Ich bin kein Lückenbüsser!

Es sind Schulferien und da auch viele Ärzte Familien haben, sind sie jetzt weg.

Das ist schön für sie, nur … ich bin etwas stinkig, wenn ich (schon wieder) einen Patienten in der Apotheke stehen habe, der dringend ein Medikament braucht, das ihm ausgegangen ist – oder nächstens ausgeht, und das er bisher immer vom Arzt direkt bekommen hat.

Nett, huh?

Noch ein Selbstdispensations-Nebeneffekt.

Oh wie gern würde ich in einem solchen Moment sagen: „Sehen sie, der Arzt hat halt nicht immer offen – die Apotheken schon!“ (Wenn nicht wir – eine Apotheke hat immer offen)

Ich bin nicht / will nicht sein nur die Ersatzlösung und der Lückenbüsser!

So, fertig genervt.

16 Antworten auf „Ich bin kein Lückenbüsser!

  1. Was bin ich froh, dass es sowas bei uns in Deutschland (noch) nicht gibt. An dieser Stelle möchte ich auch hier sagen, dass wir mit der Apotheke, die unsere Einrichtung beliefert und betreut, sehr zufrieden. Zudem, liefern sie uns auch mal das eine oder andere Medikament, auch mal vorab und anschließend reichen wir das Rezept nach.

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  2. Es kann ja schon mal sein, dass man den Bedarf für ein „Dauermedikament“ falsch einschätzt (und der Arzt übermittelt seine Urlaubswünsche leider nicht an jeden Patienten ;-) ), aber das sollte eine absolute Ausnahme sein. Jeder Patient ist auch schon ein wenig eigenverantwortlich.
    Die Apothekerin meines Vertrauens jedoch ist auf solche Notfälle (wirklich Notfälle!) eingerichtet und gibt auch schon mal ein Medikament ohne Rezept ab, aber nur an bekannte Kunden.
    Das ist übrigens auch EIN Grund dafür, weshalb ich den Medikamentenbezug per Internet ablehne. Da geht nämlich NIX, absolut NIX!

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  3. Mein Verständnis und Mitgefühl hält sich in Grenzen. Apotheken werden sich auf dem Markt zukünftig noch mehr durch die Dienstleistung profilieren müssen (gegenüber grossen Ketten, Online-Apotheken). Und genau so eine Dienstleistung erwarte ich auch in kleinen Notfällen, wie eben ein Vorbezug bei fehlenden Medikamente, wenn der verschreibende Arzt abwesend ist. Ansonsten könnten solche Patienten auch an die nächste Ambulanz verwiesen werden..

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    1. Nun ja, erwarten ist die eine Sache – aber grundsätzlich ist das auch (zumindest in Deutschland) eigentlich nicht legal, der Apotheker begibt sich bei so einem Vorabbezug auf Glatteis…

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  4. So wie ich Bimed verstehe geht es hier nicht darum, daß der Patient einen Vorbezug möchte weil der Arzt Urlaub hat, sondern darum, daß es in einigen Teilen der Schweiz die Selbstdispensation der Ärzte gibt, die also Medikamente an ihre Patienten abgeben dürfen (mehr als die zwei Schmerztabletten nach dem gezogenen Weisheitszahn oder ähnliches, was rechtlich nicht unter Abgabe zählt).

    Der Patient kommt also sonst NIE in die Apotheke, ist kein Kunde. Und plötzlich ist der Arzt im Urlaub oder im Wochenende und die Apotheke ist wieder „gut genug“. Das macht wirklich den Anschein eines Lückenbüßers…

    Stellt euch mal vor, ihr habt gutverdienende Freunde, die einen dicken Mercedes fahren, und euren kleinen, rostigen Polo immer milde belächeln. Bis irgendwann ein Anruf kommt: „Hilfe, der Mercedes ist in der Werkstatt, ich brauch drigend ein Auto. Darf ich deins leihen?“ Wärt ihr da nicht auch sauer?

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    1. Also .. ich würde meine Apotheke ja nicht mit einem „kleinen, rostigen Polo“ vergleichen :-) … aber das Gefühl hast Du so treffend beschrieben.
      Da bin ich dann wieder gut genug.

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      1. So hab ich das auch nicht gemeint, liebe Bimed!
        Genausowenig, wie Ärzteschaft grundsätzlich und im Allgemeinen den Vergleich mit einem dicken Mercedes verdient. Ausnahmen gibts aber immer und überall, positiv wie negativ.

        Und um es mit den Worten von Jürgen von der Lippe zu sagen: „Bei allem Respekt, was sind Ärzte? Das sind ehemalige Medizinstudenten!“ ;)

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    2. Ich sehe das genauso wie „Punkt“.

      Während die Apotheken jeden Tag offen haben müssen und es nicht erlaubt ist, dass eine Apotheke mal eben zwei Wochen Betriebsferien macht, kann der selbstdispensierende Arzt mal eben zwei Wochen in Urlaub gehen und seinen Laden dicht machen. Die Notversorgung könne ja auch die Apotheke übernehmen. Da ist die Apotheke dann der Lückenbüßer, da der Patient sich sofort wieder seine Medikamente bei Arzt holen wird, wenn der wieder da ist. Da hätte ich auch keinen Bock drauf.

      Die Situation gibt es hierzulande in D auch: Während sich manche Leute die teueren und lukrativen Medikamente im Internet bestellen, darf für die Akutmedikation wieder die Apotheke herhalten. Gerne natürlich auch nachts um 3 Uhr. Und natürlich mit Beschwerde, wenn das Medikament nicht sofort da ist. Aber nur natürlich so wenig Medikamente wie möglich, den Rest holt man sich ja aus dem Netz. Das hat mit einem fairen Wettbewerb nichts zu tun.

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      1. Ja, und viele lassen sich auch in der Apotheke beraten und bestellen dann aber im Internet, weil’s da günstiger ist. Das finde ich persönlich eine echte Frechheit.

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      2. dann darf ich also auch keine Bücher bei Amazon bestellen, muss auf den Flohmarkt statt schnell zu Ebay zu surfen, Wikipedia zugunsten de 30-bändigen Brockhausausgabe meiden? Darf ich dann auch keinen TomTom nutzen sondern muss wieder patengefaltete Karten oder den kiloschweren Autoatlas nutzen? Muss dann auch die PTB ihr zeitsignal abstellen damit wir alle wieder die Zeitansage der Telekom anrufen um den Regulator richtig zu stellen oder reicht es wenn ich Sonntag Mittag auf die Glocken der umliegenden Kirchen lausche? Denn das hat ja alles nichts mit fairem wettbewerb zu tun. Schließlich nutzen alle die bösen neuen Haifische im Becken eine neue Möglichkeit ihre Produkte zu vermarkten die so vorher nicht vorhanden war. Sie nutzen ein Kommunikationsmittel zum Verkauf. Wie schrecklich!

        Hört auf der Vergangenheit nachzuweinen, Tante Emma ist tod und auch ihr kauft im Discounter!

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        1. Prinzip nicht begriffen: es geht um die Beratung. Wenn Du dich im Buchladen beraten lässt … ist es dann nicht auch fair, das Buch dort zu kaufen? Wenn Du in der Parfümerie ausführlich eine Beratung mit Testern beanspruchst – und dann gehst Du das Teil im Internet bestellen. Klar ist es da günstiger … aber: Du hast Arbeitszeit und Fachwissen beansprucht – dafür solltest Du auch etwas zurückgeben.

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          1. Im Prinzip würde ich Dir Recht geben, liebe Bimed. Leider ist die Realität jedoch so, dass die Beratung in deutschen Apotheken teilweise unterirdisch ist und die Preise geradezu absurd.

            Beispiel: Ein Bekannter wollte neulich Augentropfen gegen seinen Heuschnupfen in der Apotheke kaufen und hat sich 5 Minuten beraten lassen. Am Schluss hatte er ein sehr teures (und absolut wirkungsloses) homöopathisches Medikament aufgeschwatzt bekommen – obwohl er definitiv etwas „richtiges“ wollte. Bei so etwas kann ich richtig wütend werden.

            Anderes Beispiel: Eine Freundin kommt mit Halsschmerzen in die Apotheke und bekommt dort Meditonsin aufgeschwatzt. Ebenfalls homöopathisch und ebenfalls absolut wirkungslos.

            Bleiben wir doch mal bei den Augentropfen, in dem Beispiel die Azelastinaugentropfen des Marktführers. Diese kosten bei einer günstigen Versandapotheke 6,51 Euro, in der Apotheke um die Ecke aber 11,23 Euro. Das ist über 72% teurer.

            Oder die 100er Schachtel Cetirizin. Die bekommt man von der Versandapotheke für 8,26 Euro – in der Apotheke um die Ecke würde diese 28,80 Euro. Das ist über 348% teurer. (In beiden Beispielen wurde nach dem jeweils günstigsten Medikament gefragt).

            Einen Aufschlag von 20-30% würde ich verstehen und wäre auch bereit das zu zahlen, aber den 3fachen Preis zu bezahlen ist IMHO nicht mehr zu vertreten, insbesondere wenn man ein Medikament regelmäßig nehmen muss, und es nicht von der Krankenkasse erstattet bekommt.

            Viele Grüße,

            Marcel

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        2. Natürlich darf jeder seine Bücher dort kaufen, wo er will. Ich bestelle selbst bei Amazon. Dafür wundere ich mich aber auch nicht, dass es selbst in der Innenstadt einer Großstadt keine Buchhandlungen außer den beiden großen Ketten mehr gibt.
          Ich bestelle mir auch eine Fotoapparat im Netz, weil billiger. Ich brauche mich aber auch nicht zu wundern, dass es keinen Fachfotogeschäft mehr gibt, welches mich zu der Nummer noch irgendwie beraten könnte.

          Und genauso wird es bei den Apotheken kommen, das halte ich für Fakt. Man kann nicht von den Überbleibseln leben, die die Selbstdispensation der Ärzte, bzw. der Internetversandhandel übriglassen.
          Da muss sich die Mutti auf dem Land mit ihrem 40 °C fiebernden Kleinkind in etwa 10 Jahren nicht wundern, wenn sie nachts um 2 Uhr halt mal 50 km fahren muss, um den Antibiotikasaft zu erhalten, weil es halt dann mal gerade auf dem Land kaum Apotheken mehr geben wird. Oder die Nummer dann halt bei ihrem Versandhändler bestellen, der ihr das mit 3 Tagen Lieferzeit zuschicken wird.

          Und nein: Ich arbeite nicht in einer Apotheke.

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  5. Arg, hatten gestern auch so einen „Medikament ausgegangen“ Fall. Nur hier meinte die Patientin, der Arzt hat ihr das immer bestellt, so dass sie es nach Hause geliefert bekomme und sie wisse nicht wann Nachschub kommt! Da waren wir schon sauer, zumal bei uns keine selbstdispensation erlaubt ist und der Arzt es wohl über eine Versandapotheke bestellt hat. Ergo, keine Medikament ohne Rezept, der betreffende Arzt reagiert nämlich auch immer allergisch auf Vorbezug. Ist ja auch einer unserer Lieblingsärzte

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