandlung auch mit Medikamentenabgabe erreichen, denn jetzt kann der Apotheker nach Belieben „substituieren“ wie der Unsinn heisst. Er gibt ein Generikum mit anderem Namen ab, als der Arzt aufschrieb. Und genau das verwirrt die betagten und hilflosen Patienten.
      – Und genau das ist in Deutschland NICHT das „Belieben“ der Apotheker. Eure Krankenkassen schreiben das genau vor. Ein Wahnsinns-Unding, da bin ich ganz Deiner Meinung (und bei uns NICHT so). Aber: eben nicht der Fehler der Apotheker (die leiden nur darunter). Ansonsten gibt es so ich weiss auch bei Ihnen die Möglichkeit das als Arzt mit einem Kreuzchen auf dem Rezept zu vermeiden.

      Schön, dass Sie die wirtschaftliche Absicht nicht leugnen. Aber der Homöopathieklimbim ist unredlicher Verkauf für einen Akademiker und absolut nicht „evidence based“. Mit dieser Behauptung untergraben Sie die von Ihnen oben dargestellte pharmakologische Kompetenz.
      – Das dürfen sie gerne auch den viiieeeelen Ärzten hier sagen, die das munter verschreiben.

      Das ist ganz gewiss der Lobbydruck der Apotheker, die dieses Thema um Himmels Willen nicht öffentlich diskutieren wollen. Wenn diese Debatte gross losgetreten würde, könnte die Frage der grundsätzlichen Notwendigkeit von so vielen Apotheken, ja von Standardapotheken überhaupt gestellt werden?
      – Ich diskutiere das hier. Das steht in allen Zeitungen. Ich bin Dankbar, dass es uns auch weiterhin braucht und die Bevölkerung das auch so sieht.
      Lobbyarbeit? Mein Eindruck war bisher, dass die Ärzte da eine Riesenlobby haben und viel mehr die auch die Zeit haben, ihre Interessen zu vertreten, weil sie in der Politik sind (sind auch mehr Männer im Gegensatz zu den Apothekern: Hauptsächlich Frauen und oft noch mit Familie neben dran. Denen fehlt vor alle auch die Zeit). Wenn sich das jetzt mal ändern sollte – bin ich glücklich.

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  5. Das ist eben gerade Ihr medizinischer Blindflug, Sie können doch nicht Rezepte „kontrollieren“ wollen ohne Patienten dabei zu sehen und zu befragen. Der Mensch ist nicht teilbar. Sie können nicht die Medikamente auf einem Rezept “kontrollieren“, ohne den Kranken zu behandeln. Jetzt überlassen Sie die Diagnose dem Arzt. Die gehört aber zum Pharmacheck. Nochmal, ohne präzise Kenntnis von Vorgeschichte, Ausscheidungsparametern und Detailbefunden ist eine Aussage über die Richtigkeit einer Medikation gefährlichster Blindflug. Auch eine Warnung, die Sie aussprechen, kann böse Verunsicherungen hervorrufen. Sie wissen nicht was die Leute alles haben. Fragt Ihre Apothekenhelferin wirklich jeden Patienten, der Clarithromycin bekommt, ob er zu Hause auch einen CSE-Hemmer nimmt? Sie kennen die komplette Medikamentenliste nur von einem kleinen Ausschnitt ihrer besten Stammkunden und dann auch nicht die aktuellen Änderungen der Dosierung. Sein Sie ehrlich, Sie können keinen fundierten Medikationscheck anbieten, weil Sie viel zu wenig wissen. Und weil Sie weder peinliche Fragen stellen dürfen, noch die Ausbildung dazu haben, belassen Sie die 2-Minutenkonversation auf dem Small Talk Niveau, das der Patient vorgibt. Das ist keinerlei Sicherheit. Ich könnte mir gut vorstellen bei schwierigen Fragestellungen die Therapieoptionen mit einem klinischen Pharmakologen zu besprechen. Das könnte ein interessanter Service sein, dann müssten dem aber viel mehr Infos gegeben werden und das ist vom Verkauf völlig unabhängig. Das Bild, das Sie über einzelne Rezepte bekommen ist riskant und äusserst unvollständig. Ein Arzt würde das niemals als valide Beratungsgrundlage verwerten dürfen.

    In Deutschland leiden die Apotheker nicht darunter die Generika selbständig zu substituieren. Was ich darüber gehört habe ist, dass die Apotheker Rabatte von Pharmafirmen bekommen, wenn sie deren Produktpalette auf Lager haben. Dadurch verdienen sie ein zugegeben kleines Zubrot aber verwirren die älteren Patienten durch die andern Verkaufsnamen der Generika. Wenn der Arzt das durch ein „out idem“ Kreuzlein auf dem Rezept verhindert, bekommt er das Regress Risiko. Aber das führt weg vom Thema.

    Den „vieelen Ärzten“ sage ich das genauso gerne aber Ihnen halte ich das vor, weil Sie den Quatsch auch noch im Schaufenster bewerben. Eine solche Scharlatanerie wird nicht besser, wenn man sagen kann, guck mal, der andere macht das auch.

    Die Diskussion über die Notwendigkeit der Apotheken ist etwas GANZ anders als die Akzeptanz einer tradierten Institution. Die Leute sind an die Folklore der Schachtelübergabe in der Institution Apotheke gewöhnt. Sie verwechseln Gewohnheit mit Notwendigkeit. Würden alle Medikamente ausser angemixten Chemotherapien und den paar Salben, die manche Dermatologen wollen, in den Arztpraxen abgegeben, dann könnten 95% der Apotheker eingespart werden. Ein immenser Spareffekt für das Gesundheitssystem. Die Apothekenhelferinnen könnten beim Arzt arbeiten. Leider braucht man sie dann nicht mehr, die überqualifizierten shop keeper. Gute online Hilfe von klinischen Pharmakologen könnte die Arbeit der Ärzte dann gezielter unterstützen als die sporadische Rezeptkritik aus ungenügenden Stichproben. Das System wäre schlanker und die alte Dame muss nicht mal mehr von der Arztpraxis mit ihrem Rollator zum Apotheker hetzen, wenn der gerade dicht macht, bevor sie ankommt.

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    1. Lieber Dr.Offenaus. aus ihren Kommentaren lese ich vor allem heraus, dass Sie wenig Ahnung haben von der Arbeit der Apotheken. Das ist Schade, aber vielleicht kann ich das beheben. Lesen Sie doch auch mal hier : http://bimed.com.ua/2012/06/15/so-lauft-das-apothekersicht/
      Und hier für die deutsche Apotheke: http://bimed.com.ua/2012/06/16/so-lauft-das-in-deutschland/
      Ansonsten empfehle ich Gedankenknicks Blog über die Probleme, mit denen sich deutsche Apotheker herumschlagen müssen.

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  6. So eine finale Antwort auf präzise Kritikpunkte hatte ich erwartet. Einem ehemaligen Pharmakologen zu sagen, dass sich seine Profession nur noch durch Folklore und stützende Gesetze legitimiert, ist für Apotheker nicht diskussionsfähig.
    Wenn Sie einem Theologen sagen, seine Fakultät hat in einer Universität nicht s zu suchen, weil die Existenz Gottes nicht hinterfragt sondern vorausgesetzt wird, endet das auch mit Schweigen/Rückzug oder Aggression.
    Ihre freundlich stützende Kommunikationskultur, die ich in Ihrem Blog verfolgen kann, dokumentiert Ihre sicher exzellente soziale Kompetenz im Kundenkontakt. Sie werden daher hier genügend Unterstützer finden. Nur betrifft das Ihre Persönlichkeit und ist leider gar kein fachliches Argument für den Bedarf der teuren Auslagerung des Arzneimitteverkaufes in die teure Apothekenstruktur.
    Au Revoir

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  7. Bei solchen Kommentaren eines (angeblichen ?) Arztes geht mir doch leicht der Hut hoch. Ein Arzt, der Apotheker als „shop keeper“ bezeichnet hat da wohl was ganz grundlegendes nicht verstanden. Und nein – ich arbeite nicht in einer Apotheke und meine Meinung ist von keinerlei „wirtschaftlichen Interessen“ geprägt.
    Ich bin froh, daß in D die Selbstdispensation der Ärzt nicht erlaubt ist.
    Zum einen, weil ich viel zu viele schlechte Erfahrungen mit ärztlich verordneten aber nicht allergiekompatiblen Medikamenten gemacht habe um daran zu glauben, daß der „gemeine Arzt“ pharmakolpogisch umfassend gebildet ist. Nach einer Nacht in der Notaufnahme nach Einnahme eines falsch verordneten und im Vertrauen auf das Wissen des Arztes genommenen Medikamentes (im übrigen ein kostenfrei abgegebenes Ärztemuster) frage ich meinen Apotheker, ob das, was der Arzt mir da verschrieben hat auch wirklich für mich geeignet ist. Und habe da durchaus auch schon die Antwort „nein“ bekommen – und die Hilfe, das ungeeignete gegen ein geeignetes Medikament auszutauschen.
    Zum anderen genau wegen der angegebenen wirtschaftlichen Interessen. Wenn ich in eine Apotheke gehe weiß ich, daß die davon lebt, Medikamente zu verkaufen. Ich suche mir eine, die das meiner Ansicht nach besonders gut und fachkundig macht und finde es völlig in Ordnung, daß diese Dienstleistung entlohnt wird (auch wenn ich die Höhe der Entlohneung diskussionswürdig weil zu niedrig finde). Beim Arzt weiß ich, daß er für meine Behandlung (ebanfalls zu niedrig) entlohnt wird und auch das ist in Ordnung. Mein Vertrauen kommt aber in dem Moment ins Wanken, in dem der Arzt seinen Lohn durch Verordnung und Abgabe bestimmter Medikamente selbständig erhöhen kann. Verschreibt er mir das jetzt, weil ich es brauche oder weil die Quartalsabrechnung noch etwas mau ist? Das kann ich herausfinden, indem ich ihn bitte, mir trotz möglicher Selbstdispensation ein Rezept auszustellen. Die Begeisterung des Arztes und die Rektionen darauf kann man sich aber vorstellen…

    Und was die Rabattverträge betrifft:
    „In Deutschland leiden die Apotheker nicht darunter die Generika selbständig zu substituieren. Was ich darüber gehört habe ist, dass die Apotheker Rabatte von Pharmafirmen bekommen, wenn sie deren Produktpalette auf Lager haben. Dadurch verdienen sie ein zugegeben kleines Zubrot aber verwirren die älteren Patienten durch die andern Verkaufsnamen der Generika.“
    Die Substitution verlangt die Krankenkasse, indem Rabattverträge mit den Pharmafirmen aushandelt – gerne auch jedes zweite Quartal mit einer anderen. Da kann der Arzt die Verwirrung seines armen alten multimorbiden Patienten durch kurzes Nachdenken und das anschließende Setzen des aut idem Kreuzes auf dem Rezept zwar problemlos verhindern – aber einfacher für den Arzt ist es natürlich, den Apotheker die Mühe zu überlassen dem Patienten zu erklären warum sein Medikament statt Pillipalli jetzt Pallipilli heißt und hinterher auf den pöööööhsen Apotheker zu schimpfen…

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      1. Ich bin zwar noch kein fertiger Arzt aber es dauert nicht mehr lange. Ich stimme Judi da in allen Punkten voll zu. Ich für meinen Teil bin froh, dass es Apotheken gibt und würde gar nicht selbst abgeben wollen. Man hat eh schon kaum Zeit für die Patienten, jetzt soll da noch mehr Arbeit dazukommen? Das ist doch Humbuk! Es geht dabei doch nicht nur darum dem Patienten ein kleines Pappkistenchen in die Hand zu drücken mit den Worten „Hier, nehmen sie die mal.“.
        Und ich bezweifle ganz ganz stark, dass sich Ärzte (zumindest die meisten) mit Medikamenten genauso gut auskennen wie Apotheker. Klar, die Medikamente die sie täglich verordnen, die sind gut bekannt. Aber was ist, wenn der Patient vom Facharzt noch anderes aufgeschrieben bekommen hat? Das kennt man dann nicht mehr, vielleicht hat man den Namen schon mal gehört. Vielleicht kennt man auch einige Nebenwirkungen. Spätestens bei den Wechselwirkungen wird es dann aber vermutlich schon schwieriger.
        Mir stellt sich die Frage: WARUM sollen Ärzte unbedingt Medikamente abgeben dürfen?
        * Es gibt immer Notapotheken, es ist also nicht so, dass die Medikamente sonst nicht verfügbar wären.
        * Es ist ein großer zeitlicher Zusatzaufwand.
        * Die Medikamente müssten alle entsprechend gelagert werden.

        Mir fallen da spontan nur zwei Gründe ein die das erklären könnten:
        * Der Arzt will mehr Gewinn machen.
        * Der Arzt hat ein ziemlich ausgeprägtes Ego und will mehr Macht.

        Für den Patienten sehe ich dagegen viel mehr Nachteile als Vorteile, denn der einzige Vorteil wäre doch, dass er einige Meter Fußweg für den Gang zur nächsten Apotheke einsparen würde. Wo wir wieder dabei wären, dass sich der moderne Mensch meist eh viel zu wenig bewegt…

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  8. @(Be)Dr.Offenraus:

    Als Arzt haben Sie die Diagnose im Griff. Dafür wurden Sie ausgebildet.
    Für Sie ist die Arbeit erledigt, wenn Sie wissen, was dem Patienten fehlt. Denn dank der Pharmaindustrie haben Sie immer ein passendes Produkt, das Sie dem Patienten mitgeben können. „Nehmen Sie diese Tablette einmal täglich, dann geht es Ihnen besser.“ So stellen Sie sich das vor, nicht wahr? Das ist aber eine naive Sichtweise, die nur durch Unwissenheit und Ignoranz entstehen kann.

    Es gibt gute Gründe für das Modell Arzt und Apotheker, die sich niemals ändern werden: Patientensicherheit, Therapieunabhängigkeit und Kosteneffizienz.

    Zur Patientensicherheit: Ein Arzt macht Fehler. Er kann Kontraindikationen oder Interaktionen übersehen, Medikamente oder Dosierungen verwechseln, sich in der Therapiedauer irren… Das kommt nicht in jedem Fall vor, aber doch häufig genug, um eine Kontrollinstanz zu rechtfertigen. Diese Kontrollinstanz ist der Apotheker, das kann kein „Verkäufer“. Und keine Pharmaassistentin. Da Fehler nicht voraussehbar sind, muss jede Verschreibung kontrolliert werden. Natürlich werden damit viele „unnötigen“ Kontrollen gemacht, aber das lässt sich nicht vermeiden.

    Was die korrekte Instruktion der Einnahme angeht, haben Sie recht: Der Arzt muss diese vornehmen. Aber damit ist es nicht getan. Auch hier passieren Fehler, die der Apotheker erkennt. Auch hier vergisst der Arzt vielleicht etwas, das der Apotheker ergänzt. Noch viel wichtiger: Was glauben Sie, wie viel behält der Patient von dem, was Sie ihm erklären? Praktisch nichts. Fragt er bei Ihnen nach? Nein, denn Sie haben es ihm ja erklärt. Er will ja nicht dumm dastehen. Die Wiederholung der exakt gleichen Information durch eine andere Person (also durch die Pharmaassistentin oder durch den Apotheker) erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient die Therapie richtig ausführt.

    Zur Therapieunabhängigkeit: In der heutigen Zeit stehen Ihnen als Arzt praktisch immer mehrere Therapieoptionen zur Verfügung. Teilweise mit sehr unterschiedlicher Kostenfolge für den Patienten und das Gesundheitssystem. Wenn Sie die Therapie festlegen und den Gewinn dafür einstreichen, sind sie nicht unabhängig in der Entscheidung. Für das optimale Patientenwohl muss der Arzt die kosten-effektivste Therapie vorschlagen. Damit das gewährleistet ist, darf der Arzt von der Therapie nicht finanziell profitieren. Lösung: Arzt verschreibt, Apotheker gibt ab.

    Zur Kosteneffizienz: Neben der fehlenden finanziellen Motivation bei der Therapieentscheidung ist die Abgabe in der Apotheke auch aus logistischen Gründen sinnvoll. Der Vertrieb von Medikamenten beinhaltet eine komplexe Infrastruktur, die die Qualität der Medikamente und die schnelle Versorgung mit den richtigen Medikamenten gewährleistet. Eine Arztpraxis ist in mehrerer Hinsicht der Apotheke gegenüber benachteiligt: weniger Lagerfläche, geringerer Umsatz an Packungen, fehlende Möglichkeit der „Quersubventionierung“ durch Zusatzverkäufe, kürzere Öffnungszeiten. Damit die Medikamentenabgabe in der Arztpraxis rentiert, muss die Marge pro Packung maximiert werden. Das wird damit erreicht, dass nur ein kleines Sortiment von Medikamenten mit einer hohen Marge an Lager gehalten wird. Wenn die Medikamentenabgabe komplett in die Arztpraxis verlagert werden soll, müsste jede Arztpraxis alle Medikamente an Lager haben oder innerhalb eines halben Tages besorgen können, wie das derzeit bei Apotheken der Fall ist. Können Sie das ohne zusätzliche Kosten garantieren?

    Der Apotheker übernimmt als Arzneimittelfachperson die Qualitätssicherung bei der Arzneimitteltherapie und garantiert als Unternehmer eine kosteneffektive Versorgung. Könnte der Arzt das auch? Möglicherweise. Könnte er es mit weniger Aufwand und geringeren Kosten? Garantiert nicht. Keiner hat etwas davon, wenn sich Ärzte und Apotheker gegenseitig bekriegen. Vor allem nicht die Patienten. Jeder soll das tun, was er oder sie am besten kann: Ärzte diagnostizieren und schlagen eine Therapie vor, Apotheker validieren die Verschreibung, ergänzen und wiederholen die ärztliche Beratung und stellen die Versorgung sicher. Jeder dieser Schritte ist notwendig, egal wer dafür verantwortlich ist. Aber es braucht dafür zwingend zwei unabhängige Instanzen. Die Frage sollte sein, wie beide Instanzen, Ärzte und Apotheker, optimal zusammenarbeiten können. Schlussendlich wollen beide das Beste für Ihre Patienten. Wir sollten gemeinsam an einem Strang ziehen, um die Zusammenarbeit nicht durch Drittinteressen (Krankenkassen, Pharmafirmen, Politik) zu erschweren, wie es momentan leider der Fall ist.

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  9. Judi, behalten Sie Ihren Hut auf. Ich bin wirklich Arzt, auch wenn das für Sie nicht erkennbar ist. Und glauben Sie nicht, ich wäre der schnöselige arrogante Patientenfresser. Ich kann Ihnen das Thema Arzneimittelregress und out idem nicht in der Kürze erklären aber darin ist die Antwort auf Ihren Kommentar. Ich komme erst jetzt zum Schreiben, weil ich nach der Sprechstunde um 18 Uhr und den „Hausaufgaben“ noch zwei einfühlsame Hausbesuche bei sehr betagten Menschen gemacht habe.

    Masswear, das ist mal eine ordentliche Replique.
    Gerne geh ich darauf ein. Ich verstehe gut, weshalb Sie gleich einleitend mit „Ignoranz und Unwissenheit“ losklopfen. Das illustriert meine abschliessenden Worte zu Bimedmma. Wer die grundsätzliche Frage über Ihren überlebten Beruf stellt, wird aktiv ignoriert oder gehauen.

    Merke: wer die schlechte Nachricht nicht angreifen kann, der greift den Boten der Nachricht an. Am besten als ignoranten Tor. Willkommen im Club.

    Jetzt mal präziser:
    Die Patientensicherheit ist das Ziel.

    Ihr Weg zu diesem Ziel ist jedoch durch Ihr Motiv, den eigenen Beruf zu rechtfertigen begründet. Wenn Sie das Ziel einer Verbesserung der Verschreibungsqualität hätten, käme das Modell heraus, das ich Ihnen schon oben bei Bimedmma einmal vorgestellt habe.
    1. Die Medikamentenliste (die im Gegensatz zu den gelegentlichen Einzelrezepten, die Sie ohne die restlichen Medikamente überhaupt nicht beurteilen KÖNNEN, weil unvollständig) des Arztes gehört durch ein EDV-Interaktionsprogramm geschoben. Das ist Ihren Kenntnissen überlegen und denen Ihrer Helferin schon gleich zweimal. Die Medikamentenliste bekommt der Patient bei einem guten Arzt immer ausgehändigt, wenn der ein neues Rezept abgibt.
    2. Die schnelle online-Verfügbarkeit von qualifizierter Beratung des Arztes durch einen klinischen Pharmakologen ohne Dispensationsablenkung wäre die zweite gute Verbesserung der Patientensicherheit.
    Masswear, Sie wollen doch wohl nicht wirklich und ernsthaft behaupten, dass diese genannten hocheffektiven Werkzeuge Ihrer Apothekenhelferin am bedrängelten Verkaufstisch nicht klar überlegen wären? Wenn jemand also nach Patientensicherheit suchen würde, dann käme er auf neue Modelle dieser Art. Sie verteidigen hier doch nur Ihr antiquiertes, analoges, lukratives Geschäftsmodell. EDV und Vernetzung sind die Zukunft und lösen dann Ihr „Qualitäts“-Monopol ab.
    Zur Dosierungsanleitung: Sie erleben ja Nichts von der Besprechung in einer guten
    Konsultation. Die ist nicht das, was ein paar Ärztedinosaurier auf die rosa Zettelchen von Hand schmieren. Die Medikamentenliste ist ein zentrales Tool in einer guten Konsultation.
    Nicht jeder Patient ist nach der Erklärung durch den Arzt so verschüchtert, dass er nicht nachfragt und gerade die intendierte, gezielte Rückfrage des Arztes, um das Verständnis seines ihm vertrauten Patienten zu verbessern ist der hypothetischen Nacharbeit von Rezepten des Vortages durch den Apotheker klar überlegen. Wobei ich diesen Nacharbeiterservice anzweifle. das wird doch normalerweise durchgewunken.
    Es entsteht auch keine Verbesserung der Sicherheit durch die zweite Aufklärung an Ihrem Tresen, wie Sie das behaupten. Im Gegenteil. Gespräche von Ihnen und dem Arzt über den Verschreibungsmodus können niemals identisch sein, dafür ist das Thema zu komplex. Ein zweiter Aufguss ist eher Quell neuer Unsicherheiten. Das musste ich oft genug erleben. Gelegentlich habe ich aber auch gute Erfahrungen gemacht. Es bleibt aber ein schlecht synchronisiertes und daher riskantes Kommunikatinsmittel. Beispiel:
    Der Patient fragt den Apotheker, ob er das Insulin nun spritzen soll, wenn er nach dem Essen Sport treiben will oder ob er das verschieben soll. Was sagt der ohne den kompletten Mediplan? „fragen Sie Ihren Arzt“.
    Der Patient fragt die nette Helferin, ob er bei seinem frischen Zoster dieses einmal täglich zu nehmende Virustatikum vom Arzt nüchtern nehmen soll. Wenn die checkende Apothekenhelferin zu fragen vergisst, ob der Patient zuvor vielleicht bei einem Dermatologen ein äusserliches Mittel gegen eine Warze bekam, dann wird der alles nachkontrollierende Chef (das behauptet Bimedmma) am nächsten Tag das Leben des Patienten nicht mehr retten können (Verrumal). Die Dosierungen und die Interaktionen sind Sache des koordinierenden Hausarztes. Der Apotheker bleibt Trittbrettfahrer mit mangelhafter Datenlage. Die seltenen Körner des blinden Huhnpickens sind keine Rechtfertigung für das hohe Einkommen der Apotheker.

    Zur Therapieunabhängigkeit

    Das ist ein grundsätzliches Problem, dass den Arzt wie auch den Apotheker betrifft. Der Arzt ist jedoch weniger damit belastet als der Apotheker. Ich erkläre gerne weshalb:
    Der Apotheker
    hat massenhaft OTC Präparate, die er über den Tresen ohne Kassenerstattung verkauft. Er tut das GÄNZLICH ohne ärztliche Ausbildung. Er verkauft nach einer Diagnose, die binnen 30 Sekunden am Tresen erstellt wurde. Ohne Anamnese, ohne Intimität und ohne körperliche Untersuchung. Ein medizinischer Offenbarungseid. Das ist merkantiler Humbug. So zB homöopathische Wasser- und Zuckerplacebos oder Säure-Basen-Haushalt-Beschwörungen auf Bauernfängerniveau. Das ist das Gegenteil von Therapieunabhängigkeit.
    Der Arzt
    Hat bestimmt auch ein Risiko zu teure Medikamente zu verkaufen, oder zu schnell mal einem Analgetikawunsch nachzukommen. Das ist aber nur in sehr geringem Ausmass möglich. Die Rheumatologen in der Schweiz haben zB teure Medikationsvarianten in ihrer Apotheke , die aber nur unter Genehmigungsvorbehalt abgegeben werden dürfen. Da ist also eine Zweitmeinung des Vertrauensarztes nötig. Der Insider weiss auch, dass in der Schweiz der Patient für den Gebrauch der preiswerteren Generika weniger Zuzahlung zu leisten hat. Das leitet den Arzt zum Verzicht auf die dümmlichen „Originalpräparate“ an, denn sonst mault sein Patient über zu viel Zuzahlung. Ausserdem ist die meisste Therapie in der Medizin von der Erkrankung geleitet. Eine Hypertonie behandelt man eben mit preiswerten ACE-Hemmern oder Calciumantagonisten und nicht mit Goldstaub, Ayuveda, Biologicals oder aufgeklebten Geldscheinen. Das ist nicht beliebig, wie der Verkauf des Vitaminblödsinns, den die Apotheker zum Erfüllen aller Hypchondriesymptome / Wünsche bereithalten.
    Den Apotheker möchte ich sehen, der erst das Nierensteinrisiko quantifiziert, bevor er hochdosierte Ascorbinsäure hergibt…

    Zur Kosteneffizienz
    Was ich sage, ist dass 90% der Apotheken abgeschafft gehören und dieses Volumen in die Arztpraxis integriert werden sollte. Dann würde natürlich dort mehr Platz benötigt. In neu gegründeten Praxen wäre das eine logistisch schnell lösbare Aufgabe und doch kein ernsthaftes Hindernis. Es ist unrichtig, dass Apotheken länger öffnen als Arztpraxen. Ärzte arbeiten mindestens 60% länger als Apotheker!!!! Auch zum späten Hausbesuch kann der Arzt dann das Antibiotikum mitbringen. Das ist wirkliche Qualität für den Patienten.
    Die Öffnungszeiten der Apotheken in der Schweiz sind oft kürzer als die der Arztpraxen und ZNAs und meine Spätsprechstunde in meiner Landarztpraxis in D wird vom
    Apotheker mit „ Apotheke geschlossen“ quittiert. Der trinkt schon sein Fernsehbier, wenn ich noch Patienten behandle.
    Nichts, was die Apotheke an Infrastruktur hat, kann nicht genauso in einer Arztpraxis entstehen. Quersubventionierung als Alleinstellungsmerkmal der Apotheke empfinde ich eher als ein peinliches Detail. Wenn der Apotheker zu wenig Rendite vom Lisinopril bekommt, kann er natürlich orthomolekularen Quatsch verticken. Das Bildungsdefizit des Kunden mit billigenden Kommentaren zum eigenen Verdienst umfunktionieren, das ist gewiss keine pharmakologische Kompetenz.

    Die Praxen in der Schweiz können alle Medikamente innerhalb eines Tages vom Grossisten bekommen, das weiss ich von Kollegen dort. Zum Ex Factory Preis ab einem gewissen Umsatz! Das ist doch kein Hexenwerk.
    Wir reden hier über ernsthafte Gründe, weshalb der Beruf des Apothekers (nicht des Pharmakologens) obsolet ist. Die Apothekenhelferin wird weiter dringend benötigt. Sie kann in der Medikamentenausgabe beim Arzt arbeiten.
    Kosteneffektive Versorgung und Qualitätssicherung kann der Arzt genauso wie der Apotheker. Die Kosten wären geringer! Weil der Apotheker eingespart würde! Sogar die Kosten für die Fachverbände und die putzigen folklorelastigen Gebäude fallen weg. Alles wäre verschlankt am Ort des Bedarfes, der Arztpraxis. Direkt beim Patienten. Rechnen Sie mal aus, was in D die Kosten für die Apotheker ausmachen. Das ist relevantes Geld. Klar, dass da alle Apotheker erregt sind. Die Buchdrucker hatten das gleiche Problem.

    Also:
    Der Apotheker ist keine Arzneimitelfachperson. Er ist ehemals Pharmakologe gewesen, der die HERSTELLUNG der Medikamente erlernt hatte, bis er alles in seiner Funktion als Schachtelverteiler verlernt hat und nur noch den kleinen Anteil seiner Ausbildung, den der Interaktionen und einige klinische Details angeht zu beherrschen brauchte. Er ist zum überqualifizierten Verkäufer in einem Gemischtwarenladen zwischen Tempos, Tampons, Parfum, Schüsslerquark und Beliebigkeiten geworden, legitimiert durch die gesetzlich bewachte Nische der Fertigarzneimittel.

    Ich finde den verbindlichen Schluss von Ihnen ja sehr nett Masswear. Apotheker und Ärzte sollten sich nicht bekriegen und es ginge um den Patienten.
    Ich betreibe keinen Krieg. Ich kritisiere den anachronistischen Status Quo und mache Gegenvorschläge. Gerade wegen des Patienten.
    Dabei geht es ja in diesem Diskurs um das Thema der Legitimität des gesamten Berufsstandes bei von mir behaupteter Redundanz, unzeitgemässer und insuffizienter Kontrollleistung und zur Verschlankung eines teuren Systems.
    Da kann ich leider nicht beipflichten, dass die Position des Apothekers gesichert neben der des Arztes verbleibt. Früher war das so. Da hatte auch der Pfarrer noch mitzureden. Ich sage, es ist nicht zu Lasten des Patienten, wenn die Menschen, die ihn betreuen besser medizinisch qualifiziert sind als die Scheuklappen-Arzneimittelfachpersonen, die jede Hauterkrankung mit wertloser aber kostenpflichtiger weisser Salbe behandeln um dann dazu zu sagen: “gehen Sie unbedingt noch zum Arzt!“
    Dass Apotheker die Behandlung validieren und die ärztliche Beratung nacharbeiten, ist ungenau bei insuffizienter Datenlage und bei antiquierter Analogstruktur nicht mehr zeitgemäss und für den Patienten potentiell auch verwirrend, wie ich oben ausgeführt habe.
    Die Logistik ist keine Apothekerinsel sondern normales shop keeping.
    Jeder der Schritte ist notwendig, das stimmt aber nicht in der bisherigen mittelalterlich zunftmässigen Privilegienstruktur. Es braucht nicht die Apotheker für 5% des Therapieauftrages. Die Ärzteschaft vermag das mit ein wenig moderner pharmakologischer Hilfe ganz ohne die Apotheker zu leisten. Es geht um den Patienten. Nicht um den Erhalt alter Zöpfe.
    Das Problem der Apotheker ist halt, dass sie die letzten 200 Jahre, in der die Pharmakologie und die Medizin gewaltige und fleissige Arbeit geleistet haben, nur in ihren kleinen Verkaufstätten sassen und bissig ihre Verkaufspriviliegien verteidigt haben. Es ging ihnen immer nur um den merkantilen Teil. Die Pharmakologie haben sie bis auf die paar Salben vergessen.
    Die gut ausgebildeten Apothekenhelferinnen können fast alles im Tagesgeschäft, was die privilegierten Apotheker auch können. Ihre Helferinnen wissen das sehr genau. Sie würden es aber nie sagen, weil sie nicht so frech sind wie Dr.Offenraus. Und weil sie Angst um ihren Job haben.
    Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Ein paar Jahrzehnte hält das Bollwerk schon noch. Aber es wird geschleift!

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    1. Dr.Offenraus, ich kann ihre „schlechte Nachricht“ nicht vernünftig angreifen, weil Sie offenbar schlichtweg keine Ahnung davon haben, was ausserhalb Ihres Gärtleins läuft. Kann ich aber verstehen, Sie müssen sich ja schliesslich rund um die Uhr um Ihre Schäfchen kümmern. Schon erstaunlich, wie Sie latent verhalten (oder auch völlig offen) gegen die Kirche wettern, und gleichzeitig ein fanatischer Anhänger Ihrer eigenen Religion mit dem Gott namens „Arzt“ sind. Ich verstehe sehr gut, dass ich Bimed nicht auf weitere Diskussionen einlassen will – mit Fanatikern kann man nicht vernünftig diskutieren. Sie verstehen keine Argumente, die nicht Ihre eigenen sind und werden auch nicht darauf eingehen.

      Es ist klar, dass Verbesserungen notwendig sind. Man kann immer etwas verbessern. Die Abschaffung eines etablierten Systems und der Ersatz durch ein gleichwertiges, wenn nicht sogar identisches System, wie von Ihnen vorgeschlagen, ist aber so sinnlos wie der Austausch eines gleichwertigen Generikums, um 2 Cent zu sparen.

      Weshalb sollte die Medikamentenabgabe durch den Arzt von einem aufwändigen und teuren bürokratischen System kontrolliert werden, das der individuellen Therapiesituation keine Rechnung trägt, wenn der Apotheker gleichzeitig mit der Validierung der Verschreibung diese Kontrolle übernehmen kann?

      Sie kritisieren, dass der Apotheker zu wenig Informationen hat für eine vernünftige Rezeptkontrolle? Weshalb geben Sie ihm die Information nicht einfach? Den Therapieplan geben Sie dem Patienten mit, weshalb nicht auch eine Diagnoseliste und die Laborparameter? Als Apotheker kann ich diese Daten interpretieren, wenn ich sie habe. Es ist wesentlich sinnvoller, mit bestehenden Systemen und vorhandenen Informationen zu arbeiten, als ein komplett neues System zu erschaffen. Interaktionssoftware? Bereits seit Jahren Standard in der Apotheke. Das bringt aber nichts, wenn der Therapieplan nicht vollständig ist, der Patient nich OTC-Medikamente kauft und man die generierten Daten nicht interpretieren kann. Bestes Beispiel ist die von Ihnen angeführte Interaktion, die von jedem Interaktionsprogramm als kontraindiziert angezeigt wird. Die Interaktion z.B. mit Brivudin beruht auf der Hemmung des Abbaus von Fluorouracil, was zu einer erhöhten Toxizität führen kann. In der Konstellation Brivudin Verrumal ist sie aber völlig irrelevant. Grund: Das Fluorouracil in Verrumal wird bei topischer Applikation praktisch überhaupt nicht resorbiert – laut Hersteller nur zu 0.5%. Für eine durchschnittliche Warze wird vielleicht 1 Quadratzentimeter Haut behandelt – das entspricht einer Menge von 0.04 mg Fluorouracil, von dem nur 0.5% resorbiert werden: 0.0002 mg erreichen die systemische Zirkulation. Das entspricht einer Dosis von 0.00003 mg/kg KG bei einer 60 kg schweren Person. Systemische Intoxikationen treten bei einer Dosis von 15 mg/kg KG auf. Also bei einer 450’000-mal höheren Dosis. Der Abbau kann doch so gehemmt sein, Fluorouracil aus Verrumal wird bei korrekter Anwendung nie soweit Akkumulieren, als dass toxische Effekte möglich werden könnten. Sie beweisen gerade selber, dass Sie nicht in der Lage sind, die Arbeit des Apothekers zu übernehmen. Also geben Sie sich einen Ruck und arbeiten Sie mit uns zusammen, anstatt grundlose Hasspredigten loszulassen.

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      1. .
        Ach Masswear, wie so denn schon wieder diese unnötige Aggression. Ich bin kein Fanatiker. Ich sage ganz offenraus was ich weiss. Das erzeugt Widerspruch und das ist ok aber deswegen bin ich kein fanatischer Anhänger der Religion mit den Arzt als Gott. Das ist ja so ein simpler Allgemeinplatz. Ich bin kein Halbgott in Weiss, ich trage nicht mal den weissen Kittel in der Praxis und nur, weil ich Ihren Berufsstand zu 90% in der Produktion der Pharmaka und nur zu 10% in den nötigen Spezialapotheken sehen will, halte ich mich doch selbst nicht für überlegen. Sie hatten vorher sachlicher argumentiert. Ich „wettere“ hier auch nicht gegen die Kirchen. Ich nehme sie als Beispiel verkrusteter erkenntnisfeindlicher Institutionen.
        Ich bin auf alle Ihre Argumente detailliert eingegangen, wenn Sie mich mit der Behauptung des Fanatismus Ihrer Beachtung nicht für Wert halten, dann ist der Diskurs eben vorbei. Das ändert nichts an den Fakten.
        Sie schlagen vor, dem Apotheker Mediplan und Labor zu geben. Ja und wie interpretieren Sie das Labor, wenn Sie die Grundkrankheit nicht kennen? Die Prognose der Erkrankung und diverse soziale Limitationen bestimmen oft die Therapie noch mehr als die reinen Laborwerte. Also gehört die Diagnoseliste dazu. Sie kommen auf dünnes Eis. Merken Sie das? Für Ihren Wunsch nach Laborwerten bedarf es immer mehr klinischer Kenntnisse. Sonst tun Sie das, was man Schmalspurmedizin nennt. Ein ganzer Mensch ist mehr als seine naturwissenschaftlichen Details. Eine gute Behandlung bezieht immer die menschlichen (sozialmedizinischen) Details mit ein und die können Sie in Ihrer nicht privaten Shop-Situation nicht besprechen.
        Ihre eigene Pharma-Anamnese haben Sie gut nachgewiesen mit der Zostex-Toxizitätsrechnung. Hier ist aber der Unterschied von Ihnen zu mir. Mir genügte es, von einem Aussendienstmitarbeiter von Zostex gehört zu haben, dass es bei diesem Medikament zu tödlichen Komplikationen bei Verrumal kommen KÖNNTE. Der biochemische Mechanismus ist mir gut nachvollziehbar. Und als Arzt würde ich NIE und nimmer das Leben eines Patienten auf das Vertrauen der richtigen Quantitätsrechnung bei so eine Kombination setzen, wenn ich mal so eine Geschichte gehört habe. Und der ist nun mal plausibel. Plausibilität ist die erste zu erfüllende Voraussetzung für eine ernsthafte Betrachtung von Wechselwirkungen. Die Diffusion des 5-FU durch die Haut kann durch Fieber, schussliges Auftragen, Nähe zur Schleimhaut und offenen Wunden, usw, usw um ein Vielfaches höher sein, als Sie das nach Ihrer Mathematik erwarten.
        Als Arzt handle ich viel lieber nach „nil nocere“. Das oberste Gebot ist es, dem Patienten nicht zu schaden. Es gibt schliesslich Aciclovir, dass dem Zostex nicht unterlegen ist und niemals diese Probleme schafft. Wenn Sie als Apotheker ein plausibles letales Risiko bei einem Patienten eingehen, weil Sie von Ihrer eigenen Interaktionsrechnung so begeistert sind, dann ist das doch kritikwürdig.
        In diesem Zusammenhang zitiere ich ihre abschliessende Äusserung zum Zostex-Verrumal:
        Sie beweisen gerade selber, dass Sie nicht in der Lage sind, die Arbeit des Apothekers zu übernehmen. Also geben Sie sich einen Ruck und arbeiten Sie mit uns zusammen, anstatt grundlose Hasspredigten loszulassen.
        Ich habe gezeigt, dass ich manchmal nicht rechne, wenn es um ernsthafte Sicherheitsrisiken geht. Lieber die Finger weg. Da überzeugen mich Ihre „beruhigenden Rechnungen“ nicht. Es geht um MENSCHEN.
        Ich lasse keine Hasspredigten los, merken Sie das nicht? Ich bin anderer Meinung als Sie.
        Und ich arbeite im Alltag gut mit Ihresgleichen zusammen. Das tu ich aber auch mit den Pfarrern. Obwohl da einige dabei sind, die meine Arbeit durch ihren verkrusteten Wertekanon erschweren.
        Ich brauche keinen Ruck zum Status Quo. Ich sage Ihnen nur, dass Sie ein unnötiger Kostenpunkt im System sind. Den preiswerten Ersatz Ihrer Position und die Notwendigkeit Ihrer gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen habe ich im Post zu Bimedmma von heute genauer erklärt. Geben Sie sich einen Ruck und werden Sie wieder sachlich. Fanatiker, das habe ich schon lange nicht mehr über mich gehört. Putzig.

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    2. Hm…. nur mal so als dumme Frage von der Seitenlinie aus: Würde ein echter Arzt nicht wissen, dass es nicht „out idem“, sondern „aut idem“ heißt? Das kann auch kein Tippfehler sein, da es sich ja durchgängig in falscher Schreibweise durch alle Ihre Kommentare zieht, Dr. Offenraus…

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      1. Zu viel englische Literatur und kein kleines Latrinum, Sie toller Detektiv. Ich bin Internist und arbeite als Hausarzt.

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        1. Nun, als Hausarzt sollten Sie aber doch täglich so einige Rezepte ausstellen und dabei doch auf jedem einzelnen Rezept die richtige Schreibweise vor Augen haben.
          Und als Hausarzt sollten Sie eigentlich auch genau wissen, wie die Sache mit den Rabattverträgen tatsächlich abläuft.

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    3. „Die Medikamentenliste […] des Arztes gehört durch ein EDV-Interaktionsprogramm geschoben. Das ist Ihren Kenntnissen überlegen und denen Ihrer Helferin schon gleich zweimal.“

      Entschuldigung für die Enttäuschung, aber das Zusammenführen von vielfach verteilten Daten in einer jeweils aktuellen Datenbank dieses potentiellen Superprogramms funktioniert aus diversen Gründen in der Realität nie wirklich so gut wie hier postuliert. Ein ausgebildeter Kopf kann jedoch sowohl Lücken als auch Blödsinn mit Unterstützung solch einer Datenbank erkennen.

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  10. @Dr. Offenraus:
    ihre Patientin erzählt ihnen auch jederzeit von sich aus, welche Medikamente sie sonst noch nimmt, welche Krankheiten jemals diagnostiziert wurden etc.?
    Selbst mündige, erfahrene Patienten vergessen mal, von sich aus eine entsprechende Info zu geben.
    In der Schweiz führt die Apotheke zwingend ein Dossier über die auf Rezept abgegebenen Medikamente.
    Ich habe Morbus Basedow. Und einen leichten „Heuhusten“, also Pollenallergie, die sich nur durch Reizhusten zeigt. Beim Arzt (Selbstdispensations-Kanton) habe ich das erwähnt und gesagt, dass ich früher ein Präparat zum Inhalieren benutzt habe, das rasch geholfen hat. Also hat er mir solch ein Präparat in die Hand gedrückt.
    Nur… mein „früher“ bezog sich auf eine Zeit vor der Diagnose des M. Basedow. Und im Beipackzettel fand ich „bei Schilddrüsenüberfunktion nur nach Rücksprache …“
    Hätte ich ein Rezept erhalten und wäre damit in meine Apotheke gegangen, hätte der Apotheker das bemerkt. So war eine nagelneuer Turbohaler Müll, weil der Arzt (verständlicherweise) nicht nachgefragt hat, da ich ja das Medikament laut meiner Aussage schon komplikationsfrei verwendet hatte. Und ich hatte den „Zeitstrahl“ nicht im Kopf.
    Hier ist der Verlust relativ gering und noch nicht mal auf Kosten des Steuerzahlers, weil ich meine Franchise seit Jahren nicht überschritten habe.
    Aber ich bin ja kein Einzelfall. Und ich schäme mich nicht dieser Krankheit. Aber ich kenne ältere Personen, die ihren Hausarzt nicht über „Spezialerkrankungen“ informieren („das interessiert den doch gar nicht/das ist mir peinlich“) und umgekehrt die Fachärzte nicht über Erkältungsmittel, die sie einnehmen („das ist ja keine richtige Medizin“).
    Und noch abschliessend: sollen Ihrer Meinung nach Ärzte in Zukunft sowohl Medizin als auch Pharmakologie studieren?

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  11. Was ich hier interessant finde: Immer wieder ist SD bei Dir ein Thema, diese lehnst Du ab, weil die zweite Kontrollinstanz fehlt und das wirtschaftliche Denken die Abgabe beeinflussen könnte. Gleichzeitig findest Du es aber gut, dass gemäss Entwurf des neuen Heilmittelgesetzes Apotheken zukünftig rezeptpflichtige Medikamente abgeben dürfen, ohne dass ein Arzt ein entsprechendes Rezept ausstellt? Ist das nicht etwas inkonsequent? Denn genau die von Dir kritisierten Punkte der SD treten dabei ja umgekehrt in der Apotheke auf.

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    1. Ja und nein. Wenn das so kommt mit dem neuen Heilmittelgesetz, wie ich denke, dann werden wir praktisch die Fortführung der Therapie machen, die der Arzt (im Idealfall zusammen mit dem Apotheker) eingeleitet hat. Er Diagnostiziert, entscheidet (zusammen mit dem Apotheker) über die beste Medikation und der Apotheker macht danach die Kontrolle der Einnahme und die Kontrolle der Wirkung (Blutdruckmessen, Blutzuckermessen) etc. Der Apotheker dürfte dann die Medikamente auch weiter abgeben (so ähnlich, wie bisher auf Dauerrezept) und macht eventuelle Anpassungen zusammen mit dem Arzt.

      Die zweite Möglichkeit ist, dass man verschiedene (einfachere) einzelne Gesundheitsprobleme „frei gibt“ – analog wie bei der Abgabe der Pille danach. Dann erfolgt die Abgabe eines rezeptpflichtigen Medikamentes nach (zwingender) Abklärung und Beratung durch die Apothekerin gemäss Vorgaben. Das halte ich für einzelne Dinge, wie zum Beispiel Antibiotikum bei unkomplizierter Blasenentzündung (zum Beispiel bei Frauen zwischen 18 und 45 um hier Mal eine mögliche Vorgabe zu nennen) für durchaus machbar. Obwohl ich hier als Apothekerin kaum jemanden zwingen kann das zu „haben“ oder sie abhalten würde, das auch vom Arzt ansehen zu lassen (ja, ich würde sie für komplizierteres oder Unsicherheiten selber zum Arzt weiterschicken) … Das könnte man als Konkurrenz zum Arzt ansehen, ja … oder aber als Erweiterung des Angebotes und Entlastung der Spitäler, Notfallstationen und der immer seltener werdenden Hausärzte. Eine „Dienstleistung am Patienten“, wie die SD Ärzte, ja gerne die eigene Medikamentenabgabe auch propagieren.
      Vielleicht ist das inkonsequent von mir, aber … auch in Nicht SD Staaten kann man teils Antibiotika ohne Rezept erwerben, was (meiner Meinung nach) ohne richtige Kontrolle und Beratung durch eine Medizinalperson (in dem Fall die Apothekerin) gefährlich und unsinnig ist. Aber halt eine Sache der Gesetzgebung und des Gesundheitssystems, das in verschiedenen Ländern nun mal unterschiedlich ist.

      Ich bin gespannt, was kommt.

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      1. Oh und zur Verdeutlichung: das Kernwort hier ist „einzelne“ – das wäre dann immer noch die Ausnahme zur Regel und nicht wie beim SD Arzt, wo die Ausnahme zur Regel wird und er alle Medikamente verkauft (und nur für die, die nicht rentieren und die, die er nicht hat weiterreicht).

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  12. Herr Offenraus, ich möchte die Konversation nicht einfach so abbrechen, sonst denken Sie noch, Sie hätten durch Ihre klugen Argumente überzeugt. Haben Sie nicht. Aber Sie haben recht: Ich halte Sie des Diskurses nicht für würdig. Dass Sie sich nicht als Fanatiker ansehen, ist keine Überraschung. Mit Ihrer rechtfertigenden Behauptung, Sie hielten sich nicht für überlegen, lügen Sie sich doch vor allem selbst etwas vor (von wegen: Der Arzt sei das „Original“). Wenn Sie sich nicht für überlegen hielten, wären Ihre Äusserungen allesamt überflüssig. Dann könnten nämlich Sie Ihren Job machen und wir unseren. Sie behaupten aber, dass Sie den Job des Apothekers besser selber erledigen könnten. Sie sehen sich also dem Apotheker gegenüber als überlegen. Ich könnte jetzt schreiben, dass ich oben in der Eile die Diagnoseliste vergessen habe. Natürlich ist diese zentral bei der Beurteilung des Therapieplans. Ich könnte erklären, dass ich als klinischer Apotheker im Spital arbeite und bei jeder Patientenvisite dem Arzt durchschnittlich 10 Möglichkeiten zur Therapieoptimierung vorschlage, die immer dankbar angenommen werden. Wenn ich Ihnen aufzeige, dass die Resultate der Interaktionsprüfung des Computers nur die Wirkstoffe, aber nicht die galenische Form, den Applikationsweg oder die Pharmakokinetik berücksichtigt, können Sie das nicht annehmen. Weil Sie es nicht verstehen? Sie glauben lieber dem Pharmavertreter, der Ihnen alles erzählt, was die Juristen der Firma als potentielles Risiko für eine Klage finden konnten. Sie teilen zwar grosszügig aus, jammern aber gleichzeitig von Aggression, wenn Ihnen jemand widerspricht.

    Sie schreiben, Sie sagen nur was Sie wissen: Offenbar ist das eben nicht wirklich viel, bzw. beruht grösstenteils auf längst überholten Tatsachen. Nicht der Apotheker ist antiquitiert, sondern Sie. Das Traurige dabei ist: Durch Ihre Ignoranz ersticken Sie jede sinnvolle Weiterentwicklung des Gesundheitsystems im Keim. Das ist schade, aber nicht weiter tragisch. Denn zum Glück werden Exponate wie Sie irgendwann von der Gegenwart eingeholt, und die beinhaltet zu Ihrem Pech nicht die ineffiziente Vereinigung aller Gesundheitskompetenzen beim Arzt, der seine Heerschar von „Helferinnen“ dirigiert. Dann würden wir nämlich noch immer mit Arsen und Quecksilber behandeln… Viel Glück!

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  13. Masswear, es ist leider der Tod jeder Kommunikation, den Gegenüber als „unwürdig“ zu bezeichnen.
    Es erinnert mich an die Attitüde von Don Quijote, der sich von seiner Rosinante nach unten neigt um Sancho Panza zu massregeln. Sie haben sich ja schon des Konditionals bedient um das nasale Adieu zu flöten.

    Konkret: Überlegenheit. Das IST NICHT mein Thema, Sie missverstehen meine Kritik am Status quo als „eminenzbasierte Medizin“. Es geht mir um den Unsinn, einen für die Herstellung von komplexen Medikamenten ausgebildeten Pharmakologen von 90% seiner universitär erlernten Kompetenzen zu lösen und ihn in einem Gemischtwarenladen aus komplizierten Medikamenten, esoterischem Klimbim und Tempotüchern einzusetzen, in dem er bei unvollständiger Datenlage möglicherweise gefährliche Krankheitsbilder bei seiner Pseudotriage falsch einschätzt.

    Überlegen ist der Arzt nur diesem überqualifizierten shop keeper in der Patientenbehandlung. Und NUR da. Dem klinischen Pharmakologen, wie Ihnen, der im Kollegenzirkel im Krankenhaus (oder Spital, wie Sie das nennen) mit allen Informationen zur Hand im Team entscheidet, dem ist der Arzt natürlich nicht überlegen. Das ist auch gar nicht der Begriff, der hier gesucht werden sollte. Klinische Pharmakologen sind Teamplayer und leider nur in grossen Kliniken zu bekommen. Sind Sie ein Teamplayer? (Ich vermute, dass Sie bei Ihrer akademischen Polemik in diesem Blog von Ihren Kollegen und den Schwestern nach der Visite als „scharfer Hund“ tituliert werden, was Ihnen ein süffisantes Lächeln abnötigt? Sorry das war nicht hilfreich aber auch mal nötig).

    Die Apotheke ist in der Entwicklung zur Pseudoarztpraxis begriffen, wenn sie Blutdruckmedikamente in Eigenregie abgeben soll und den Patienten vor aller Augen „berät“.
    DEM gegenüber ist der Arzt ganz selbstverständlich überlegen. Nicht im Sinne von Arroganz, wie Sie das mir unterstellen möchten, sondern im Sinn von Ausbildung, Strukturqualität und kontinuierlichem Training.
    Apotheken versuchen verzweifelt immer mehr an hausärztlicher Tätigkeit an sich zu ziehen um die Fehlqualifikation ihres Studiums für die verantwortungsvolle Patientenbetreuung vergessen zu machen. Sechs Jahre Medizinstudium, das zielgerichtet und qualifiziert einem Patienten Sicherheit bieten soll, können Sie nicht in adäquater Weise in einem öffentlichen Geschäftsraum ohne Blutentnahme, körperliche Untersuchung etc. anbieten.
    Nichts an Ihrer Arbeit in der Klinik finde ich fragwürdig aber Alles an der Arzt-Mimikri in der Apotheke. Ich will die Apotheken nicht ersatzlos streichen, sondern die Apotheker. Wenn der Hausärztemangel in Deutschland so weiter geht, könnte ich mir gut vorstellen die Apotheken, die dann in der Arztpraxis vorgehalten werden sollten von einem nicht akademischen Beruf führen zu lassen, der aus der Ausbildung der Apothekenhelferin hervorgehen sollte oder aus anderen vergleichbaren Berufen. Die Amerikaner haben da etwas Gutes entwickelt. Ich kenne das, weil ich auch in der American Army in „Aschebersch“ bei FfM mitgearbeitet hatte. Dort gab es den PA (Physician`s Assistant). Der beherrschte damals schon die Triage. Eine Triage, die Bimedmma behauptet leisten zu können aber nicht leisten kann. Der PA durfte selbständig Blut abnehmen und konnte es auch. Der untersuchte seine Patienten korrekt und der hatte einen vor neugierigen Blicken geschützten Behandlungsraum in dem keine Schüsslersalze, Kosmetika und Windeln verkauft wurden. Ich würde diese Leute aus den Geldern, der nicht mehr rekrutierbaren, weil einfach fehlenden deutschen Hausärzte bezahlen. Wenn diese PA aus guten Apothekenhelferinnen hervorgingen, wäre deren kooperative Betreuung durch den Hausarzt und den On-line Pharmakologen raum- und zeitnah zu leisten. DAS SIND Alternativen, Masswear. Sie suchen gar keine. Sie haben nur den Apothekerberuf bissig verteidigt, mit Argumenten, die für Ihren jetzigen Beruf, den des klinischen Pharmakologen schlüssig sind. Diesen Beruf schätze ich jedoch und hätte ihn ja gerne online für uns Hausärzte zur Verfügung. Apotheken gehören zum Behandler, wie das Ersatzteillager zur Autovertragswerkstatt. Die Trennung von Therapeut und Behandlungsmittel ist nach deren industriehistorisch bedingtem Zweckverlust nur zur Besitzstandssicherung der Apotheker, deren Vater Apotheker war, entstanden. Sie machen aber hier alle keine Alternativvorschläge, weil das outcome jeder Reflexion schon feststeht: „Den Apotheker mit seinem Laden braucht es IMMER!“ Egal ob es was Besseres gäbe. Da sind wir wieder bei den Theologen, die ich schon mal als Beispiel für Unwissenschaftlichkeit erwähnte.

    Die Rosinante, auf der Sie sitzen ist die Apotheke. Als klinischem Pharmakologen sage ich Ihnen, „Steigen Sie um auf Segway“. Rosinante stirbt, weil der Reiter in die Wüste trottet. Auch die Reanimationsversuche mit Arztpraxis-Dekorationen in den unpassenden Apothekenräumen kurieren Ross und Reiter nicht nicht mehr.

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    1. Je mehr ich lese … desto mehr bin ich der Überzeugung: Das hier ist die Einstellung eines SD- Arztes. Das hier ist genau der Grund, weshalb in den SD Kantonen die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker nicht mehr funktioniert. Man sieht gut, von welcher Seite das ausgeht. Statt Zusammenarbeit wird man zur Konkurrenz. Argumente kommen hier zu spät.
      Und ich meine das nicht mal übertragen: Herr Ofenaus kommt seiner IP Adresse und Provider nach aus der Schweiz. Aus einem klassischen SD Kanton, der den Apothekern wirklich nur noch die Lückenbüsser-funktion überlässt – mit allen negativen Konsequenzen für die Bevölkerung, so wie der Aufgabe der Notfallapotheke. Aber offenbar reicht ihm das noch nicht.
      (Nachtrag: etwas angepasst – ich muss ihn ja nicht gleich ganz outen)

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      1. Mein Hausarzt kann es nicht sein. Bei meinem liegen lauter Traktätli im Wartezimmer *g*.
        Bei Herrn Offenraus sind in 5 Jahren 7 Blogeinträge entstanden, und alle sind Bashing – gegen Apotheker, gegen die Kirche… muss ein trauriges Leben sein.

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  14. @Dr. Offenraus:
    Erlauben Sie mir, ebenso „offen heraus“ zu sein, wie Ihr Nickname es impliziert?

    Ich bin weder Ärztin noch Apothekerin, sondern arbeite in einem völlig anderen, nichtmedizinischen Beruf. Nie im Leben möchte ich jedoch an einen so arroganten, besserwisserischen Arzt geraten, der meint, er habe die Weisheit mit Löffeln gefressen, und der einem das Gefühl gibt, alle anderen (ja, auch die Apothekerinnen) seinen weniger gebildet als er selber. Denn genau so kommen Ihre Statements rüber.

    Ich habe hier an meinem Arbeitsort eine ganz tolle Apotheke, bei der ich seit mittlerweile 15 Jahren Kundin bin. Glauben Sie mir, die kennen mich dort besser, als mich jeder Arzt kennen würde. Meine Krankengeschichte ist dort gespeichert – im Softwaresystem ebenso wie in de Köpfen der tollen Damen und Herren, die mich dort seit Jahren bedienen. In der Apotheke bekomme ich sehr einfühlsame, alltagstaugliche und wirklich nützliche Tipps. Und dank meiner Apotheke muss ich nicht ständig zum Arzt rennen. Die Apotheke ist „meine Gesundheitszentrale“, die alles über mich und meine Krankengeschichte weiss und mich aufklärt, wenn es irgendwo Konflikte gibt zwischen Medis von verschiedenen Ärzten. Ich habe auch tolle Ärzte, und die braucht es auch, aber dennoch fühle ich mich in „meiner“ Apotheke bestens aufgehoben.

    Es ist schlicht nicht nötig, dass Ärzte auch selbst Medikamente verkaufen. Ich (und sicher auch das Gesundheitswesen als Ganzes) habe KEIN Interesse daran, meine Medikamente von der gleichen Person verschrieben zu bekommen, die sie mir dann auch verkauft (Stichwort: Interessenkonflikt/Kostenfrage/Generika!).

    Ihre Vorwürfe und Ihren Rundumschlag gegenüber Apothekern werte ich als Frechheit und Affront gegenüber den Apothekern, insbesondere gegenüber Bimed, der man ja nun wirklich nicht Subjektivität und Kurzsichtigkeit vorwerfen kann.

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    1. Och – und dabei habe ich gerade einen neuen Artikel fertig über die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern …

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