In der Grauzone

Zu meinen Aufgaben gehört es, auch ein Auge auf die aktuelle Gesetzgebung zu halten und bei Bedarf auf Anpassungen zu reagieren. Manchmal jedoch geht das relativ rasch – oder sie finden etwas Neues zu beanstanden an einem existierenden Produkt – und schon ist es passiert und man befindet sich in einer gesetzlichen Grauzone am Rande der Illegalität – ohne dass man es ahnt, geschweige denn will.

Beispiel letztes Jahr:
Vom kantonalen Labor kam jemand in die Apotheke und verlangte Allgäuer „Schrunden-Salbe“. Offensichtlich ist der Begriff „Schrunden“ für ein kosmetisches Produkt nicht zulässig. Dementsprechend, darf die Salbe nicht verkauft werden. „Schrunden“ sind per Definition Risse in der Haut, diese Indikation fällt in den medizinischen Bereich und verlangt eine Registrierung eines Produktes mit der Bezeichnung „Schrunden“ oder auch einer solchen Anpreisung auf der Verpackung.
Es handelt sich also nicht um eine Unzulässigkeit der Zusammensetzung, sondern betrifft lediglich die Bezeichnung Schrunden auf der Verpackung.
Ausnahme: Die Scholl Schrundensalbe und die Neutrogena „Fusscreme Schrunden“ durften dann gemäss Aussage der kantonalen Behörden bis zur Neueinführung des Ersatzproduktes verkauft werden. Es handelt sich dabei um eine Sonderregelung, da die Firma die neue Beschriftung bereits eingereicht hat.

Oder Stevia:
Das pflanzliche Süssmittel wurde gross eingeführt, es gab die Blätter, Pulver und Flüssigextrakt. Dann durfte man es auf einmal nicht mehr verkaufen, weil es in der Schweiz die Zulassung (als Heilmittel?) nicht bekommen hat.
Und seit 2009 ist Stevia als Zusatzstoff in der Schweiz zugelassen, so dass es inzwischen es wieder ein paar Produkte gibr, die wir verkaufen dürfen. Jetzt kommt sogar Assugrin mit einem eigenem Produkt dazu. Aber die Stevia-Blätter … darf ich immer noch nur in 2% Zumischungen zu Teemischungen verkaufen.

Und heute kommt der Lebensmittelinspektor in unser Geschäft gestürmt, hält der Drogistin den Ausweis unter die Nase und verlangt unser Himalaya-Salz zum kochen zu sehen. Das haben wir nicht – wir haben bloss die Qualität zum baden. „Na dann halt nicht.“ grummelt er und ist schon wieder weg – ohne Erklärung.

Weiss jemand etwas davon?

16 Antworten auf „In der Grauzone

  1. Ich muss wirklich schmunzeln ;-) Seit langem benutze ich Stevia Tabs, auf denen steht: „Zur Herstellung von Mundwasser“ um den Tee zu süßen :D
    Um wenn auf dem Himalaya-Salz, dessen geschätztes Alter ca. 250 Mill. Jahre ist, ein Verfallsdatum im nächsten Jahr steht, dann kann man über die formalen Rahmengesetze nur den Kopf schütteln ;-)
    Liebe Grüße Petra

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  2. Soweit ich weiß, kommt das meiste „Himalaya-Salz“ nicht aus dem Himalaya, weshalb die Bezeichnung irreführend ist. Vielleicht wollte er darauf hinaus?

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  3. Ich habe im Jahresbericht 2009 des KAL St.Gallen folgendes gelesen:

    “ Kristallsalz aus dem Himalaya

    Das vom üblichen Kochsalz bezüglich Zusammensetzung kaum unterscheidbare sog. Kristallsalz aus dem Himalaya hat wegen seines hohen Preises und den gemachten krankheitsheilenden Anpreisungen zu vielen Konsumentenanfragen geführt. Selbstverständlich sind auch für diesen Kochsalzersatz alle Heilanpreisungen unzulässig.“

    Vielleicht war das der Grund des Besuchs.

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  4. Naja ich kenns auch von Stevia das es eben als Badezusatz verkauft wird weil es als Nahrungsmittel nicht zugelassen ist/war. Sprich zum Baden ist das Salz i.O. aber nich als Nahrungsmittel.

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  5. ummm, die Sache mit Stevia nimmt mich nun doch wunder. Diesen Winter konnte es ich sowohl in getrockneter Form auf dem Weihnachtsmarkt, als auch als Tropfen zum Süssen im Reformhaus kaufen… Gilt das Verbot etwa nur für Apotheken?

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    1. Im Internet konnte man es auch kaufen, als es keine offiziell zugelassenen Produkte mehr gab – und in der Apotheke sind sie immer streng mit den Kontrollen. Aber wie gesagt, inzwischen – seit etwa Mitte letztes Jahr gibt es einige mit Zulassungen.

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  6. Stevia ist in Deutschland noch nicht als Lebensmittel zugelassen. Lediglich Tabletten zur Herstellung von Bädern kann man momentan beziehen, um das Inverkehrbringen zu erleichtern.

    Soll wohl aber nun auch endlich die Zulassung bekommen, nachdem auch Coca-Cola das Zeugs schon benutzt.

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  7. Hallo Bimed,
    wie siehts denn mittlerweile bei euch in der Schweiz rechtsmäßig bezüglich Stevia aus? Bei uns in Deutschland bzw. allgemein in der EU ist das Zeug ja immer noch nicht zugelassen. Nun habe ich aber diesen Deal hier entdeckt: und frage mich, ob man sich nicht strafbar macht, wenn man nichtzugelassene Lebensmittel besitzt und vielleicht sogar weiterverschenkt? Was meinst du? Mal davon abgesehen, dass ich schon Bauchgrummeln bekäme, wenn ich beim Teetrinken gesagt bekäme, dass der Süßstoff nicht zugelassen ist…

    LG aus dem Erzgebirge, und wedelnde Grüße vom letzten Handtuchtag :D

    Kathrin

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    1. Ich habe vor demnächst einen Blopgpost darüber zu machen. Aber die Kurzfassung: die Pflanze hat immer noch keine Zulassung. In der Apotheke darf ich sie höchstens in 2% Beimischung in Teemischungen verkaufen. –
      Zugelassen sind inzwischen bestimmte Stevia-Glykoside, also ein Inhaltsstoff von Stevia – die finden sich jetzt auch in offiziell verkauften Süssmitteln.

      Du darfst die Pflanze besitzen und sie für dich auch verwenden. Auch der Verkauf der Pflanze ist nicht verboten – nur der Produkte davon, speziell im Heilmittelmarkt.

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