Gefälscht und verfälscht: Rezepte

Es kommt immer wieder einmal vor, dass in der Apotheke versucht wird, Rezepte einzulösen, die gefälscht sind. Am meisten haben wohl die richtig grossen Apotheken damit zu tun – und solche, die zu ungewöhnlichen Zeiten offen haben: z.B. im Notfalldienst am Wochenende oder abends vor 10 Uhr.

Gefälschte Rezepte zu erkennen ist manchmal gar nicht so einfach. Es gibt allerdings ein paar Warnzeichen:

  • das Rezept lautet auf ein oder mehrere der folgenden Medikamente: Schlafmittel, starke Beruhigungsmittel, starke Schmerzmittel
  • es sind meistens die Grosspackungen
  • der Kunde (oder die Kundin) kommt zu einer Randzeit, wenn der Arzt nicht erreichbar ist. Z.B. Samstag Nachmittag, abends nach 6 Uhr, Sonntags im Notfalldienst, zur Mittagszeit zwischen 12 und 2 Uhr
  • der Kunde zahlt sein Rezept selbst (das ist deutlich)
  • er/sie ist sehr nervös und oder macht auf eilig
  • das Rezept selbst kann manchmal auffällig sein: zu deutlich geschrieben, nicht im typischen Stil gehalten (z.B. 1 Packung statt 1 OP), Farbkopien…

Ich kann mich noch gut an mein erstes gefälschtes Rezept erinnern, das war im 4. Studienjahr zu meiner Praktikumszeit. Es war Mittagszeit, fast 1 Uhr als dieser Junge Mann in die Apotheke kommt. Ich nehme das Rezept entgegen, darauf steht:

1 Packung Dormickum 30 Stück

So ausgeschrieben. In einer Schrift, die eher der eines Schulkindes gleicht (Ärzte schreiben ja oft unleserlich, aber nicht so). Der Stempel fehlt, die Unterschrift ist ebenso lächerlich lesbar. Das Rezept sieht aus wie eine Kopie von einem tipexierten Rezept.

Ich schaue das Rezept an, ich runzle die Stirne und schaue (wohl etwas ungläubig) den Kunden an. Der Gedanke „meint der das wirklich ernst?“ schiesst mir durch den Kopf, dann schaue ich wieder das Rezept. Ich überlege, was ich jetzt wohl tun soll. Offensichtlich hat der junge Mann das gemerkt, denn als ich das nächstemal den Kopf hebe, sehe ich ihn nur noch von hinten aus der Tür verschwinden. Das Rezept hat er mir gleich hiergelassen.

Das korrekte Vorgehen in einem solchen Fall wäre: Abgabe verweigern (oder höchstens eine kleine Packung abgeben wenn man sich nicht sicher ist). Eine Kopie des Rezeptes machen (oder noch besser: einziehen). Bei nächster Gelegenheit beim Arzt nachfragen, ob ein Missbrauch vorliegt. Und wenn das bestätigt ist, macht man ein Fax mit den Angaben an den Kantonsapotheker, der die Info an die anderen Apotheken weiterleitet. Dann sind diese gewarnt und es wird immer schwieriger derart Missbrauch zu treiben.

Es gibt übrigens auch den Fall von verfälschten Rezepten. Dabei handelte es sich um Originalrezepte, auf denen etwas verändert wurde – meistens die Menge oder Dosis. Diese kommen auch bei Stammkunden vor, die auch via Krankenkasse abrechnen können. Meist handelt es sich um die gleiche Art Medikamente. Es gab Kunden, die machten aus einem normalen Rezept ein Dauerrezept. Oder aus einer 100er Packung 200 Stück.

Meist ist der Umgang mit diesen weniger problematisch, als man denkt. Ich kläre derartige Fälle rasch mit dem Arzt ab (das müssen die Kunden nicht unbedingt mitbekommen) und mache sie dann darauf aufmerksam, dass sie halt nur die Menge bekommen, die der Arzt auch verschrieben hat.

28 Antworten auf „Gefälscht und verfälscht: Rezepte

  1. Wird bei euch das Rezept von Hand geschrieben? Hier wird es immer nur ausgedruckt. Ohne technische Mittel hat man es dann mit dem Fälschen schwerer…]

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  2. Hallo Javea, ich denke darüber könnte man diskutieren … die Schrift des Arztes zu fälschen, v.a. wenn sie in der Apotheke bekannt ist, dürfte genauso schwer sein, wie ein Rezept per Computer zu fälschen – vielleicht schwerer, weil man ja mehr als ein Computerausdruck machen kann …
    Aber ich muss zugeben, ich habe noch nicht genug deutsche Rezepte gesehen, um das zu beurteilen.

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    1. Ich glaub da sucht jemand wieder (typischerweise) die Schuld bei jedem anderen.
      :-)
      Ab sowas kann ich nur leicht lächeln.
      (Muss ich noch hinzufügen, dass die Person nach „Rezepte fälschen“ gesucht hat?) q.e.d.

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      1. Grins, nicht ärgern, Bimed… ;-)

        Der Kommentar von Inyaface klingt ja echt gewaltig danach, als ob er oder sie sich unglaublich in Deinem obigen Post selbst erkannt hätte…

        Süchtige tun bekanntlich alles, um an ihren Stoff zu kommen!

        Falls nochmal so ein Junkie diesen Post liest, sollte man vielleicht erwähnen, dass eine Rezeptfälschung eine Urkundenfälschung ist, auf die (zumindest in D) bis zu 5 Jahren Knast stehen, wenn der Apotheker das der Polizei anzeigt.

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        1. Ich liebe es das wort Junkie zu hören… Junk bedeutet Abfall und ein Süchtiger ist nich gleich Abfall! Ich war lange Medi-Abhängig & habe nie Rezepte gefälscht, trotzdem finde ich es traurig so etwas zu lesen!
          Vielleicht sollte man auch erwähnen das diese scheiss Junkies diese Post’s lesen weil sie total verzweifelt sind?!

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  3. Aber wie sicher sind Rezepte denn nun wirklich?
    Ich habe gehört es soll in den großen Städten Automaten geben, wo das Rezept gescannt wird, per Geldkarte bezahlt wird und dann aus einem Fach das Medikament gerutscht kommt. Ich hab noch keins dieser Dinger gesehen und da scheint es mir doch einige Punkte zu geben die dagegen sprechen unter anderem eben auch, ob der Scanner ein gefälschtes von einem echten Rz. unterscheiden könnte? Handschriftliche sind ja schon eher selten geworden, aber ob er diese entziffern könnte. :-) da haben einige PTAs ja schon Probleme.

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  4. HA HA HA Ich hab sogar Kassenrezepte ohne Stress gefälscht erst abgezogen samt Kundendaten ja und wie das weiter geht …………….
    Sag ich nicht aber auf jeden Fall bei Medikamenten wie Modafinil was willst du tun wenn es die Kasse nicht erstattet????????????????????????

    Selbstbezahlen 50st 143Euro
    Tagesbedarf je nach müdigkeit zwischen drei und 12 Tabletten und jetzt sagt mir wer kann das bezahlen?

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    1. Sieh an, ein Troll. Dieses Preis haben Modafinil 100mg 50St. in D nie gehabt. Da weiß jemand ja ganz „genau“, was er tut und wovon er redet. Zumal Modafinil erstattungsfähig ist, wenn man die richtige Krankheit dazu hat (dass die Kasse es dann nicht erstattet, ist also einfach mal gelogen).

      Mal vorausgesetzt, werter „Pharma Drugs Inspector“ – der Nickname läßt ja tief blicken und ist in sich auch noch gnadenlos falsch -, die Kasse erstattet es nicht, weil man a) gar nicht versichert ist, oder b) die private Versicherung nicht bezahlt hat, so dass sie eingereichte Rezepte mit den Außenständen verrechnet, oder c) man einfach nicht die richtige Krankheit hat, und der Arzt es deswegen nicht vordnet, ergibt sich zumeist d) Medikamentenmissbrauch. Der ist zwar an sich nicht strafbar, aber Diebstahl/Fälschung von Rezeptformularen, Urkundenfälschung, führen eines gefälschten Titels, Betrug (gegen Arzt, Apotheke, Krankenkasse und Solidargemeinschaft), und ich vermute auch mal Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz (wegen unzulässigem Handel mit Arzneimitteln) können wir locker auf die Liste setzen.

      Wie schön ist doch diese moderne Welt, in der man sich berufs- und freizeittechnisch ordentlich dopt, damit man länger arbeiten und dann das Wochenende durchtanzen kann. Zu blöd, wenn einem das Universum dann die Rechnung in Form von Arzneimittelabhängigkeit und Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Angst, Depressionen, Denkstörungen, Verwirrheit, Übekleit (und das sind bei weitem noch nicht alle) präsentiert. Mal drüber nachdenken: Es gibt NICHTS umsonst auf dieser Welt – nicht mal den Tod, denn der kostet das Leben (und Bestattergebühren)… (Kann man bei Undertaker TOMs Blog nachlesen.)

      Übrigens: Es gibt durchaus Hilfsangebote. Man muss sie natürlich annehmen. Und dazu muss man sich selbst eingestehen, dass man ein schwerwiegendes Problem hat. Solange man immer alle anderen für die eigenen Probleme verantwortlich macht, die man ja so wunderbar mit einer Tablette/Spritze/Line/Tüte/Flasche lösen kann, lebt es sich doch gleich viel besser. Sucht ist eine Krankheit. Aber KEINE Krankheit läßt sich heilen, wenn der Erkrankte nicht gewillt ist, bei der Heilung mitzuhelfen. Sorry, aber so ist es nun mal!

      [sarkasmus] Und überhaupt sind nur die Ärzte/Apotheker/Reinigungsfachkräfte/Kinder/Alten/Übersiedler/Reiche/Asylanten/Arbeitslose/Lehrer/Studenten/Taxifahrer/Ausländer/Linke/Autonome/oderwerauchimmer schuld! Die Welt kann ja so einfach sein.[/sarkasmus]

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      1. Aber Gedankenknick – Du sollst doch Trolle nicht füttern :-)
        Danke trotzdem für die Ausführungen.
        Was den Preis des Modafinils angeht … vielleicht meint er den auf der „Gasse“?

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        1. Warum jemand süchtig wird ist eine komplexe Angelegenheit wo es verschiedene Uhrsachen dafür gibt. Es hat mit sich selbst(Psyche,Persöndlichkeit,Genetik)wie auch der äusseren Bedingungen in welcher ein,,suchtanfälliger ,,Mensch lebt , zu tun. Nun ich bin Medikamentensüchtig, und ich Kämpfe schon die Hälfte meines Lebens davon weggzukommen, da nur ich es schaffen kann u niemand es für mich tun kann , der Beginn meiner Sucht schreibe ich jedoch klar gewissen Ärten u Apotheken zu, welche mir schon mi 15 Jahren unkontroliert Benzodiazepine u Stimmulanzien des Amphetamin Typ’s ohne Absprache mit meinen Eltern, Schachtelweise und auf lange Dauer verschrieben hatten wegen meinen psychischen Krankheiten welche man mit mehr Aufmerksamkeit sicher besser hätte behandeln können. Ich finde es also scheinheilig wenn eine Aphotheke im Schutz des ,,Almächtigen‘ Artztes einem 15 jährigen Schachteln mit Tavor(Lorazepam) Xanax (Alprazolam)Stillnox(Zolpidem) u Ritalin ( Methylphenidat) in die Hände drücken u fett daran verdienen….. Aber ein paar Jahre später Entsetzt darüber sind u Straffanzeige fordern, weil der nun Erwachsene also ich in der totalen Verzweiflung ein Rezept ihnen in die Hände reicht, welches man von 100 Meter sieht das es falsch ist ,zu einem Krimminellen Junkie abstempeln. Es ist der Apotheke Scheiss egal was, in welcher Menge u egal auf welche Dauer sie für Gift verkaufen können, solange ein Unfähiger Arzt welcher soviso Immunität geniesst, ihnen die Erlaubniss zum Dielen erteilt.Ich mache mir täglich vorwürffe weil ich süchtig bin u mich langsam selbst Zerstöre. Jeder Aphotheker/in sollte dies auch sofern sie Dauerrezepte auf Benzodiazepine in ihrer Aphotheke angenommen haben oder Kindern selbs 100er Packungen Ritalin in die Hände drücken u die Kasse klingelt. Ich bin süchtig, auf das bin ich nicht stolz, aber ich habe noch kein einziges mal an der Sucht eines Abderen provitiert, also knickt mal Eure Gedanken, bevor ihr Steine wirft und dabei selbst im Glashaus sitzten. Lg. F

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  5. Zu meinem ersten Tex’t möchte ich noch erläutern, das ich nicht die grosse Mehrheit von Ärtzten u Apotheken für ,, Dealer “ halte und sie n meiner Suchtentwicklung alleine Schuld sind! Auch haben die meisten zum Missbrauch,, geeigneten Medikamente richtig angewendet einen vertrehtbare Indikation wobei sie dann auch mehrheitlich keine Abhängikeit verursachen. Leider kenne ich Leute welche jede Woche eine 100 Packung Dormikum verschrieben haben, wobei 2/3 der Packung , (1 stück für 7 Fr.) Danach im Schwarzmarkt widerzufinden sind.Mein Bericht bezieht sich auf solche Ärtzte und solche Apotheken welche solches ermöglichen, od. Eben Äetzte die wie mir noch als Teenager völlig leichtsinnig eine Suchtkariere ins Rollen bringen , denn zuvor hatte ich kein Suchtproblem und dachte mir etwas , was mir der Artzt gibt, kann doch gar nicht gefährlich sein, und ohne das man es merkt verstreichen 2-3 Monate mit einer Üblichen Dosis Xanax und einestages merkt man dann wie tief man schon in der Sucht ist, dann streicht einem der Arzt das Medikament per sovort ( war bei mir so) und schon war ich gezwungen die Pillen auf der Strasse zu kaufen wo auch dann die Illegalwn Drogen auch nicht mehr weit wegg sind. So einfach kann eine Drogenkariere beginnen, wenn dazu noch andere Probleme noch den anderen Faktor ausmacht. Trotz 3 Jähriger Abstinenz, bin ich wieder zurück im Deogensunf… Und mit was hat’s begonnen, mit den lange Zeit völlig verharmlosten Benzos….

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  6. Ich fühle mich jetzt einfach mal angesprochen, da der obige Kommentar vermutlich eine (indirekte) Antwort auf meine Antwort war. Zuallererst vermute ich jedoch, dass „Franz“ jemand ganz anderes ist als der „Pharma Drugs Inspector“. Zum Verständnis meines obigen Kommentars sollte man vielleicht erwähnen, dass ich (wenn ich mich korrekt erinnere) einige Zeit vorher hier im Forum von einem vermutlich medikamenten- und drogenabhängigen Leser schriftlich angegriffen wurde ob meines Berufs und meiner Meinung zur „Beschaffungskriminalität“ und zur anschließenden „Vertickung“ der so beschafften Arzneimittel. Um es zusammenzufassen ging es genau darum, sich auf gefälschten (Kassen)Rezepten Arzneimittel mit hohem Suchtpotential eben nicht nur zum Eigengebrauch zu beschaffen – was schlimm genug ist – sondern diese dann gewinnbringend an Abhängige weiter zu verkaufen. (Was nach Ansicht dieses Menschen einen rechtschaffenen Lebenswandel repräsentiert, den ich durch Abgabeverweigerung zu torpedieren versuchen würde.) Ich habe jetzt keine Lust und halte es auch nicht für zielführend, die fraglichen Kommentare alle herauszusuchen.

    Der hier beschriebene Weg in die Sucht ist bezeichnend und vermutlich leider auch nicht alleinig. Nachdenklich macht mich die Verschreibung und die Einnahme der Medikamente „an den Eltern vorbei“, wozu man wissen sollte, dass gemäß (modernem) Datenschutzrecht die Eltern eines 15jährigen nicht einfach durch das medizinische und pharmazeutische Personal in die Behandlung „eingeweiht“ werden dürfen – dazu muss der Patient seine Zustimmung geben. Vielleicht hatten Sie Gründe, Ihre Eltern nicht in die Behandlung „einzuweihen“ bzw. einzubeziehen, vielleicht war Ihnen dies auch einfach nicht bewußt – ich weiß es genau so wenig wie den Zeitraum, in dem dies alles passiert ist, und wie damals die schweizer Rechtslage aussah.

    Dass es ´Dormicum´ in Deutschland in einer anderen Packungsgröße (und ich glaube auch in anderer Stärke) als in der Schweiz gibt, wurde auch schon an anderer Stelle besprochen. Wenn ich mir aber überlege, dass in D eine 20iger Schachtel alles in allem (inklusive dem „luxuriösen“ Verdienst der Apotheke) für knapp 25€ (Privatrezept) gibt, und der Straßenpreis dann anschließend pro Tablette knapp 6€ (also die Schachtel dann ca. 120€ kostet) betragen soll frage ich mich, wer bei diesem Geschäft der „große Gewinner“ ist. Der Gewinn einer Apotheke wird gemeinhin überschätzt – und dieses Klischee wird durch Politik, einige Lobbyorganisationen und auch den Gesetzlichen Krankenversicherungen immer wieder gerne hochgekocht und aufgebauscht. Anbei, das derzeitige Apothekensterben in Deutschland hat seine Gründe…

    Auch denke ich, dass abhängige Menschen nicht dumm sind. Der Begriff „Arzthopping“ existiert nicht ohne Grund, und aus genau demselben Hintergrund wird dann durchaus auch „Apothekenhopping“ betrieben. Wenn man die fraglichen Rezepte eben nicht in nur einer Apotheke einlöst, sondern einen „Turnus“ einhält, so dass man einerseits immer mit den Rezepten des selben Arztes und andererseits auch immer zu den passenden Zeiten (sinnvoll dosiert aufgebraucht) in der selben Apotheke gesichtet wird, ist dass Misstrauen leidlich gering. Ich möchte dass jetzt zwar als speziellen Fall anführen und gnadenlos verallgemeinern, kenne da aber mehr als nur einen Kandidaten. Und unter das BtM-Recht fallende Wirkstoffe händige ich – und ich kann jetzt nur für „meine“ Apotheke sprechen – übrigens äußerst ungern einem begrenzt geschäftsfähigen Menschen (sprich Kind) aus, und versuche, dieses aktiv zu vermeiden. Wer aber schon mal eine Familie gesehen hat, wo das 11-jährige Kind (unter Methylphenidat) den Haushalt regelt, während der Erziehungsberechtigte vor Computer und Fernseher abhängt, der zweifelt schon mal am System. Nur soll ich in so einem Augenblick die Reste dieser Familienstruktur zerlegen, in dem ich den Erziehungsberechtigten aufgrund eines einzelnen Eindrucks beim Jugendamt anzeige? Oder mache ich damit eventuell noch viel mehr kaputt, weil mich mein (einmaliges) Erlebnis täuschte?

    Ich kann verstehen, dass man nach einschlägigen Erfahrungen mit einem weniger guten Arzt (bzw. Apotheker) das Vertrauen in große Teile dieser Berufsgruppe(n) verliert. Aber das mit der Verallgemeinerung geht wie so oft in beide Richtungen. So wie ich den Begriff „Junkie“ selten gebrauche, möchte ich mich selbst auch nicht verallgemeinern lassen. Eines der Probleme selber ist dabei meiner Meinung nach, das eine (Straf)Tat erst einmal wertungsfrei eine (Straf)Tat ist. Dies sagt weder etwas über Motivation bzw. Beweggründe noch über die Folgen dieser Tat aus. Nicht umsonst kennt das Strafrecht Ermessensspielräume bei der Strafzuweisung, um eben nachvollziehbare(re) Beweggründe anders zu bestrafen als unmoralische(re). Und ein Rezept zu fälschen ist nun einmal eine Straftat, auch wenn es „aus gutem Grund“ gemacht wird. (Übrigens ist das Beliefern offensichtlich gefälschter Rezepte auch eine Straftat, aber das nur am Rande.) Ein anderes Problem ist, dass es oft genug aus dem Wald heraus schallt, wie man hinein gerufen hat. (Und hier schließe ich mich auch nicht aus – womit meine Bissigkeit im obigen Kommentar vielleicht etwas nachvollziehbarer wird.)

    Dass Ärzte und Apotheker „Immunität genießen“ würden stimmt so zumindest in Deutschland nicht. Siehe z.B. hier: oder hier Sicher ist es nicht einfach, einen Arzt bzw. Apotheker auf einen Fehler zu verklagen. Und vom Gericht bekommt man nicht zwangsläufig Recht, sondern hauptsächlich ein Urteil. (Niemand weiß das besser als die deutschen Apotheker, die immer wieder vom BundesSozialGericht „verkaspert“ werden, wenn es um die Bezahlung durch die Gesetzlichen KrankenVersicherungen geht.) Und dass allein die Überwindung zu diesem Vorgehen äußerst schwer fallen dürfte – mit allen Fristen, juristischen Spitzfindigkeiten und den ständigen Wiederholungen und Erinnerungen an genau jener schweren Zeit der damaligen Behandlung – kann ich mir durchaus ausmalen. Allein der Gedanke daran schreckt ab.

    Dass es Apothekern „nur um die Bezahlung geht“ ist jedoch eine Verallgemeinerung, die so einfach nicht stimmt. Oft genug wird abgeraten von Produkten. Oft genug wird der Arzt wegen Problemen kontaktiert. Oft genug blitzt man bei der Praxis ab, weil man dort z.B. nur den Betriebsablauf stört… Dass die Apotheke nach Ausräumung von Unklarheiten auch einer Belieferungsverpflichtung („Kontrahierungszwang“) unterliegt, wird auch immer wieder gern vergessen zu erwähnen. Wenn der Arzt mit Nachdruck versichert, die Probleme seien berücksichtigt, und der Patient nicht akuten schweren Schaden nehmen wird, muss ich letzthin liefern. Selbst dann, wenn ich wirtschaftlich Minus dabei mache. (Hier sei mal der langjährige Rechtsstreit um „Berinert P“ erwähnt – da hat die deutsche Apotheke pro Packung ca. 50€ MINUS dran gemacht, weil sie Herstellerrabatte abführen musste, die der Hersteller gar nicht bezahlt hat. Eine Ablehnen der Rezeptbelieferung war/ist dabei übrigens auch eine Straftat – oder zumidest eine Ordnungswidrigkeit.) Nur der schnöde Mammon bestimmt da das Handeln weniger als wohl eher die Berufsehre…

    Ansonsten bleibt mir, Ihnen zu wünschen, dass Sie es möglichst bald schaffen, sich aus dem Drogensumpf zu befreien – vielleicht mit adäquater Hilfe. Und Ihnen zu wünschen, dass Sie dann ein rückfallfreies Leben leben.

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    1. Ich habe ein NICHT vergessen… 4. Absatz, ich möchte dieses spezielle Beispiel eben NICHT gnadenlos verallgemeinern… Sonst ergibt das keinen Sinn.

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  7. Eigendlich habe ich versucht im zweiten Text, die Veralgemeinerun zurückzunehmen….. Du kannst es lesen, ganz am Anfang….ich denke aber grundsätzlich gelten in der Schweiz andere Regeln. Ein gutes Beispil ist das zB.,Toquilone ( methaqualon) bis vor etwa 8 Jahren aus dem Markt gezogen wurde und vorher ein gängiges Hypnotikum war, wo es zB. In den USA schon in den 80 Jaren zurückgezogen wurde, auch Rohypnol ( Flunitrazepam) Halzion ( Triazolam), Dormicum ( midazolam) , Mogadon ( Nitrazepam) , sind in der Schweiz noch oft verschriebene Medis. Zudem wird zB. Ritalin nicht selten in Dosen von 80-100 mg verschrieben obwohl 60mg die Höchstleistung wäre. Dihydrocodein ist sogar in 200 mg Tropfen ohne Rezept erhältlich. STilnox ( Zolpidem) und Imovane ( Zopiklone) wurden mir in der Doppelten höchstdosis in der Entzugsanstallt als ich 18 Jahre alt war als die neue nicht süchtig machende Generation verschrieben, ich hätte beides über Jahre sowie ich auch Xanax 6 mg/Tag über Jahre verschrieben bekam. Somit landete ich mit 20 Jahren in der Statlichen Heroinabgabe. Ich war aber auch schon 3 Jahre clean ( nicht mal Zigareten u ein Schluck Alkohol) als ich aus eigenem Willen das Heroinprogram wo man sich reines Diazetylmorphin Spritzen kann sovern man über 2 Jahre süchtig ist u min. 2 Stat.Entzüge gemacht, od. Auch abgebrochen hat. Ich habe sicher 12 Stationäre Entzüge sovie 4 Langzeitherapien ( in de Bergen), auf dem Bauernhof in Slovenien, In einer Hauptsächlich auf Psychotherapie und gleichzeitiger Militärischen strenge, abgeschottet im Wald als Selbsternärer ( kein Strom, Kühlschrank, warm Wasser,Schafe hüten u dann selber schlachten usw. Gemacht, ich hatte immer wieder Abstinente Phasen, so und nun habe ich’s zwar von den illegalen Drogen Geschaft wegzukommen, aber dafür wieder eine Unmenge an Medis welche zwar wenigstens sauber sind, aber mindestens so schwer davon Wegg zu kommen. In der Schweiz kann man die meisten Therapien gar nicht bezahlen, dafür ist Substitution gang u gäbe. Ich denke in der Schweiz will man alles mit Medikamenten regeln, obwohl sie nicht billig sind, sind sie immer noch billiger als genügend Fachpersonal welche sich wirklich um einen kümmern auszubilden und zu bezahlen.Es ist doch unlogisch jemandem zuerst leichtfertig klar süchtig machende Stoffe über Monate bis jahre in der Adoleszens für ein psychisches Problem zu geben ( natürlich braucht man diese Medis für akkutsituationen, evtl. Auch für 4 Wochen) , aber wenn Dan die Sucht dazukommt u das Problem eben wegen diesen Medis ( da sie ein veränderungs Prozess verunmöglichen) noch da ist zu sagen, dass es auch ohne gehen muss, da ich jetzt süchtig bin. Es ist doch irsinnig zuerst ein Problem mit Suchtmitteln symptomatisch zu behandeln und als bald die Person süchtig ist heisst es dass ich diese Medis nicht brauche um wirklich gesund zu werden. Da wär es doch viel einfacher, sich zu Beginn einer psychischen Krankheit sich Richtig zu kümmern, als jemand labilem Suchtmittel zu geben u so bald man es nicht mehr im Griff hat doppelt soviel Aufwand zu betreiben müssen weil man nun nicht mehr einfach eine Pille geben kann.Wie soll ich nun den Berg von Problemen ohne Medikamente lösen, der Berg wo man damals sagte nehmen sie das und das und nun ist er doppelt so gross und es heiss, sie müssen es ohne Medis Schafen. Das ist doch Paradox. Wenn man heute hört das Heroin, Pervitin u Cocain sovie die Barbiturate früher gang u gebe waren u sich heute darüber an den Kopf langt, das in 50 Jahen nicht dasselbe mit den heutigen Medikamenten passiert, aber leider denke ich das es so sein wird. Vielen Dank für die Zeit meine kritischen Komentare zu lesen und hoffe das es den einten od. Anderen bewusster wird, was sie zT. für gefährliche Sachen verkaufen. Und ich hoffe das ich es schaffe Strategien zu Entwickeln , woran ich mich halten kann, denn ich stützte mich nach 15 Jahren Spychopharmaka nur noch an Tabletten welche die Wirkung mehr und mehr verlieren. Gruss. Franz

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  8. Übrigens , ich hatte den Eltern gesagt das ich das und das bekommen habe, leider dachten sie dasselbe wie ich, was vom Doktor kommt ist gesund u somit, kümmerten sich diese nicht darum, bis ich einmal mit ihnen zu der Grossmutter , paar Tage in die Ferien gieng und die Medis vergas und plötzlich schlimme Symtome bekam und erst nach einer Weile darauf gekommen sind das es die Fehlenden medis waren.Als ich dem Arzt davon erzählte verschrieb er mir mehre Packungen div. Medis u sagte wie ich es abbauen soll, leider gab er mir die Betäubungsmittelrezepte in die Hand, und so wie es halt ist, kann ein süchtig gewordener das ausschleichen leider nicht gut alleine bewältigen, da ich psychisch sehr labil war, so waren die Packungen bald lehr und ich ging auf die Gasse wo ich dann ( weil es dort nicht genau dasselbe gab) auch in Kontakt zu illegalen Drogen kam, da ich mir dort gesagt würde das Kokain ähnlich wie ritalin und Rohypnol u Dormikum ähnlich wie Xanax u Tavor sei. Etwas später Verkäufe mir dann einer Heroin als Bio – Koks da es bräunlich war und schon war ich an der Endstation. Natürlich würde jemand gefestigter nicht so handeln, aber jemand der wegen schweren Depressionen schon das ein Jahr in der Klinik verbrachte, sollte man eigendlich etwas vorsichtiger behandeln….. Der Arzt der mir das Zeug verschrieb erzählte mir, wie diese mittel im überhaupt sein Studium ermöglicht haben und sage noch das wenn man mehr als so und soviel nimmt man wie auf Ecstasy ist…. Aber ungefährlich! Und was macht ein 15 Jähriger in diesem fall, natürlich es ausprobieren denn sonst habe ich niemand gekannt wo sovas hat……Glauben sie mir , dieser Psychiater hat schon Patienten viel, viel zu spät in die Klinik eingewiesen oder er vergas mehre mal mein Namen. Das mit den Patienten weis ich weil meine Schwester Krankenschwester in der pädiatrischen Klinik war.aber für Psychiater gibt es in der Schweiz Weine Beschwerdenstelle u wenn schon, als psychisch Kranker, glaubt eh niemandem wenn er gegen einen Psychiater sich beschweren will….

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  9. Ich finde es schon interessant, das gerade Apotheker, also die Leute welche zum einen das Heroin, Cocain , , Amphetamine, Morphium, Ketamin , die Barbiturate,die Benzodiazepine usw. isoliert oder synthetisiert haben und welche nun Substitutionsmittel wie Methadon, Buprenorphin usw. an Süchtige abgeben schreiben,, süchtige tun bekanntlich alljes…. Wenn wieder so ein Junkie…. Von Bimed zu hören bekomme und auch Gedankenknigge zuerst abschätzig kommentierte und obwohl respektvoll geschrieben, keine Spur Kritik an seiner Gattung annimmt und Pharmamma voller Bewunderung zustimmt. Ich schätzte es aber von Gedankenknighe das er sich Zeit nahm, Internet Seiten für mich anzeigte u alles gute wünschte. Dies heisst für mich, das er zwar kein ehrliches Verständniss für die. Krankheit Sucht hat( Artikel zuvor!!!) jedoch , ein Mensch ist der differenziert und respektvoll mit einem Umgeht und Kritik Sachlich zu bewerten weiss, was eine grosse Tugend ist, da man mit solchen Menachen auch im Konflickt respecktvoll reden kann. Genau dies erwarte ich von einem Aphotheker sowie dieser auch erwarten Darf das man ihn mit Fälschungen bescheisst.mit freundlichen Grüssen.Franz

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    1. Apotheker ist ein Beruf, keine Gattung.
      und den habe ich die letzte paar Tage intensiv ausgeübt, weshalb ich hier auch nicht viel geschrieben habe.
      Aber Nur weil die Kritik nicht kommentiert wurde von mir, heisst das nicht, dass ich das nicht gelesen habe. Gedankenknicks Antwort war in meinen Augen sehr gut.
      Ob Krankheit wirklich eine Sucht selber ist, ist diskutabel – Du selber scheinst ja nicht der Meinung zu sein, da Du die Schuld bei Dir dafür beim Arzt, der verschrieb und dem Apotheker, der abgab suchst. Wenn Sucht eine Krankheit ist … wärst Du dann nicht sowieso da gelandet??
      Keine Entschuldigung für Ärzte, die unreflektiert verschreiben oder Apotheker, die unreflektiert abgeben … es gibt überall gute und schlechte. Ich hoffe, zu den guten zu gehören … jedenfalls bekommt man von mir nicht so einfach zu früh und zu viel abhängig machende Substanzen, ich führe regelmässig Diskussionen und muss wegen dem herum telefonieren. Das macht mir nichts, solange die Beziehung mit dem Patienten auf gegenseitigem Respekt beruht … und ich auch merke, dass Einsicht und Bemühen da sind.
      Anlügen und bescheissen lasse ich mich aber nicht. Da gilt die Sucht nur als Ausrede.

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      1. Zitat: „Ob Krankheit wirklich eine Sucht selber ist, ist diskutabel – Du selber scheinst ja nicht der Meinung zu sein, da Du die Schuld bei Dir dafür beim Arzt, der verschrieb und dem Apotheker, der abgab suchst. Wenn Sucht eine Krankheit ist … wärst Du dann nicht sowieso da gelandet??“

        Oh, das ist mal eine Aussage… :-o
        Würde irgendjemand auf die Idee kommen, Depressionen auf diese Weise als Krankheit in Frage zu stellen (weil bei Depressionen ja zu grossem Teil auch die Umstände ‚Schuld‘ sind), wird er von Tausenden von Betroffenen gleich scharf abgekanzelt…
        Aber seltsamerweise ist diese Ansicht weit verbreitet und auch gut anerkannt: Depressive sind arme Leute, die nichts dafür können, dass sie an einer schweren Krankheit leiden, und Süchtige sind Versager, die selbst Schuld sind an ihrem Zustand.
        Weshalb sollen Depressive nichts können für ihren Zustand, aber Süchtige schon? Das begreife ich nicht…

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    2. Ich würde gerne vier unterschiedliche Aspekte nochmals betrachten:

      Einerseits meine „abschätzigen Kommentare“ sowie dass ich „keine Spur Kritik an seinem Berufsstand annehme“. Dies scheint mir in eine Linie gesetzt mit „den Apotheker, die Heroin, Amphetamine, Morphin, Ketamin, Barbiturate usw. isoliert und synthetisiert haben“. Zum zweiteren komme ich bei Punkt 3. Der „abschätzige Kommentar“ entsprang, wie ich bereits zu erklären versucht habe, einer Reaktion auf eine Kette von verbalen Angriffen durch unterschiedliche Postings in diesem Blog mir gegenüber durch einen Leser, der es für völlig normal und sinnvoll hielt (oder immer noch hält?), sich einerseits durchs Leben und durch den Beruf zu dopen, und andererseits andere Menschen in ihrer Sucht (gewinnbringend) zu unterstützen oder gar diese süchtig zu machen. Auch war es für diesen Mitmenschen ganz natürlich, zur Erreichung dieser Ziele Dritte aktiv zu betrügen und/oder zu schädigen (hier vor allem Ärzte, Apotheker, die Solidargemeinschaft). Die Erklärung dafür war, dass die Gesellschaft dies einerseits so fordert (ständige überhöhte Leistungsfähigkeit), und die Solidargemeinschaft gefälligst zur Behebung der daraus resultierenden „Kollateralschäden am menschlichen Objekt“ aufkommen muss, denn dazu sei sie ja als „Allgemeinversicherung des Individuums“ da. Dieser Leser wählte andere Worte. Und ich reagiere auf solche Äußerungen nun einmal wenig verständnisvoll, das gebe ich zu. Wenn man meine fraglichen Aussage(n) ohne dieses Umfeld betrachtet, sind diese sicher provokant. Die Kritik an meinem Berufsstand kann ich nur hinnehmen. Da mir weitere Informationen fehlen, kann ich diese Aussagen weder positiv noch negativ bescheiden. Ich selber hoffe auch, einer der „Guten“ zu sein, die versuchen, in fraglichen Situationen zu intervenieren. Dies gelingt nicht immer, aus unterschiedlichen Gründen, die hier den Rahmen meiner sowieso schon ausufernden Antwort komplett sprengen würden. Zu denken, ich würde nicht über mich und meinen Berufsstand reflektieren, greift aber etwas kurz. Ich will hier niemanden falsch in Schutz nehmen oder falsch verdächtigen. Aber sollte ein aprobierter Arzt bzw. Psychologe tatsächlich einem ihm schutzbefohlenen labilen Patienten Schwänke aus seinem Werdegang erzählt haben, wie er mit Arzneimittelmissbrauch durchs Studium gekommen sei, ist dieser für mich untragbar. Schon der bewußte und wiederholte (!) Missbrauch psychotroper Substanzen zur eigenen Leistungssteigerung disqualifiziert diesen Menschen aus meiner bescheidenen Sicht für psychologische bzw. psychotherapeutische Arbeiten, nicht nur direkt mit Schutzbefohlenen, sondern überhaupt. Allerdings habe ich auch schon Menschen mit einer Abhängigkeit zu bestimmten Arzneimitteln (ich rede jetzt sehr bewußt nicht von Sucht) auf dieses Problem hingewiesen und Lösungsstrategien aufgezeigt. Ich für meinen Teil stoße dabei sehr oft auf taube Ohren, oder gar auf aktive Verleugnung. Später konnte ich mir dann aber durchaus zu Gemüte führen, dass ich ja „nie auf so etwas hingewiesen hätte“. Hier gibt es durchaus Tendenzen selektiver Wahrnehmung zu beobachten (von denen ich mich selber als Individuum auch nicht ausschließe). Wobei ich durchaus von Einzelbeobachtungen rede und daraus keine allgemeine Gültigkeit ableiten kann und möchte. Ein anderes Beispiel ist, dass ich prinzipiell vom Kauf von „Raucherentwöhnungsmittel“ abrate, wenn diese für eine Dritte Person als „Geschenk“ gedacht sind, oder wenn während des Beratungsgesprächs heraus kommt, dass diese Person sich über ihren „Rauchstopp“ noch gar nicht schlüssig ist. Auch Nikotin macht süchtig – und aus meiner Erfahrung heraus braucht man nicht antreten mit „gut gemeinten Hilfen“, wenn der Süchtige selbst eine Änderung seines Verhaltens nicht einsieht oder sich noch nicht einmal die Sucht eingesteht. Dies gilt meiner Erfahrung nach übrigens für so ziemlich alle Süchte, egal ob auf chemischer (Alkohol, Nikotin, „Drogen“) oder psychologischer (z.B. Spielsucht) Basis.

      Zweitens „habe ich kein ehrliches Verständnis für die Krankheit ´Sucht´“. Etwas zu verstehen zu versuchen heißt nicht gleichzeitig, diese Erfahrung(en) auch schon selbst gemacht zu haben. Ich habe bisher glücklicherweise noch keine Suchtepisode selber durchleben müssen. Ich habe mich bisher allerdings auch aktiv von psychotropen BtM-Substanzen fern gehalten – auch von kostenlosen Probe-Angeboten. Mein einziger direkter körperlicher Kontakt zu Tetrahydrocannabinol war das Passivrauchen bei der Bundeswehr – ohne für mich aktiv wahrnehmbare Auswirkungen. (Ich habe aber auch schon von Menschen gehört, die einen „Bad-Flash“ durchs Passivrauchen von Joints hatten.) Und – ich muss zu meiner Schade gestehen – ich stehe Alkohol nicht ablehnend gegenüber, was ich an unterschiedlichen Stellen auch schon erwähnte, und was durchaus in Zukunft ein Gefahrenpotenzial für mich bergen könnte. Dies alles macht mich nicht zum „Sucht-Experten“ und befähigt mich erst recht nicht, eine Suchtepisode nachvollziehen, verstehen zu können. Was hierbei aus meiner Sicht leider immer wieder durcheinander gebracht wird, ist jedoch, dass ich dem Süchtigen gegenüber durchaus Verständnis entgegenzubringen versuche – dass ich jedoch für Beschaffungskriminalität wenig bis gar keine Toleranz habe. Beschaffungskriminalität ist nun einmal Kriminalität. Hierbei wird IMMER ein Dritter geschädigt, egal ob es nun die ihrer Handtasche entrissene ältere Dame auf der Straße, der bedrohte Apotheker oder die um den Rezepterstattungsbetrag geprellte Solidargemeinschaft ist. (Die Krankenkassen sind sich übrigens nicht zu Schade, diesen Betrag bei der nächsten Rezeptabrechnung dem Apotheker wieder komplett abzuziehen, selbst wenn bei „normaler“ Prüfung des Rezepts dieses nicht als Fälschung zu erkennen war.) Auch wird aus meiner Sicht heraus sehr gerne „Verständnis für die Krankheit ´Sucht´ und den Süchtigen“ mit „Toleranz der Krankheit ´Sucht´“ oder gar „aktive Unterstützung der Krankheit ´Sucht´“ gleich gesetzt oder gar verwechselt. Bei einer Weiterbildung durch einen Sucht-Therapeuten wurde mir vermittelt, dass eine Behandlung von Sucht nur möglich ist, wenn das soziale Umfeld des Süchtigen eine Null-Toleranz gegen die Sucht an den Tag legt. Eine aktive Unterstützung bestärkt den Süchtigen in seiner Erkrankung genau so wie eine passive Unterstützung (= teilnamslose Duldung) der Sucht. Hier möchte ich aber betonen, dass man eine „aktive bzw. passive Unterstützung“ nicht mit einer Behandlung verwechseln darf, auch wenn bei dieser Behandlung Substitutionsmittel eingesetzt werden. Eine aktive (und auch eine passive) Unterstützung der Sucht führt zur weiteren Schädigung des Süchtigen durch die Sucht, auch wenn es der Süchtige selber im Augenblick der Suchtepisode sicher anders erlebt. Um diesen Absatz abzuschließen: Verständnis ist nicht gleich Toleranz, und die Auswirkungen einer Sucht muss ich nicht zwangsläufig tolerieren, auch wenn ich für den Süchtigen Verständnis habe.

      Drittens – die Isolation bzw. Entwicklung potentiell psychotroper Substantzen durch Apotheker. Die Nutzung psychotroper Substanzen sind so alt wie die Menschheitsgeschichte. Und genauso alt ist die Zugangsbeschränkung zu diesen psychotropen Substanzen. Dabei ist es unerheblich, ob es um Opium im alten Ägypten oder mescalinhaltiger Kakteen bei amerikanischen Ureinwohnern geht – oder schlicht Alkohol hergestellt durch kauen zuckerhaltiger Pflanzenteile, die dann ausgespuckt, gesammelt und vergohren werden. (Eine weniger leckere Vorstellung für mich, aber das nur am Rande.) Einher ging mit der Nutzung dieser Substanzen auch immer eine Zugangsbeschränkung zu diesen Substanzen. Heranwachsende waren meines Wissens nach immer vom Gebrauch ausgeschlossen, oft hatten nur bestimmte Einzelpersonen im Zuge von Ritualen (seltenen) Zugang zu diesen Wirkstoffen. Dies änderte sich rapide mit der Entwicklung großindustrieller Chemie (Massenproduktion) im Zusammenhang mit der Veränderung der Lebensgemeinschaften zu anonymeren Städten (Wegfall von Kontrollinstanzen im „großfamiliären Umfeld“). Die große Frage dürfte nun sein, ob der Entwickler/Entdecker einer Substanz mit ambivalenten Eigenschaften (Hilfe vs. Suchtpotential) für die spätere Verwendung durch ihm unbekannte Einzelpersonen verantwortlich gemacht werden kann. Ist jeder Soldat ein Mörder, weil es in allen Jahrhunderten Kriege gegeben hat, in denen Soldaten mordeten? Ist jeder Chemiker für die Verwendung von Sarin im 1. WK verantwortlich? Ist jeder Ingenieur für mehrere tausend Verkehrstote pro Jahr in Deutschland verantwortlich? Sind Messerhersteller für das selbstschädigende Verhalten von Borderline-Patienten verantwortlich? Hinzu kommt, dass man natürlich diese Substanzen noch weiter beschränken könnte – alle verbieten und gut wäre es. Aber ergibt das mehr Sinn als der jetzige Zustand? Wäre es sinnvoll, Tumorpatienten den Zugang zu Schmerzmitteln wie Fentanyl, Buprenophin, Oxycodon oder auch Morphin zu nehmen? Ich selber hatte mal eine Zahnwuzelentzüdung, deren Schmerzen ich auf der Schmerzskala mit 9,5 (höchster Score 10 – unerträglich) eingestuft hätte. Dabei war mir trotzdem bewußt, dass Tumorpatienten oder z.B. ein Unfallpatient durchaus wesentlich schlimmeres durchmachen. Ketamin hat unter anderem eine Zulassung zur Behandlung des „therapieresistenten Status asthmaticus“. Ist es sinnvoll, Asthmatiker ersticken zu lassen, weil es Menschen gibt, die Ketamin (zumeist wissentlich) missbräuchlich verwenden? Dieses Problem erstreckt sich aber auch auf „nicht süchtig machende“ Lebensbereiche – sollte man Testosteronderivate verbieten, die einigen Menschen ein Leben in dem Geschlecht ermöglichen, welches sie psychisch sind aber biologisch nicht waren, nur weil einige andere Menschen diese missbräuchlich zum Muskelaufbau und zur (wissentlichen!) Schädigung ihres Herz-Kreislauf-Systems einsetzen? Ich bin kein Philosoph, aber dieses Dilemma sollte meiner Meinung nach zugunsten der Hilfebedürftigen Menschen entschieden werden. Und damit sind wir wieder beim Ausgangsthema: Sind Süchtige hilfebedürftig? Meines Erachtens: Ja. Sollte diese Hilfe in Unterstützung der Sucht bestehen? Meine bescheidene Einzelmeinung: Nein! Dass Heroin ein Holzweg war, wurde übrigens spätestens 1904 herausgefunden – unabhängig davon scheint es sich auch noch heute einiger Beliebtheit zu erfreuen, denn letzthin ist es in der Synthese billig wie nichts sonst (so man an fragliches Ausgangsmaterial im goldenen Dreieck heran kommt) und in der Wirkung extrem. Und betreffend z.B. der Benzodiazepine – sind da wirklich alle „böse“ und können nicht sinnvoll eingesetzt werden? Dann sollte man sich mal ein krampfendes epileptisches Kind anschauen, welchem mit einer Diazepam-Rectinole geholfen werden kann. Und dass sich so gut wie alle Chemie-Butzen weltweit in der Zwischenzeit weigern, Pentobarbital in die USA zu liefern aufgrund der Verwendung im „Todescocktail“ stellt Chirurgenteams in der ganzen USA vor echte Probleme. Wer mir vorwerfen sollte, das Leben nur Schwarz-Weiß zu sehen, verkennt mich vielleicht. Dass ich zu einigen Aspekten des Lebens allerdings eine Meinung vertrete, die Ecken und Kanten hat, darf man mir vorhalten.

      Und nun zum vierten Aspekt: Darf ein Apotheker erwarten, dass man versucht, ihn „zu bescheißen“? Und damit sind wir bei einem echten moralischen Dilemma angekommen. Denn wenn ich diese Erwartungshaltung verinnerliche, werde ich sie alles und jedem gegenüber anlegen (müssen). Mit anderen Worten: Die Unschuldsvermutung gilt dann von mir gegen andere nicht mehr. Ich persönlich denke, dass auf dieser Basis ein sinnvolles Zusammenleben in einer Gemeinschaft langfristig nur schwer möglich sein dürfte. Ich bin ein Kind des Sozialismus, und ich weiß, wovon ich rede. Wenn ich bei jedem Wort aufpassen muss, wann ich es unter welchen Umständen zu wem sage, damit mir nicht Jahrzehnte später ein Strick daraus gedreht wird, dann lebt man mit der „Schere im Kopf“. Wer wünscht sich so einen Zustand für die Gesellschaft? Ich nicht. (Nun gut, verschiedene Geheimdienste sind gerade weltweit dabei, genau so eine Gesellschaft zu errichten. Aber dann werden es Suchtpatienten auch nicht einfacher haben, im Gegenteil.) Ich freue mich darüber, zumindest in 99,9% der Gespräche davon ausgehen zu können, dass mein Gegenüber es größtenteils ehrlich mit mir meint, auch wenn er vielleicht nicht die „ganze Wahrheit“ sagt, aus welchen Gründen auch immer. Dass ich Menschen, die mich (aus egal welchen Gründen) betrügen wollen, dann eine ablehnende Haltung entgegen bringen werde, ist, so glaube ich, einfach menschlich.

      Und damit wäre der Kreis geschlossen, denn Sie, Frank, sind sich Ihres Problems und potentielle Lösungsansätze durchaus bewußt – wie ich aus Ihren verschiedenen abstinenten Phasen zu schlussfolgern meine. Da ich Ihnen aber kaum eine direkte Hilfe angedeihen lassen kann, bleibt mir nur, Ihnen zu wünschen, dass Sie die (adäquate) Hilfe finden, die sie benötigen, und die Stärke, die Behandlung durchzuhalten und danach rückfallfrei weiterleben zu können. Dass ich unter diesen Voraussetzung anders reagiere als gegenüber jemanden, der mit seinem Suchtproblem nicht nur stolz hausieren geht, sondern auch noch mein „Unwissen“ über psychotrope Substanzen und deren Haupt- und Nebenwirkungspotenzial verlacht und seine eigenen Betrügereien im Lichte der Menschlichkeit gegenüber Dritten betont, die er dann unter beachtlicher Gewinnspanne „humanitär versorgt“, dass ich mich neuhochdeutsch gesprochen von solchen Mitmenschen angepisst fühle, die stolz darauf sind, mich abzuledern, darf man mir immer wieder vorwerfen. Dazu stehe ich.

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    3. Sollte ich den Absatz mit dem „(nicht) bescheißen“ falsch verstanden haben, geht dies auf meine Kappe. Mir ist erst hinterher aufgefallen, dass ich die Aussage eventuell falsch verstanden habe. Dafür bitte ich gegebenenfalls um Entschuldigung.

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  10. Man darf den Mensch nicht auf dem Dormi+Entzug lassen, nur wenn er mal ab und zu Eine mehr zu sich nimmt und gemeldet bei einem Arzt ist, infolge des Medikamentenbezugs, aber der grad nicht erreichbar ist. Dann könnte man doch dann eine Tagesdosis im vorraus geben (Apotheke) und am nächsten Tag, probieren den Arzt zu erreichen. Aber nein, ohne jez kein Rezept, kommst und blebsch bis morgen auf`m Entzug. Weil das keiner aushält, gehst geld klauen und auf Gass oder musst dich wege 1,2 tabletten per Notfall im Spital anmelden. Sagt die Apothekerin…ja dann mussen sie halt so machen. (nene keine Namen aber bekam i schon zu hören)! Diese Leute sollte man auf den Entzug tun, weil die haben nur darüber gelesen und keine Ahnung, wie viel schlimmer als alles auf de welt an schmerzen sein können und das monatelang! sorry hat er sich grad kli aufgeregt. LG

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    1. „Man“ muss sich in der Apotheke an die geltenden Gesetze halten, das ist richtig so.
      Und die Leute kann man nur „auf Entzug tun“ wenn sie denn vorher süchtig sind.
      Auch sorry. Ich hoffe, Du beruhigst Dich wieder. LG

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  11. Meine freundin hat meine geschrieben Rezept verfälscht und ich habe das leider nicht gesehen und habe eingelöst
    Eine stunde später ist ein herr gekommen und meinte ich muss nächsten tag wieder zum Apotheke gehen wegen Fälschung und hat meine Tabletten mit genommen so was in passiert mit zum erstes mal
    Was will Apotheke mit mit machen wieso wollrn sie das ich nächsten tag komme?

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    1. Das hört sich sehr seltsam an.
      Erst Mal: gib deiner Freundin keine Rezepte mehr in die Hand.
      Zweitens: Was war das denn für ein Herr? Hat der sich nicht ausgewiesen? (Vielleicht hängt der mit der Freundin zusammen)
      Drittens: Keine Ahnung, was die Apotheke damit machen will – wenn der Herr wirklich von der Apotheke war. Sie können dich (und die Freundin) wegen Urkundenfälschung anzeigen, aber das läuft dann wohl direkt über die Polizei.

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