Religion und die Arbeit in einer Apotheke

… sollte man nicht vermischen.

Mir ist letzhin eingefallen, wie diese eine Mit-Apothekerin mir einmal deutlich rüberbringen wollte, dass sie Christin ist. Das schaut man hier jetzt vielleicht als nichts besonderes an, die Apothekerin kam aber aus einem anderen Land, deren Hauptreligion der Islam war. Ok. Ich habe das einfach so zur Kenntnis genommen, denn für mich ist die Religion von jemandem nicht unbedingt ein wichtiges Thema – und im Geschäft gar nicht – ich glaube nicht mal, dass das Thema im Bewerbungsgespräch oder bis zu diesem Moment überhaupt aufgekommen ist.

Solange jemand seine Arbeit in der Apotheke erledigt, interessieren mich die religiösen Ansichten dieser Person nur am Rande.

Erst wenn die Religion die Arbeit in der Apotheke anfängt zu beeinflussen … und das geht gar nicht:

Wenn die Christin sich aus religiösen Gründen weigert, Verhütungsmittel oder die Pille danach abzugeben.

Wenn der Muslim sich 5 x täglich mitten während der Arbeitszeit zum Gebet einen Teppich auspackt und auf ihm, nach Osten gerichtet 30 Minütige Arbeits-Pausen einlegt,

Wenn die Jüdin ab Freitag Mittag 12 Uhr nicht mehr in der Apotheke arbeiten kann, weil sie den Sabath – an dem sie auch nicht arbeiten kann – vorbereiten muss. (Das geht vielleicht in einer grossen Apotheke noch, nicht aber in einer so kleinen, wie unseren – das ist reichlich ungerecht anderen gegenüber, die dann immer einspringen müssen).

Wenn die Wicca jedes Vitaminpräparat vor der Abgabe speziell auspendeln muss und keine Scanner benutzen will,

Wenn der Satanist auf halbmonatlichen Opferungen eines schwarzen Hahns im Lager besteht …

Ok, die letzten Dinge sind *etwas* an den Haaren herbeigezogen, aber … man sieht glaub, worauf ich hinauswill.

Also: Mir ist es Schnurz, was für eine Religion Du hast – solange Du Deine Arbeit  erledigst. Danke!

38 Antworten auf „Religion und die Arbeit in einer Apotheke

  1. ….. ich hab‘ ma‘ mit ’nem orthodoxen juden zusammen gearbeitet, in einer medizinischen einrichtung, das war aber soweit echt entspannt, denn fast sämtliche dienste und schichten an den sonntagen wurden von ihm übernommen, freiwillig, wir mussten uns nur mehr balgen wer samstags dienst schiebt…..

    ;-)

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    1. Oh, *das* ist so natürlich angenehm … ich sage ja auch nur, dass es bei uns halt nicht ginge.

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  2. Das grösste Gesundheitsrisiko in einer Apotheke scheinen mir dann aber doch die Hahnemannisten zu sein…

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  3. Dazu fällt mir ein Vergleich ein, der in den USA auf Plakaten stand:
    Religion ist wie ein Penis.
    Es ist okay, einen zu haben.
    Es ist okay, stolz darauf zu sein.
    Aber man sollte ihn nicht rausholen und damit rumwedeln.

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    1. da fehlt noch die letzte zeile (kenns leider nur auf englisch):

      „…and *please* don’t try to shove it down my children’s throats.“

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        1. Böse ja. aber mit Blick auf kreationistische Auswüchse in diversen amerikanischen Schulbezirken die wichtigste Anmerkung.

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  4. Ich bin Moslem trage keinen Kopftuch, aber beten tue ich trotzdem, nach dem mein dienst in der Apotheke vorbei ist. Haupt sache der Glaube zählt wann ich es tue ist Gott doch egal.

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    1. Ich bin zwar absolut Deiner Meinung – aber ich bin auch sicher, dass es solche gibt, die das anders auslegen. In allen Religionen.

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  5. … andererseits wären in Institutionen, die ohne sieben Tage pro Woche geöffnet haben, Juden (oder jeder andere, dessen Feiertag NICHT Sonntag ist) doch nahezu praktisch, oder? Also klar, nur in großen Betrieben. Aber da könnte jeder seinen üblichen freien Tag erhalten pro Woche, ohne dass alle Wünsche kollidieren.

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  6. Man muss aus der Not eine Tugend machen:
    – Hier können Sie Ihre Arzneimittel wiccanisch auspendeln lassen!
    – Satanisch ritualisiert gesegnete Nahrungsergänzungsmittel verfügbar!
    – Lassen Sie sich von unseren Kosher und Halal Experten beraten!
    – Kodome mit Löchern für christliche Fundamendalisten!

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  7. … Das ist DIE Idee!!! *Geistesblitz*

    Ich verkauf demnächst auch keine Pornozeitschriften mehr (Waffenmagazine auch nicht) und sag dann einfach: „Nee, sorry, das kann ich nicht mit meiner Religion vereinbaren … Woo-hooo!!! :mrgreen:

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  8. Bimed du hast so eben 100 Pluspunkte bei mir gesammelt und die Wicca gekannt UND sie sogar NICHT als Satanisten dargestellt!

    jetzt muss ich dir nur noch erklären warum echte Satanisten keine schwarzen Hähne Opfern *lach*

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    1. Na dann schiess mal los. Aber vielleicht liegt das auch nur daran, dass man heutzutage so schlecht an schwarze Hähne kommt. Was nimmt man da stattdessen?

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      1. Gewöhnlich unterlassen sie das, weil sie einfach besseres zu tun haben. :)

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        1. Genau Caron der gemeine Satanismus als „left Hand path“ Religion beschäftigt sich hauptsächlich mit der Selbstentfaltung. Das Problem ist dass im Satanismus moralische Grenzen einzig und alleine vom Individuum abhängen – es handelt sich also um ethische Anarchie.
          Schwarze Hähne, weiße Kaninchen und Tante Elfriede werden – wenn schon – von Teufelsanbetern geopfert. Die aber beziehen sich nicht auf den gefallenen Erzengel Satanael sondern darauf dass der Teufel ihnen macht verleiht. Oder sie zu viele Horrorfilme gesehen haben. Oder ein Medikament bei ihnen eine Psychose ausgelöst hat.
          Also nur mal so kurz gefasst :P

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    2. stimmt, die mit den schwarzen Hähnen sind die Voodoo-Priester (-innen), die das Geflügel ihren Göttern (Loas) opfern um z.b. für die Genesung eines Menschen zu beten (oder auch andere Gründe).

      Als Wicca hab ich mir zwar noch nie Vitaminpräperate ausgependelt , erstens weil ich als Angehörige einer Naturreligion sowieso schon versuch mich so gut wie möglich gesund und ausgewogen zu ernähren, und somit solche Sachen sicher nicht brauche. Ausserdem halte ich ehrlich gesagt Blutbilder einfach für eine effektivere Diagnosemöglichkeit als ein Pendel. Ich bin mir aber sicher, dass es trotzdem viele Hexen gibt, die sich irgendwas auspendeln oder mehr Nahrungsergänzungsmittel nehmen, als ein wirklich kranker Mensch (selber schon erlebt).

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  9. Nicht zu vergessen, der Scientologe, der mit jedem neuen Kunden mal kurz „im Hinterzimmer ein Beratungsgespräch“ führt.

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  10. Ein Moslem hätte es bei uns schon schwer, es sei denn, er hätte nichts dagegen, Alkohol auszuschenken. Ob das wenigstens erlaubt ist, wenn sie schon selbst keinen trinken dürfen?
    Und Juden hätten es sehr schwer, den Sabbath heilig zu halten, denn eine Kollegin, der am Wochenende nie arbeiten kann, würde über kurz oder lang in Fetzen gerissen ^^
    Und Christen, tja. Christen nerven!

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  11. Lustig, dass Du die Absurditäten tatsächlich von den verbreiteten Religionen erwartest :)
    Warum regst Du Dich eigentlich über die 5 Gebete der Moslems auf? Sei froh, dass Mohammed Gott bequatschen konnte, als er ihn auf einem geflügelten Pferd mit Menschengesicht besucht hat. Gott wollte 50 und Mohammed hat ihn runtergehandelt.
    Klingt auf diversen Ebenen unglaublich blödsinnig? Ist es auch. Glauben aber 1,5 Milliarden Menschen, und zwar mit einer Ernsthaftigkeit, die man sich in Westeuropa kaum vorstellen kann.
    Natürlich sind Christen, die sich Erlösung von göttlicher Selbstverstümmelung erwarten und Juden, die samstags durch den Regen gehen, weil Schirmaufspannen eine verbotene Bautätigkeit ist, keinen Deut besser.

    Ich frage mich immer wieder, wie wir trotzdem soweit gekommen sind …

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    1. .. ein bisschen mehr Respekt? Das geht jetzt sowohl an Caron als auch an Robin.

      Respekt nicht im Sinne von Angst haben sondern einfach im Sinne von Akzeptanz?

      Ich pinkel ja auch nicht anderen Leuten ans Bein, weil sie Atheisten, Agnostiker, Wicca, Satanisten …. [tbc] sind?

      Christ bedeutet NICHT gleich evangelikal, intolerant, weltfremd oder auch kreationistisch.

      Moslem ist NICHT gleich frauenfeindlich, gewaltbereit, intolerant und schießwütig.

      Lasst die Leute ihr Leben leben und schert nicht gleich alle über einen Kamm.

      Es ist doch völlig egal, ob sich jemand ethisch korrekt verhält, weil das im jeweiligen heiligen Buch steht, das aus pragmatischen Gründen tut (Hobbes), aus rationalistischen Gründen (Kant) oder von der Sympathieebene aus (Earl of Shaftesbury).

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      1. Respekt? Hat auch keiner gesagt, dass es das bedeutet. Es ist aber trotzdem völliger Schwachsinn. Selbst wenn einer dieser Schwachsinne kein Schwachsinn ist sondern wahr, dann ist der Rest immer noch Schwachsinn.
        Und es ist nicht nur nur Schwachsinn, sondern auch das gemäßigste Kirchenmitglied gibt seinen demographischen Teil dazu, dass alte Männer in Kleider sagen können „Wir vertreten zwei Drittel der Deutschen.“.
        NIEMAND verhält sich akzeptabel, weil das in einem Heiligen Buch steht. Dass sich Gläubige ethisch verhalten, liegt vielmehr daran, dass sie freundlicherweise darauf verzichten, nach ihren Büchern zu handeln. Alleine die hochgelobten 10 Gebote verstießen – heutzutage kodifiert – größtenteils entweder gegen die Menschenrechte oder den gesunden Menschenverstand. Es bleiben gerade mal zwei sinnvolle Gebote (Mord und Diebstahl), und die sind Trivialitäten, die 1000 Jahre vor Moses Allgemeingut waren.
        Umgedreht liefern Religionen unendliches Konfliktpotential, wie z.B. die Moslems, die sich seit 1400 Jahren gewalttätig streiten, ob nun Aischa oder Fatima die rechtmäßigen Nachfolger von Mohammed sind (Sunniten/Schiiten), westliche Christen, die gegen Homosexuelle, vorehelichen Sex und verschiedene medizinische Errungenschaften wettern (DAS sind die, die sich nach dem Buch verhalten), afrikanische Christen, die in diesem Jahrzehnt angeheizt von westlichen Predigern ihre eigenen Kinder als Hexen foltern und ermorden oder Juden, die Landansprüche stellen, weil Gott es ihnen angeblich zugewiesen (ich rede hier nicht von Israel, sondern nur von besetzen Gebieten).
        Und nein, das sind nicht nur Stellvertreterkriege für politisches. Das ist urreligiöse Scheiße, die die nur darauf zurückzuführen ist, dass Leute gegen jede erkennbare Vernunft an Zauberei glauben.
        Religion ist DAS Krebsgeschwür der Menschheit, und wenn ich die Wahl hätte, ob ich den körperlichen oder den geistigen Krebs für immer aus der Welt verbannen könnte, würde ich vermutlich den geistigen wählen – obwohl 50% meiner Großeltern am körperlichen gestorben sind und ich da sicher nicht außer Gefahr bin.

        Respekt? Robins und mein letzter Beitrag waren noch extrem zurückhaltend. Das war kein mangelnder Respekt, dass war absolut gerechtfertigte Kritik an widersinnigen Weltanschauungen, die sich immer und immer wieder in ins öffentliche Leben drängen (zuletzt diese Woche mit einem Grünen(!), der offen sagt er will eine „Kutursteuer“, um Austretern den finanziellen Vorteil zu vermiesen).
        DIESER Beitrag ist mangelnder Respekt – und dazu stehe ich absolut.

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        1. Religion ist nicht gleichzusetzen mit Gewalt.

          Du wirfst jetzt – wieder – evangelikale, bzw. extremistische Gläubige in einem Topf mit den Leuten, die glauben und nicht gewaltbereit sind.

          Evangelikale Christen nehmen die Bibel wörtlich. Der evangelikale Christ ist aber nicht der Standart.
          Der deutsche Protestantismus (und ich beziehe mich auf den, weil ich Protestantin bin) macht das definitiv NICHT. Das Buch ist über 2000 Jahre alt, und dementsprechend wird im Theologiestudium auch Textkritik betrieben. So. Und zwar nicht wenig.

          Bei uns im Seminar hat sich noch kein einziger Prof hingestellt und gesagt: „Das, was in der Bibel steht, stimmt zu 100% und Sie müssen sich absolut daran halten, wer nicht für uns ist, ist gegen uns und soll brennen.“

          Beispiel Homoexualität: Ja, die Stelle gegen Homosexualität gibt es (irgendwo in Levitikus zwischen tausend anderen Gesetzesvorschriften). Nochmal: Das Buch ist über 2000 Jahre alt. Und ICH persönlich – und ich kenne auch niemanden aus meiner Fachschaft, der das anders sieht – sehe absolut kein Problem mit Homosexualität an sich. Punkt. Ich bin dafür, dass die homoexuelle Ehe gleichgestellt wird mit der heterosexuellen, meinetwegen kann auch mein Pfarrer schwul oder meine Pfarrerin lesbisch sein, das hat mich nichts anzugehen und ist die Privatsache jedes einzelnen. „Gott ist die Liebe“. Und solange zwei Menschen sich lieben und respektvoll miteinander umgehen ist doch alles super. Völlig wurscht, ob das jetzt zwei Männer, zwei Frauen oder Männlein und Weiblein sind.

          Ich sehe auch nicht, dass die zehn Gebote gegen die Menschenrechte verstoßen.
          „Du sollst deine Eltern ehren“? Voll böse.
          „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh und alles, was sein ist“? Genau. Echt dämlich, jemanden zu gebieten, dass die Ehe und der Besitz meines nächsten zu respektieren sind und ich die Finger davon zu lassen habe …
          „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“ – sprich, du sollst nicht lügen.

          Wo sind da die Menschenrechtsverstöße? Ganz davon ab, dass die Menschenrechte erst im 18. Jahrhundert festgehalten wurden und das ja eine ganze Ecke später war …

          Ich seh dein Problem nicht … Nur reine Polemik, die provozieren soll.

          Was die Grünen angeht: Ja, das haben sie letzte Woche gesagt. ABER: Die Grünen! NICHT die Kirchen! Hätten die Kirchen diese Erklärung rausgehauen, dann könnte ich deinen Ärger verstehen und würde ihn auch teilen. Aber so …? Bisschen panne.

          P.S.: Ich weiß, dass dein Beitrag respektlos gemeint war. Und das ist auch die übliche Reaktion, die man kriegt. Ich missioniere niemanden. Aber ich wundere mich über Leute, die schreien, dass Religion toleranzlos ist und dann solche Beiträge schreiben …

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          1. Ich setze Religion nicht gleich mit Gewalt. Aber ich zeichne einen Pfad zwischen dem beweislosen Glauben an einen ziemlich unwahrscheinlichen bis absurden Umstand und massiven Konflikten. Natürlich kenne ich auch eine Menge „Gläubige“, die völlig harmlos sind. Wenn man da nachbohrt, kommt aber gewöhnlich raus, dass die eigentlich nicht nur nicht ihrer Konfession angehören, sondern nichtmal Christen sind (weil sie sich eigentlich nicht so recht vorstellen können, dass der barmherzige Gott vor 2000 Jahren seinen Sohn/einen Teil von sich ans Kreuz nageln lassen musste, damit sie von irgendwas erlöst werden, wofür sie überhaupt gar nichts konnten – damit wird das gesamt Christentum eigentlich hinfällig, weil es eben nicht nur ein ganz nett klingendes aber bei genauerer Betrachtung mäßig praktikables „Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst ist“, was Du als offensichtlich Theologe ja wohl genauso gut weist).

            Wo die Menschenrechtsverstöße sind? Was hälst Du von dem ersten (und textmäßig mit Abstand längsten) Gebot, in dem umfassend die Religionsfreiheit angegriffen wird, weil Gott „ein eifersüchtiger Gott“ (LOL!) ist?
            Du sollt Vater und Mutter ehren? Das soll erstmal verdient werden, davon steht übrigens nichts in den 10 Geboten. Ich habe im Bekanntenkreis mehrere Leute, deren Eltern ihnen soviel angetan haben, das Ehre sicher das letzte ist, was ihnen gebührt. Aber „Du sollst Vater und Mutter ehren, solange sie ihren Job richtig gemacht haben und außer es sind miese Arschlöcher, die Dich die ganze Kindheit gequält und dann sitzengelassen haben“ macht sich nicht nur deutlich weniger spektakulär und man fragt sich, ob das jetzt einer der 10 offensichtlichsten Punkte ist, die man in so einem zusammenhang unbedingt nennen muss (anstatt: Du sollst nicht Frauen vergewaltigen, auch wenn sie nicht „Deines Nächsten“ sind; lass Deine Finger von Kindern; bilde Dein Volk und gewähren jedem gleiches Mitsprachrecht – man bemerke doch, dass zu der Zeit Athen schon seine Demokratie entwickelte), sondern diese Lesart passt auch gar nicht in die die Kultur von patriarchalischem Absolutismus, der dieses 2000 Jahre alte Machwerk produziert hat.
            Die Gedankenverbrechen halte ich auch für sehr grenzwertig. Ja, ich hätte gerne das größere Grundstück von meinem Nachbarn. Ich wäre ja auch doof, wenn nicht. Der zivilisatorische Schritt ist, ihm nicht den Knüppel über die Rübe zu ziehen und es sammt Frau zu nehmen.
            Du sollst nicht lügen: ICH will nicht in einer Welt leben, in der jeder die Wahrheit sagt. Das fängt an bei dem Lächeln und „Hallo, schön Dich zu sehen“, wenn ich eigentlich denke „Nein, ich habe Kopfschmerzen, ich will jetzt nichts mit Dir zu tun haben, Du bist schrill und laut!“ und endet bei Kants Mörder, dem der Freund des designierten Opfers wahrheitsgemäße Antwort auf die Frage gibt, wo es sich versteckt. Lügen ist manchmal falsch, aber im Wesentlichen hält es unsere Gesellschaft zusammen, weil die ganze Erklärung, die die Wahrheit weniger verletzend machen würde, zu lang wäre – oder einfach nciht existiert. Manche Menschen sind ungewollt unangenehm, aber ist es doch angeblich gerade christlich, ihnen das nicht um die Ohren zu hauen.

            Aber nochmal zum Gesamttenor: Ja, die Bibel ist also ein 2000 Jahre altes Buch. Mit 2000 Jahre alten Meinungen von Menschen nciht von Gott (von dem ich im AT auch mindestens die Menschenrechte des 18. Jahrhunderts erwartet hätte und im NT z.B. nach dem AT wenigstens das, was Du hier zu Homosexuellen schreibst).
            Warum sollte ich Respekt vor alledem haben? Selbst im historischen Rückblick war die Bibel schon vor 2000 Jahren wenig originell, oft ein Rückschritt, oft eine Kopie von deutlich älteren Werken (wie sogar die meisten Aspekte der Jesusgeschichte).

            Was soll das dann alles noch? Wo ist da das Christentum? Warum gibt es ganze (staatliche!) Studiengänge, die sich nur mit diesem 2000 Jahre alten Buch befassen? warum habe ich in 13 Jahren Schule nie was von Hammurapi, Solon, Anaxagoras, Heraklit, Sokrates, Platon, Descartes, Kant, Nietzsche, Feuerbach, Mach, Popper …. gehört, aber die vollen 13 Jahre Religionsunterricht gehabt? Soll ich ausführen, wie Kirchen, CDU und Co. sich beim Ethikunterricht aufführen, der das ändern könnte? Das es ein Grüner war, der diesen Quatsch gefordert hat, ist kein Zeichen dafür, dass Kirchen und CDU die Füße stillhalten, sondern dafür, wie weit dieser Kult die Gesellschaft noch durchdringt und Leute hervorbringt, die Religion nicht Privatsache sein lassen.
            Über wen soll ich mich lieber aufregen? Über den hochrangigen CSU-Politiker Norbert Geis, der kürzlich zu Recht wegen Volksverhetzung angezeigt wurde? Oder über den Papst selbst, der mir die Fähigkeit zum ethischen Handeln abspricht? Kirche genug? Oder sollen wir näher am Finanziellen bleiben? Was ist mit den Leuten, die (oft als DDR-Altlast) ihren lange vergangenen Kirchenaustritt nicht mehr nachweisen konnten, und plötzlich, trotz jahrzehntelanger Steuerfreiheit, nachzahlen mussten?

            Ich werfe Religion nicht vor, dass sie toleranzlos ist. Religion MUSS eigentlich toleranzlos sein, spätestens wenn es darum geht, Leute, die sich nicht wehren können zu schützen, also Kinder auf den „rechten Pfad“ zu führen, „ungeborenes Leben“ vor der „Ermordung“ zu schützen etc.
            Ich werfe Religion – das heißt das Beharren auf angebliche Tatsachen, die weder belegt noch plausibel sind – vor, dass sie existiert.

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  12. Das sind zwar interessante (und erhellende Diskussionen), die ich aber wenn möglich nicht ausarten lassen will.
    Können wir uns darauf einigen, dass es in allen Religionen (und auch bei den Atheisten) Radikale gibt mit teils für Intellektuelle sehr verqueren Ansichten und dass genau dies (das radikale und das missionieren desselben) etwas was überall schlecht ist?

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    1. Ich könnte noch eine Parallele zu Deinem Blog ziehen. Religionen sind wie Homöopathen: In der Seelsorge haben sie sicher Erfolge, wenn sie jemandem einen imaginären Freund zur Seite stellen. Es soll sogar Leute gegeben haben, denen nur das hilft.
      Wie Homöopathen oft, versuchen sie aber, auch Ihre Kinder damit zu behandeln. Und das richtet sehr schnell Schaden an – weil ernste Krankheiten falsch behandelt werden (ich musste schon ein paar Leute auf eigene Beine stellen, nachdem diese ganze „Gott ist bei mir“-Sache in die Hose gangen ist) oder weil sie nie in der Lage sein werden, die wissenschafltiche Denkweise der Schulmedizin zu begreifen.
      Stell Dir vor, diese Homöopathen hätten eine derart starke Verbreitung, dass es mehr Homöopathieunterricht als Biologie in den Schulen gäbe, große Homöopathieorganisationen sprächen der Schulmedizin öffentlich jegliche Heilfertigkeit ab und ein Großteil des Gesundheitssystem fokussierte sich auf Homöopathie. Als echte Pharmakologin würdest Du oft komisch angesehen in mancher Provinz sogar ausgegrenzt.

      Und dann kommt einer an und sagt einem (allgemeinen, nicht direkt ihn adressierenden) Kritiker: „Hab doch mal ein bisschen Respekt vor Homöopathie, ich geb das doch nur Leuten, die in meine Praxis kommen.“

      Wie würdest Du damit umgehen?

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    2. Ist okay – sorry für das lange OT.
      (einen kurzer Seitenhieb sei mir aber bitte gestattet – die aufgeführten Philosophen hatte ich entweder in der Schule; oder im Theologiestudium.) ;)

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    1. Einen wirklichen Effekt wird es kaum haben, aber trotzdem sehr traurig sowas… :-(

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