Verständigungsprobleme

Liebe Kundin … Nein, ich kann kein chinesisch. Und ich finde es etwas befremdlich, wenn Sie offensichtlich mindestens seit 2006 hier wohnen – zumindest habe ich von da noch ein von ihnen eingelöstes Rezept im Computer und sie immer noch nicht eine der Landessprachen können. Weder Deutsch noch Französisch oder Italienisch. Nix. Und Englisch nur so gebrochen, dass man es kaum versteht.
Und ganz hört die Verständigung offensichtlich auf, wenn ich sage, dass es für das Temesta, das sie wollen ein Rezept braucht.
Verständnisloser Blick- nochmals mir die leere Schachtel unter die Nase gehalten: „Das, das!“
Ja. aber- Sie wissen schon: „Arzt schreibt auf Papier, dann bekommen sie es von mir.“ (heh, das reimt sich!)
„Rezept, Prescription, Ordonnance … ja, vom Arzt, Doctor, Dottore, Medecin.“
Nein, das bekommen sie ohne nicht von mir.

21 Antworten auf „Verständigungsprobleme

  1. ich denk mir oft beim arzt oder eben auch in der apo, wie das oft funktionieren soll.

    ich seh oft genug, dass zB die korrekte anwendung eines medikaments mit händen und füssen erklärt werden muss, oft müssen 7jährige kinder übersetzen usw usf.

    schon rein das sollte ein guter grund für das erlernen der sprache sein (neben den 434 anderen guten gründen).

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    1. Das stimmt – oft sind es die Kinder (Enkel etc.) die dann übersetzen müssen … auch das ist speziell toll, wenn es sich z.B. um Vaginaltabletten handelt, die man erklären muss.

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  2. Oh, wir hatten mal eine Stundentin, die ihre Examensprüfung bei uns machen wollte (ich war Beisitzerin), das muss so 2007 gewesen sein (ab 2008 war ich nicht mehr an der Uni), die war, wenn man von ihren Studienunerlagen ausging mindestens seit 1997 durchgehend in Deutschland. Und bei allen auch noch so einfach formulierten Fragen schaute sie einen nur an wie ein orientierungsloses Eichhörnchen und mache „Häääää?“ in diesem hohen Tonfall… Die konnte, obwohl seit mindestens 10 Jahren im Land die Sprache nur extrem rudimentär. (Vom fachlichen mal ganz abgesehen…) Und nein, englisch konnte sie auch nicht, es war ihr durchaus angeboten worden, die Prüfungen auf englisch abzulegen. Zu meinem großen Ärger bekam sie den Abschluss dann letztendlich dennoch von der Fakultät hinterhergeschmissen, weil „es ja nicht sein kann, das die arme Frau so ganz ohne Abschluss zurück nach China muss.“ Ganz großartig. Machen wir es doch einfach allen so einfach.

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      1. Na, Vorurteile hast du keine, oder?
        (Ein Informatiker hätte Englisch gekonnt. Sogar in Frankreich konnte ich mich auf Konferenzen mit französischen Informatikern in Englisch austauschen!)

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        1. Das hat nix mit Vorurteilen zu tun, da ich selbst aus dem Bereich komme und so etwas eigentlich fast an der Tagesordnung ist. Da hast Du Studenten (ob weiblich oder männlich erstmal egal), die im 9-ten Semester weder Deutsch noch Englisch halbwegs beherrschen, begünstigt noch dadurch, dass man an meiner Uni (als Informatiker) eigentlich fast bis zur Diplomprüfung (wie es jetzt mit BA und Master aussieht, keine Ahnung) kaum Einzelleistungen erbringen muss, weder schriftlich noch mündlich. Als Frau ist man dann klar im Vorteil, man wird halt durchgeschleift durch die Gruppenleistungen wie Projekte oder Kolloquien, wo es – wenn der Dozent es nicht darauf anlegt – eben nicht darum geht, was der Einzelne kann.

          Einerseits aber auch verständlich, habe genug Studenten gesehen (v.A. auch China), die ihr Studium dadurch finanzieren, dass sie bei 2 (sic!) verschiedenen Zeitarbeitsfirmen, die den gleichen Kunden bedienen, arbeiten, um eben täglich 16 (sic!) Stunden durcharbeiten zu können. Nebenbei wird halt noch studiert, die Sprache gelernt, gegessen und hin und wieder geschlafen.

          Respekt für die, die es allein schon rein körperlich schaffen, auch „nur“ ein Vollzeitjob ist neben dem Studium schon hart, aber halt auch kein Wunder, dass nach 5 Jahren weder sprachliche Kompetenz noch Fachwissen da sind.

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  3. Ich frage mich, wie diese Leute durchkommen. In Frankreich lassen sie einem das nicht durchgehen – beim Schüleraustausch damals musste ich in allen Geschäften Französich reden, ob ichs nun konnte oder nicht (ich konnte es nicht, daher der Austausch), aber nach 3 Wochen war ich soweit, dass ich mit einfachen Sätzen was bestellen/einkaufen konnte und mich etwas mit den Gasteltern unterhalten konnte. Man kriegt doch auch die Gespräche der anderen Leute, die Aufschriften auf den Packungen, die Fernsehfilme etc mit, dort schnappt man doch locker das ein oder andere Wort auf, ganz ohne zu pauken. Wie kann man sich nur so abschotten….

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    1. Frankreich halte ich für ein schlechtes Beispiel – schließlich beruht es auf einem übertriebenen „Stolz“ auf die eigene Sprache.

      Das wurde mir erst letztens beim Eurovision Song Contest bewußt: Jedes Land nennt die Punkte auf Englisch – bis auf Frankreich.
      (Ich weiß dass es erlaubt ist, erinnert dennoch ein wenig an die vermutlich aufmüpfige Auszubildende aus dem gestrigen Beitrag…)

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      1. Mag sein, dass die Franzosen ab und zu übertreiben, auf der anderen Seite finde ich es vollkommen legitim, zu verlagen, dass jemand, wenn er in Frankreich wohnen will, auch die Sprache kann. Die meisten Leute helfen einem ja auch, wenn man mal nicht weiter weiss.

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      2. Ach ja – warum sollten sie denn? Machen sich denn die Engländer, eine sprachlich deutlich kleinere Minderheit als die Frankophonen oder die Deutschsprachigen in Europa, auch nur die kleinste Mühe, andre Sprachen zu lernen?
        Meine persönliche Erfahrung dagegen zeigt: im Gegensatz zu Engländern geben sich Franzosen durchaus Mühe, mit Gästen auch gastsprachlich zu reden. Aber warum sollten sie bei offiziellen Gelegenheiten so masochistisch wie die Deutschen ihre eigene Sprache vertuschen?

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  4. Es gibt aber auch so Fälle, da wollen die Leute nichts verstehen.

    Ich war frische 16 Jahre alt und hatte meinen allerersten Ferienjob in einem Supermarkt an der Kasse. Dort nahmen wir auch Sozialscheine an, die gab es damals vom Sozialamt statt Geld, damit die Leute auch wirklich Essen kaufen und nicht Alkohol, Tabak, Spielzeug etc. Es war also genau festgelegt, was man davon kaufen durfte.
    Eine Kollegin rief eines Tages um Hilfe, ob jemand Englisch könne. Vor ihr standen 2 Chinesen die ein paar Reisschüsseln kaufen wollten und die Kollegin versuchte ihnen klar zu machen, dass das nicht auf Sozialschein geht. Deutsch verstanden sie nicht, also versuchte ich es auf Englisch, Französisch UND Italienisch, sie verstanden nichts. Am Ende ließen wir Taten sprechen und die Kollegin packte die Schüsseln einfach weg.
    Plötzlich konnte das Pärchen reden, wie ein Wasserfall beschimpften sie uns in absolut korrektem, nahezu akzentfreien Deutsch, dass wir doch piiiieeep wären und wie wir uns das vorstellen, ob sie ihren Reis aus der hohlen Hand essen sollen.
    An der Stelle waren wir alle froh, dass die beiden dann eh gegangen sind, denn nachdem wir 15 Minuten und riesige Kassenschlangen produziert hatten durch diese Aktion, waren nicht nur wir Kassiererinnen sauer.

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    1. Ah, Du meinst das hat Strategie? Das könnte natürlich auch sein, dass sie denkt, wenn sie nur ausdauernd genug ist mit ihrem „Nix verstehn – gib mir das“ dann bekommt sie es (trotzdem) …

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      1. Ich denke auch, dass gerade in unangenehmen Situationen die Sprach- oder Rassismus-Karte bewußt gezogen wird. Ich selbst habe schon erlebt, dass Mitarbeiter dieses tun. Glücklicherweise kommt das sehr selten vor.
        Ein Bewerber, dem wir abgesagt hatten (Hobby: „Party machen“), und der mich dann angerufen hat, ist auch auf diese Schiene eingeschwenkt. Zitat: „Ey Alda, düs machst Du nur weil isch Tüürrke bin“. Ich heisse aber nicht Alda und kenne ihn nicht näher privat. Sicherlich lässt sich der ein oder andere von dieser Taktik beeinflussen, siehe hier:

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        1. Das Komische an der Geschichte: Beim persönlichen Gespräch kannte er das „Sie“ und die Sprache war einigermaßen normal. Erst nach der Absage hat er angerufen und ist plötzlich abgerutscht. „Alda“ ist mindestens 3x gefallen und das „sch“ war auch prägnanter. Alda isch arbeite escht gut!

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        2. Da gab es zu unschuldigeren (Vorkriegs-)zeiten noch einen hübschen Witz:
          „Und, David, hast Du die Anstellung als Radiosprecher bekommen?“
          „N-nein. A-a-alles A-A-Antisemiten.“

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