Bin ich Amoralisch?

Mittel-alter Mann (Nein, nicht Mann aus dem Mittelalter, nur: in mittlerem Alter) in der Apotheke an einem langsamen Mittwoch-Nachmittag: „Verkaufen Sie auch Spritzen und Nadeln?“

Bimed: „Ja, was brauchen sie denn?“

Mann (überlegt): „2 Milliliter Spritzen und rosa Nadeln.“

Bimed: „Habe ich. Wieviele?“

Mann (zwiefelnd): „Je … Zwanzig?“

Ich zeige sie ihm. Er kauft sie.

Nach dem Kauf, bevor er geht, zögert er, dann: „Kann ich Sie was fragen?“

Bimed: „Natürlich?“

Mann: „Ich war gerade in der Stadt-Apotheke. Die wollten mir die Spritzen und Nadeln nicht geben. Ich habe ein Rezept dort – der Apotheker könnte also wissen wofür es ist, trotzdem wollte er sie mir nicht geben. Als ich ihn gefragt habe, wieso, meinte er, er wüsste ja nicht, für was ich das brauchen würde. Ich könnte das ja auch für Drogen brauchen und das würde er nicht unterstützen.“

Bimed: „Ja?“ (WO bleibt die Frage?)

Mann: „Aber Sie verkaufen sie mir, ohne zu fragen.“

Bimed: „Ja.“

Mann: „Wieso machen Sie das und er nicht?“

Bimed: „Ich habe früher in einer Apotheke gearbeitet, die ziemlich im Drogenmilieu gelegen ist. Und von daher bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass es das kleinere Übel ist, wenn ich Spritzen und Nadeln verkaufe – dann stecken sich die Drogensüchtigen wenigstens nicht mit irgendetwas an, oder bekommen Abszesse, weil sie das Zeug wiederverwenden. Also … Ja, ich verkaufe es auch, wenn ich den Verdacht habe, dass es für Drogen verwendet wird.“

Mann: „Denken Sie dass ich es dafür brauche?“

Bimed: „Sie? … Ich glaube nicht. Aber, wie gesagt, das ist für mich auch nicht ausschlaggebend. Aber – es gibt natürlich auch Apotheker, die es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren wollen, sozusagen Missbrauch zu unterstützen.“

Mann: „Ah.“

Irgendwo finde ich das auch etwas … Zwittermässig. Wir verkaufen ja auch Flash Packs – und das ist ganz eindeutig für den Drogengebrauch. Geben das die Apotheken denn auch nicht ab? Oder gilt das nur für einzelne Spritzen und Nadeln?

Übrigens: der nett fragende Herr brauchte das Material wirklich nicht für Drogen. Rosa Nadeln wären auch .. etwas riesig dafür. Braune oder Orange werden da eher verlangt. Er brauchte es um eine definierte Menge Flüssigkeit zum Inhalieren aus Ampullen zu entnehmen.

48 Antworten auf „Bin ich Amoralisch?

  1. Der Verkauf von Kanülen und Spritzen an Drogenabhängige ist absolut gerechtfertigt.

    Nur so kann man verhindern, dass die Leute sich die Nadeln teilen und sich mit Krankheiten wie AIDS oder Hepatitis anstecken.
    Die größere Hürde ist ohnehin die Anschaffung des Rauschmittels.

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  2. Ich denke, dass manche Apotheker sich weniger aus moralischen Gründen weigern, Spritzen zu verkaufen, als um zu verhindern, dass das entsprechende Klientel ihr Geschäft aufsucht.

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    1. Das wiederum ist amoralisch.

      Unsere Apotheke hatte auch mehrere Stammkunden, die streng rochen oder anderweitig unangenehm auf ihre Umgebung wirkten.

      Trotzdem wurden sie mit der gleichen Freundlichkeit behandelt, wie alle anderen.

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      1. Es kommt ein wenig darauf an, wie die Apotheke liegt. „Meine“ Apotheke war in direkter Bahnhofsnähe, 100 m von dem grössten Junkietreffpunkt. Wir haben auch Spritzen verkauft, aber nur im Zehnerpack, nicht einzeln.
        Das war gewissermaßen die pragmatische Kompromißlösung. Gerade in Bahnhofsnähe ist der Anteil an leider sehr stark von der Sucht gezeichneten Menschen sehr hoch. Das ist nicht gut für das Geschäft und der Einzelverkauf von Pfennigartikeln (ja, damals war noch DM) bindet Personal, wenn dann auch noch über den Preis gefeilscht wird.
        Mein Chef hat aber die in der Nachbarschaft gelegene Aidshilfe sehr gut unterstützt mit Verbandsmaterial, Spritzen usw., so dass ich mit dieser Lösung moralisch sehr gut leben konnte.

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    2. Das ist gut möglich – aber, wie brunokiste, bin ich der Meinung, dass das auch nicht wirklich moralisch ist. Wenn man damit anfängt, wo hört man auf? Bei den schlecht-riechenden älteren Frauen? Bei den Ausländern?
      Ich bin nicht der Meinung, man muss sich alles gefallen lassen als Verkäufer / Apotheker, aber Kunden, die einen anständig behandeln haben ein Recht darauf (mindestens) gleich anständig behandelt zu werden. Egal wer oder was sie sonst noch sind.

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  3. Manche Apotheker sitzen halt auf einem derartig hohen moralischen Ross, dass sie nichtmal Substitutionsrezepte beliefern (möchten).
    Aber letztlich stellen die Heilberufe ja auch nur einen Querschnitt durch die Normalbevölkerung dar und Deppen gibts überall.

    Ich finde es gut, dass ihr bei euch saubere Spritzen und Kanülen abgebt. Die neueren Modelle haben ja auch einen Schutzmechanismus, der gut verhindern kann, dass man sich an einer verwendeten Spritze piekst.

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    1. Ich möchte auch keine Substitutionsrezepte beliefern. Und zum Glück habe ich derzeit auch keine. Was nicht heißt, dass ich es nicht machen werde, ich will bloß nicht. (Das ist wie mit meiner Steuererklärung – ich will die nicht machen, mache sie aber trotzdem jedes Jahr.)
      Das liegt nicht daran, dass ich auf einem hohen Ross sitze – Gott bewahre. Ich habe mir auch schon gedanken gemacht, was wäre wenn… …ich abrutschen und alles verlieren würde… und ich hätte wohl schon das Potential zumindest zu einem Alkoholiker. Es liegt rein an dem (wirtschaftlichen und personellen) Aufwand, den so eine Substionsbehandlung mit sich bringt, und der in keinem Verhältnis zum (wirtschaftlichen) Gewinn für mich steht. Mit anderen Worten: Bei dieser Therapie schmeiße ich Geld auf den Gehweg. Und ich weiß, wovon ich rede, denn ich hatte einmal ein 7-Tage-Substitutionsrezept, und die Abgabe des gesamten Rezepts hat den Einkaufspreis der (inzwischen verfallenen) Methadon-Rezeptursubstanz nicht reingebracht (von den Arbeitskosten und Personalaufwandt ganz zu schweigen).

      Doch hohes Ross? Ich bin nun einmal auch Kaufmann, und ein Geschäft, bei dem ich Geld oben drauf lege, bringt mich kaum voran.

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      1. Naja, gk.. mit dem Preisargument kannst du auch einen Großteil der üblichen Rezepturen ablehnen.
        Letztlich zahlt man doch bei jeder Rezeptur drauf, die nicht gerade aus ‚Nimm 2 FAM-Cremes, füge x mg Corticoid/Antibiotikum bei und guck dem Topitec zu‘ besteht.

        Was nicht heißt, dass dieser Missstand so bleiben darf. Genauso wie der unrentable Nachtdienst… wenn die Standvertreter sich wenigstens mal auf ein Konzept einigen würden.

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        1. Schon korrekt, bzw. nicht korrekt, wenn ich den Kontrahierungszwang berücksichtige. Aber bei den „normalen“ Rezepturen habe ich „nur“ den Verlust (den ich an anderer Stelle schon erwähnt habe). Bei dem BtM-Rezepturen habe ich zusätzlich noch den BtM-Ärger.

          Das Nachtdienstkonzept steht übrigens im großen und ganzen. Aber unsere Politiker erfinden immer wieder eine neue Ausrede, warum das gerade jetzt nicht geht. Zuerst konnte man das nict umsetzen, weil die Verteilung unklar war. Nun scheitert man an der Zustimmung der SPD im Bundesrat. Demnächst sind es dann verfassungsrechtliche Bedenken (denn die Menschenwürde gemäß Verfassung reicht natürlich nicht bis zu sauberen Lohn für saubere Arbeit). ;-)

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  4. Ich war selber schon in der Situation, dass ich dicke Kanülen und Spritzen brauchte (btw um Tapetenkleister unter sich ablösende Tapete zu spritzen) und hatte einen riesen Bammel, auf einen Apotheker zu stoßen, der doofe Fragen stellt. Wollte schon fast im Internet bestellen, aber dort bekommt man sie leider nur im Großpack. Habe mich dann doch getraut und gefragt und es gab keine doofen Fragen.
    Grundsätzlich würde ich, wenn ich Apothekerin wäre, lieber Spritzen und Kanülen abgeben, als dass ein echter Abhängiger mit dreckigen und stumpfen Nadeln rum hantiert und sich dadurch noch zusätzlich Schlimmes zufügt. Und nur weil ein Apotheker Moralapostel spielt und eine zusätzliche Hürde erzeugt, wird es nicht besser.
    Also ich finde es richtig, dass du so gehandelt hast und ich bin froh, dass „mein“ Apotheker genauso gedacht hat.

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    1. Es gibt eine Menge Anwendungsarten für Spritzen, die nichts mit Drogen oder Missbrauch zu tun haben.
      Man braucht sie zum Basteln, Kochen, für Pflanzen, für Medizin.
      Ich persönlich finde es noch interessant zu hören, für was alles.

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      1. Als ich noch zur Schule ging, habe ich eine Zeit lang mit selbstgemischter violetter Tinte geschrieben. Dazu habe ich den Inhalt eines roten und eines blauen Tintenfasses zusammengeschüttet. Und die Spritze brauchte ich, um mein hübsches Gemisch in eine leere Füllerpatrone zu füllen. :)

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        1. Hmmm … Du hast das Rezept nicht zufällig einem Arzt vermacht, oder? Wir haben da nämlich einen, der seine Rezepte auch mit so einer vio Tinte schreibt.

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        2. Das Befüllen der Patrone geht leichter, wenn man statt der Kanüle eine schmale Eppendorf-Pipetten-Spitze nimmt (oder gleich eine komplette Eppendorf). Die Tine fließt einfach besser… (Ach ja, verklärte Erinnerungen an das Studium…)

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      2. Eignet sich hervorragend, um Speisefarbe in noch original verschlossene Milchtüten zu spritzen, durch die Falz vom Tetra-Pack (natürlich nur zu Hause).

        Das Gesicht desjenigen, der die Packung dann frisch öffnet und Milch mit einem leichten Grünstich vorfindet, ist Gold wert.
        Vor allem, wenn man selber dann auch noch ungerührt ein Glas davon trinkt. ;-)

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      3. Ich benutze neue, sterile Kanülen um Splitter aus der Haut zu holen, oder wenn ich mir eine Blase gelaufen habe den Druck darin zu verringern. Mit der Spitze kommt man viel angenehmer in die Haut als mit einer abgekochten Nähnadel, und wenn man die Haut um die Stelle ordentlich reinigt, kann man sich annähernd sicher sein, das man damit keine Keime hineingebracht hat.

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  5. Benzodiazepin-Dauerrezepte ausführen, aber keine sauberen Nadeln abgeben wollen… Bigotterie nenn ich sowas!

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  6. Finde auch, dass die, die keine Nadeln abgeben, auf einem ziemlich hohen Ross sitzen – als könnten sie damit irgendetwas ändern oder würden auch nur einen Menschen von den Drogen fernhalten….

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  7. In der innenstädtischen Apotheke, in der ich in der Oberstufe mein Praktikum gemacht hab, wurden auch keine Spritzen und Kanülen rausgegeben, nur in Verbindung mit nem rechtfertigendem Rezept.
    Damals fand ich die Begründung einleuchtend, heute bescheuert.
    Ist doch wirklich besser, den Abhängigen wenigstens steriles, unbenutztes „Werkzeug“ zur Verfügung zu stellen, als dass sie sich Kanülen mit anderen teilen und mehrfach verwenden, weil’s schwer ist dranzukommen. Nur weil es keine frischen Kanülen gibt, sind ja die Abhängigen nicht gleich clean. :roll:

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  8. Zu dem Thema habe ich unterschiedlichste Erfahrungen gemacht. Ich sortier die mal durch:

    [b]0)[/b] Lieber Spritzen und Nadeln verkaufen als noch mehr HIV- und HPV-Fälle im Krankenhaus.
    [b]1)[/b] Ich habe sowieso immer die falschen Spritzen und Nadeln vorrätig.
    [b]2)[/b] Wenn ich für eine einzelne Nadel 0,10€ verlange, bin ich ein Abzocker. Wenn ich den ganzen 100er-Karton für 3€ anbiete, bin ich erst recht ein Abzocker. Wenn ich den verfallenen Karton mit 99 Restnadeln wegschmeiße, bin ich ein Trottel.
    [b]3)[/b] Ein „Patient“ wollte immer 1x-Insulinspritzen haben – jedes mal einen 10-Pack, und die restlichen 90 aus dem Karton habe ich immer weggeschmissen. NEIN, habe ich keine Lust zu (siehe 2). Nen ganzen Karton verkaufe ich gerne zu einem realistischen Preis.
    [b]4)[/b] Ein sehr muskulöser junger Mann verlange mal eine „dicke, lange Nadel“ für sein Unterfangen. Auf die Frage, wie „dick und lang“ die sein solle, meinte er: „Möglichst dick und lang. Ich habe ja auch dicke Muskeln.“ Ich habe im schon was sinnvolles verkauft (für eine ölige Lösung), aber habe konnte es nicht unterlassen, anzumerken, dass ich – wenn ich eine lebensrettende Spritze bräuchte, und er der letzte Spritzenbesitzer weltweit wäre – lieber sterben würde, als mir bei seinem Fachwissen der Materie von Ihm eine Spritze setzen zu lassen. (Auf Worte wie „Vene“, „Artierie“, „Unterhautfettgewebe“ oder „intramuskuläre Injektion ohne Gefäßverletzung“ reagierte er mit desorientieren Blicken.)
    [b]5)[/b] Bastler haben immer mein Verständnis. Aber ich warne immer, dass Kanülen an Spritzen nur mit „Luer“ und ohne „Lock“ bei dickeren Flüssigkeiten ratz fatz zu Geschossen mutieren, die in der gegenüberliegenden Wand stecken bleiben, auch wenn diese aus Zigelstein ist. (Alles jugendliche Selbsterfahrung mit Modellbaufarbe…) Gerne arbeite ich auch an kreativen Vorschlägen, wie das Problem besser zu lösen sei (wenn mir denn einer einfällt)
    [b]6)[/b] Die ehrlich zu mir sind, wenn ich die „Wozu“-Frage stelle, haben viel mehr Chancen auf Erfolg als die, die mir das Blaue von Himmer erzählen (was ich zwar nicht immer, aber oft genug merke).

    [b]Zur Anwendung von Blasenspritzen:[/b] In die 50ml-Omnifix passen vom Durchmesser ziemlich gut 1€-Stücke, und in die 100ml passen 2€-Stücke. Damit habe ich mal eine „Finanzspritze“ für eine Hochzeit gebastelt, mit Umkarton (orientiert an Clexane) und Beipackzettel und allem. Aber schwer war das Geschenk zum Schluss….

    Bestimmt fallen mir in den nächsten paar Stunden noch ein paar Punkte ein, aber ich lasse es mal dabei bewenden…

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  9. Ich wollte neulich in der Apotheke gleich 100 (!) Spritzen erwerben – bis ich den Preis erfuhr. Meine Haus-und Hofapotheke berechnet nämlich pro Spritze 50 cent und 50 cent für eine Nadel. Das ist ja schon mehr als happig (besonders, wenn man mehr haben will)

    Das Rätsel löste sich, als die Chefin kam. Bei einer EINZEL-Abgabe mit Nadel wird ein Euro genommen, um, wie sie es formulierte, Drogenabhängige besonders nachts abzuhalten, für ein paar Cent immer e i n e Spritze inclusive Nadel zu holen.

    Bei einer größeren Abgabe betrug meine Packung sieben Euro. Supi!
    Aber ich habe geschluckt- denn diese Preispolitik war ganz klar dazu da, ein bestimmtes Klientel fernzuhalten. Und ich finde das nicht richtig. Es gibt zahllose Berufe, in denen einem Personen, mit denen man sonst nicht zu tun haben mag. Trotzdem mache ich dann noch meinen Job. Und zwar richtig.
    Und gerade ein Produkt, dass dazu dient, sich nicht anzustecken, künstlich zu verteuern…neee. das geht gar nicht

    Ich brauchte die Spritzen übrigens lediglich für meinen kleinen Mäuse – jedes flüssige Medikament wird in Spritzen abgefüllt. Und mit hundert Stück komme ich ein Jahr klar (wobei man erwähnen muss, dass die meisten gereinigten Spritzen in der Badewanne, im Sankdkasten, eben überall landen. Die Dinger sind das ideale Spielzeug)

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    1. Das halte ich auch so mit den Preisen (obwohl unsere Packungen insgesamt teurer sind). 50 Rappen pro Nadel … bis mit der Menge der Preis der Gesamtpackung erreicht ist – das ist die Obergrenze.

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  10. Rosa zu riesig ?
    Habt Ihr ein anderes System, oder hab ich die Ironie nicht gefunden ?
    Bezgl. Spritze und nadel einzeln f. nen EUro: So als „Nacht-Taxe“ find ichs vertretbar, ich gönne auch dem Apotheker seine Nachtruhe.
    Ansonsten sollte man fair auf die „Grosspackungen“ hinweisen und evtl. auch noch entsorgungsmöglichkeiten aufzeigen. Denn die fixen auch ohne sauberes Material weiter und die DInger müßen ja nicht irgendwo rumleigen und schaden anrichten….

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    1. Also das „rosa“ bezieht sich hier vermutlich auf G18, also einen Außendurchmesser von 1,2mm, und handelsüblichen Längen von 4cm, 5cm und 7cm. Das ist schon relativ groß (für eine Injektion). Klar, ne Biopsie-Nadel oder eine Nadel für Implantate ist da ein anderes Kaliber…

      …aber zum Vergleich: eine Insulinpen.Nadel ist normalerweise so um G27 bis G30 (0,45 – 0,3mm) und zwischen 6 und 12mm lang.

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        1. Brownülen, Flexülen, Stahlmandarine, Butterflies – das sind alles Systeme, die mit der „normalen Injektionsnadel“ nur noch den Herstellungsprozess gemein haben. Die sind für ganz andere Durchflussmengen und für ganz andere Scheerkraft-Belastungen ausgelegt, was sich im Durchmesser, in der Materialstärke und auch im Preis niederschlägt. Einen 100er Karton Flexülen bekommt man nicht für 5€, bei „normalen“ Injektionsnadeln ist das durchaus im Bereich des möglichen (je nach Sorte und Einkaufskonditionen). ;-)

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        2. Die Dinger heißen natürlich „Braunülen“ gemäß der Herstellerfirma. Wie komme ich jetzt nur auf die verdenglischung?

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  11. Den Moralaspekt mal zur Seite:
    Der Kunde hatte ja offenbar ein Rezept über die Spritzen in der anderen Apotheke. Gibt es da nicht eine Verpflichtung zur Abgabe in der Schweiz?

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  12. Spritzen und Kanülen habe ich in einer Landapotheke auch an offenkundig drogenabhängige Personen abgegeben. Besser sie spritzen sich das Zeug mit einer sterilen Nadel und einer sterilen Kanüle als mit der Spritze des Kollegen, die mit HIV/Hepatitis/wasweißich kontaminiert ist.
    Mir selbst war es wichtig, dass die Leute die 10-20 Cent pro Spritze gezahlt haben. Nicht, weil da so ein gutes Geschäft damit verbunden ist, sondern wegen der Tatsache, dass sich der Drogenabhängige bewusst ist, dass ich ihm helfen kann – vielleicht auch aus seiner Sucht. 10-20 Cent verdeutlicht das und ist auch für einen Junkie bezahlbar.

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  13. Ich finde es absolut hirnrissig, keine Nadeln an Drogensüchtige abzugeben. Die meisten Verfallserscheinungen bei Junkies resultieren
    1. aus unschönen Beimischungen zum normalen Stoff und
    2. aus Infektionen.

    Wenn man wenigstens den 2. Punkt eindämmen kann, sollte man das gerade als Mensch im Gesundheitswesen auch tun. Außer, man ist vielleicht der Meinung, es sei gut, wenn „die“ sich alle so schnell wie möglich totspritzen, das gibts natürlich auch…

    Und weil dich die unterschiedlichen Gebrauchsmöglichkeiten von Nadeln interessieren: Ich kannte mal jemand, der eine Nadel zum SVV benutzt hat. Er wollte keine sichtbaren Narben, aber sein Blut zu sehen hat ihn beruhigt. Also hat er sich selbst Blut abgenommen, statt sich aufzuschneiden.
    War zu dem Zeitpunkt wohl das kleinere Übel.

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  14. Amoralisch ist doch der, der das Zeug verkauft, dass sich Leute mit der Spritze reinjagen wollen. Saubere Spritzen zur Verfügung zu stellen, um den Schaden einzudämmen, ist da eher verantwortungsbewusst.

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    1. Ich bin selbstverständlich der Meinung, dass es OK ist, die Spritzen zu verkaufen.

      Aber wenn man so argumentiert… ist denn der Verkäufer amoralisch? Die Käufer würden sich ihren Stoff sowieso irgendwo holen. Weitergedacht wäre es dann „moralisch“, den Abhängigen sauberen, nicht gepanschten Stoff zu günstigen Konditionen zur Verfügung zu stellen… OK: das ist eigentlich schon nahe an dem, was die kontrollierte Abgabe hier in der Schweiz macht. Man kommt aber in ein sehr kompliziertes Gedankenfeld (Liberalisierung? Prävention durch Repression, bzw. Angebotsreduktion?). Es ist nicht unverständlich, dass dann einige schon mit der Nadelabgabe Probleme haben, auch wenn ich ihre Meinung nicht teile.

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      1. Das sehe ich nicht so.

        Man kann mit einer Nadel eine ganze Menge machen. Es ist wie ein Küchenmesser. Man kann es gebrauchen oder missbrauchen.

        Aber Drogen kann man nicht gebrauchen. Man kann sie nur missbrauchen.

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          1. Ich definiere Drogen als Substanzen, die in den Anhängen eins und zwei des Betäubungsmittelgesetzes enthalten sind.

            Es gibt kluge Köpfe, die die entsprechenden Substanzen dort mit guter Begründung einfügen.

            Mit vernünftiger Begründung werden sie dort heraus auch wieder entlassen.

            Aber was drin ist, ist nur zum Missbrauch zu gebrauchen.

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          2. @bruno:
            Genau, darum sind die Stoffe der Anlage II ja auch verkehrsfähig…
            Und Morphin als Stoff in Anlage III wäre also keine Droge?
            Deine Einteilung finde ich wirr.

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            1. Morphin wird von vielen Tausend Patienten genommen. Es kann unter vernünftiger Diagnose und Abwägung als Mittel gegen starke und stärkste Schmerzen angewendet werden.

              Die Einnahme von Mitteln aus den Anlagen I und II hingegen ist nie gerechtfertigt.

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          3. Ja, sicherlich.. darum ist Diamorphin in England auch in ärztlicher Verwendung. Und Cannabis in den USA. Sicherlich alles nur Junkies. :-)
            Was ist mit Alkohol? Oder Lösungsmitteln? Lachgas? Auch nicht in den Anlagen zu finden….

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          4. Der Einschränkung auf Anlage I+II kann ich auch nicht so ganz zustimmen. Andere Länder, andere Sitten, das gilt auch noch bei Arzneimitteln (nicht nur BtM). In einen Land verfügbar und heiss geliebt, im anderen nicht zugelassen.
            Ethylalkohol, Nicotin und sogar Koffein haben ein durchaus hohes Suchtpotential, wenn auch die negativen Auswirkungen von Koffein eher gering sind. Beim Alkohol kann man das schon nicht mehr sagen. Ich würde keinen grossen Unterschied machen zwischen Personen die täglich kiffen oder saufen. Wobei der Alkoholiker schneller gesundheitlich abbauen dürfte.

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            1. Es ist die Aufgabe der Anhänge I und II diese Substanzen zu listen.

              Selbstverständlich kann man über einzelne Substanzen diskutieren. Das ist richtig und wichtig. Und wenn diese Diskussion sachlich geführt wird und wissenschaftlich belegbar wird, dann werden diese Listen auch angepasst. Das passiert ständig.

              Aber die Verwendung der Listen als Referenz ist dennoch korrekt. Sie enthalten Substanzen, die nicht zum Gebrauch geeignet sind.

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        1. Das ist einerseits nicht das Thema – es geht eindeutig um die vbewusste Abgabe von Nadeln zum Zweck des Drogengebrauchs, und meine Frage war, wie stark sich das davon abhebt, eigentliche Drogen abzugeben bzw. ich wies darauf hin, dass es nicht schwarz/weiss sondern ein moralisches Kontinuum ist.

          Und andererseits würde ich auch deiner Aussage in dieser Form überhaupt nicht zustimmen. Auf Englisch würde man das „straw man“ nennen. Dabei finde ich, dass es sowohl ein Kontinuum von „Drogen“ (denke Zigaretten, Alkohol, Kaffee) als auch von „gebrauchen/missbrauchen“ gibt. Ist das jetzt schon Relativismus? Ich halte es für eine vernünftige Sichtweise.

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        2. Ich habe auch schon von einem Apotheker gehört, dass er nachts an einen Benzo-Abhängigen auf dem „Affen“ auch schon rezeptfrei Benzos abgegeben hat, weil er die Alternative (er wird etwas Dummes anstellen) schlimmer fand. Das meine ich mit „moralisches Kontinuum“ und ich kann auch seine Position verstehen.

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          1. Wenn der Kunde zu den persönlich bekannten Pappenheimern zählt, deren Sorgen und Nöte man wirklich gut kennt, dann ist das vielleicht die beste Lösung.
            Aus rechtlicher Sicht ist die Abgabe an Benzos an Abhängige (auch Alkoholiker!) selbst mit normalem Rezept extrem heikel. Da muss für solche sogenannten „ausgenommenen Zubereitungen“ nämlich eigentlich ein BtM-Rezept her. Man ist hier also auf dem Gebiet es Verstosses gegen das BtMG bzw. gegen die BtMVV (was das genau steht, müsste ich gucken). Das ist für einen Apotheker kein Kavaliersdelikt und muss wohlüberlegt sein.

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